Europäische Zentralbank: Sabine Lautenschläger soll Jörg Asmussen folgen

Frankfurt/M. : EZB: Lautenschläger soll Asmussen folgen

Die Bundesbank-Vizepräsidentin ist die Favoritin für den Posten im Direktorium der Notenbank.

Sie ist fleißig, ungezwungen, aber nicht geschwätzig. Und in ihrem Spezialgebiet, der Bankenaufsicht, ist sie beruflich gewachsen und groß geworden: Sabine Lautenschläger, die die besten Aussichten haben soll, nach dem Wechsel von Jörg Asmussen ins Bundesarbeitsministerium ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) aufzusteigen.

Foto: Soeren Stache

Am Bankenplatz ist Lautenschläger, wie der Volksmund sagt, "bekannt wie ein bunter Hund". Die Vizepräsidentin der Bundesbank, die von der Finanzaufsicht Bafin kam, ist im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig. Das ist seit der Finanzkrise das wichtigste Thema am Bankenplatz. Lautenschlägers These: Der harte Wettbewerb trage "immer das Risiko in sich, dass die Institute nicht die Marge erhalten, die sie für das Risiko, das sie mit den Geschäften eingehen, eigentlich erhalten müssten, um gesund zu bleiben". Sie spreche sich damit nicht für "übersprudelnde Gewinne" bei den Banken aus, sagte sie im November bei der Vorlage des Finanzstabilitätsberichts. Sie wolle nur, dass Banken "risikoadäquate Preise durchsetzen" könnten.

Die Aufsicht über die größten europäischen Banken wandert 2014 zur EZB. Gut vorstellbar, dass auch Lautenschläger wechselt. Die Bundesregierung hat sich zwar noch nicht entschieden. Im Gespräch als Asmussens Nachfolgerin sind auch Elke König, die aktuelle Chefin der Bankenaufsicht Bafin, und die Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Claudia Buch. Doch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat bereits wissen lassen, dass er große Stücke auf Sabine Lautenschläger hält: "Sie ist eine herausragende Vizepräsidentin der Bundesbank", sagte er im Deutschlandfunk. Die EZB müsse die Bankenaufsicht neu aufbauen. Und da habe Lautenschläger "ganz große Erfahrungen". Deswegen sei das "sicherlich eine gute Überlegung", sagte Schäuble.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hätte mit seiner jetzigen Stellvertreterin eine Verbündete im EZB-Rat. Er und Asmussen dagegen waren geldpolitisch nicht immer einer Meinung.

Asmussen, der als beamteter Staatssekretär ins Arbeitsministerium geht, hat in der Europäischen Zentralbank jährlich rund 267 000 Euro verdient. Als beamteter Staatssekretär mit der Besoldungsgruppe B 11 verdient er rund 100 000 Euro weniger. Dieser Verzicht spricht für eine hohe private Motivation. Oder für die Hoffnung, sich von Berlin aus leichter als nächster Finanzminister ins Gespräch bringen zu können.

(RP)