Europas größter Tourismuskonzern Tui will mit Ausflügen und Zimmeraufschlägen die Kasse füllen

Reiseindustrie : Touristiker setzen auf Paketreisen

Beim Kongress des Software-Entwicklers Peakwork zeigt sich ein neuer Trend.

Unternehmen der Reisebranche setzen zunehmend darauf, ihren Kunden Angeboten im Paket zu verkaufen. Dies sagten am Dienstag bei einem Kongress des Düsseldorfer Softwarehauses Peakwork Tui-Chef Fritz Joussen und auch Tao Tao, Mitgründer des Berliner Reiseportals Getyourguide, das kürzlich 484 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt hat.

Diese Strategie beobachtet auch Charlie Ballard, Manager des Reiseportals Tripadvisor: Die Reiseindustrie nutze zunehmend Daten ihrer Kunden, um sie sehr viel individueller als bisher anzusprechen, sagte er.

Joussen beschrieb, wie die Tui als größter Tourismuskonzern der Welt zunehmend in Hotels Wunschzimmer mit einem kleinen Aufschlag anbiete. Dies könne fünf oder zehn Euro mehr an Umsatz pro Zimmer und Nacht bringen, doch die Kunden seien zufriedener. Zusätzlich würden zunehmend Mietwagen, Leihfahrräder, Ausflüge oder auch Konzertbesuche direkt mit offeriert. Damit das gut klappe, habe Tui noch im Herbst 2018 das italienische Start-up Musement übernommen, das in seinem digitalen Katalog mehr als 35.000 Offerten gesammelt hat.

Für Joussen sieht die Rechnung einfach aus: Der Konzern habe im Jahr 21 Millionen Kunden. Wenn jeder von denen für eine Reise 950 Euro statt 900 Euro ausgebe, erhöhe dies den Gewinn von Tui um viele hundert Millionen Euro.

Einer der Gründe sei, dass der Konzern beim Vermitteln anderer Angebote eine Gewinnmarge von rund 35 Prozent einfahre, ungefähr doppelt so viel wie im Hotelgeschäft. Tui habe den Reisenden schon immer auch Ausflüge an den Zielorten vermittelt, aber durch die Digitalisierung werde dies ausgebaut: „Wir integrieren die Zusatzangebote in die App. Das macht dem Kunden das Buchen möglichst einfach. Und schon bevor er am Zielort ankommt, wird alles für ihn vorbereitet.“ Dabei ermögliche die Digitalisierung eine deutlich stärkere Differenzierung des Reisens als früher: „Wir können jedem Kunden ein auf ihn zugeschnittenes Angebot machen, obwohl wir es mit vielen Millionen Kunden zu tun haben.“

Für Joussen wird die Digitalisierung die Reisebranche noch einmal revolutionieren in den nächsten Jahren. So könne sein Konzern die eigenen 380 Hotels und 17 Kreuzfahrtschiffe deutlich besser auslasten, weil man viele Millionen Kunden mit möglichen Sonderangeboten ködern könne, um Leerstände zu vermeiden. Umgekehrt verabschiede sich die Tui gezielt davon, zu viele Kapazitäten anderer Hotelunternehmen zu vermarkten, weil die Margen in diesem Geschäft eher niedrig seien.

Peakwork, die gastgebende Firma des Kongresses, an der Tui einen Anteil von 15 Prozent hat, beschrieb, dass auch viele andere Reiseunternehmen auf Paketreisen setzen: So würden die Deutsche Bahn, Eurowings oder auch die Airline Emirates Software von Peakwork nutzen, um reine Reisen mit Zusatzangeboten zu koppeln. „Wir sind in einem Wachstumsmarkt“, sagte Marketingsmanager Joao Gonzaga.

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