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Düsseldorf: Experte: Falsches Konzept bei Real

Düsseldorf : Experte: Falsches Konzept bei Real

Der Tarifstreit zwischen dem Unternehmen und Verdi hat sich verschärft.

Wer die Tonlage in den Tarifgesprächen zwischen der SB-Warenhauskette Real und der Gewerkschaft Verdi verfolgt, hat nicht das Gefühl, dass eine Einigung in Sicht ist. Die Gewerkschafter beklagen, dass es kein echtes Zukunftskonzept für die Märkte gebe und Beschäftigten Altersarmut drohe, wenn die Metro-Forderungen nach einer Senkung der Lohnkosten erfüllt würden. Metro-Chef Olaf Koch bekräftigt dagegen stets gebetsmühlenartig, bei Wettbewerbern, die nicht nach Tarif bezahlten, seien die Lohnkosten bis zu 30 Prozent niedriger.

Verhärtete Fronten. Ein Scheitern der Verhandlungen kann sich eigentlich keiner leisten - die Verantwortlichen der Metro nicht, weil das Wholesale-Geschäft (Cash & Carry) in einem Cash Pool mit Real steckt, die Gewerkschaft Verdi nicht, weil ohne einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen die Glaubwürdigkeit bei den Mitgliedern leiden könnten. Also ringen sie weiter um die Zukunft des Sorgenkindes Real.

"Das Personal- und Verkaufskonzept stimmt bei Real nicht", urteilt der Mönchengladbacher Handelsprofessor Gerrit Heinemann. Ein Beispiel: Anstatt immer nur über die Höhe der Personalkosten in den Niederlassungen zu diskutieren ("Da sind die Gehälter nicht höher als bei Edeka und Rewe") empfiehlt Heinemann einen anderen Ansatz: "Würde Real wie beispielsweise Amazon sein Zentrallager mit Robotern betreiben, hätte es in der Logistik 30 Prozent niedrigere Prozesskosten. Und mehr SB-Kassen wie in Großbritannien bereits üblich, allerdings solche, die auch wirklich funktionieren".

Heinemann glaubt auch nicht an das Konzept der Markthalle in Krefeld, die als leuchtendes Beispiel für einen hochwertigen Real-Markt der Zukunft stehen soll: "Man kauft halt kein Kobe-Rind bei Real." Das Modell ist bisher komplett auch nur auf den Standort Braunschweig übertragen worden; in anderen Niederlassungen wurden einzelne Module aus Krefeld angewandt.

Schwierige Lage. Metro-Chef Koch hat für den Fall, dass die Verhandlungen mit Verdi scheitern sollten, schon "eine andere Lösung" angekündigt. Dass er in der Zeit einen Käufer für Real findet, gilt als unwahrscheinlich.

In Handelskreisen wird darüber spekuliert, dass Metro Wholesale eine ideale Verstärkung für Amazon Fresh wäre. "Die Kühl- und Frischelogistik bei Amazon steht nicht, da könnte eine Übernahme der Metro durchaus Sinn machen", so Heinemann. Rund 6,5 Milliarden Euro ist die Metro derzeit an der Börse wert. Da könnte man Real problemlos ohne großen Aufpreis draufpacken, sagen andere Branchenkenner. Der wahre Wert stecke ohnehin in den Immobilien des Unternehmens, und die gehörten nicht Real, sondern der konzernweiten Immobiliengesellschaft Metro Properties.

(RP)