Brüssel: EU will Jungbauern und kleinen Höfen mehr zahlen

Brüssel : EU will Jungbauern und kleinen Höfen mehr zahlen

Die EU-Staaten haben sich auf eine Agrarreform geeinigt. Es geht um jährlich 60 Milliarden Euro Subventionen.

Europas Landwirtschaft soll grüner werden: Die lang umkämpfte Agrarreform ist nach einer Einigung der EU-Staaten in trockenen Tüchern. Nun muss noch das Europaparlament zustimmen. Die Neuerungen sollen ab 2014 in Kraft treten. Es geht um viel Geld: Jährlich fließen 60 Milliarden Euro an die Bauern. Das sind fast 40 Prozent aller EU-Ausgaben. Fast drei Viertel der Gelder gehen als Direktzahlungen an die Landwirte. Der Rest fließt in Förderprogramme für den ländlichen Raum.

Kernpunkte der Reform: Künftig werden mindestens 30 Prozent der Subventionen für die Bauern an Umwelt- und Klimamaßnahmen gebunden. Ein Landwirt bekommt also die volle Summe der ihm zustehenden Direktzahlungen nur, wenn er naturschonend wirtschaftet – sonst erhält er maximal 70 Prozent des Betrags. Er muss zum Beispiel je nach Größe zwei oder drei verschiedene Pflanzenkulturen anbauen. Ein kleiner Teil – mindestens fünf Prozent – sollen ab 2015 ökologische Vorrangflächen sein, also etwa Brachland, Randstreifen oder ein Wäldchen. Biobauern sind von den Auflagen befreit.

Zu den Gewinnern der Reform zählen Junglandwirte unter 40 Jahren, die an vielen Orten fehlen. Sie sollen Extrafördergelder bekommen, wenn sie einen Hof übernehmen oder einen eigenen Betrieb aufbauen. Mehr Geld können auch Bauern mit Höfen in geografisch ungünstigen Regionen wie etwa im Gebirge bekommen.

Innerhalb eines Mitgliedslandes sollen die Subventionen einheitlicher gezahlt werden – bisher fließen in der EU 80 Prozent des Geldes an 20 Prozent der Betriebe, und zwar an die größten. Bäuerliche Familienbetriebe sollen künftig Extrazahlungen bekommen. Dafür sollen die Mitgliedsstaaten bei Subventionen ab 150 000 Euro kürzen. Üppigen Brüsseler Subventionen für Flugplätze, Golfplätze und Co. soll ein Riegel vorgeschoben werden: Bisher bekommen sie wegen der großen Flächen viel EU-Geld. Sie kommen nun auf eine schwarze Liste. Nur noch "aktive Landwirte" sollen Fördergelder erhalten.

Ab 2019 soll jeder Landwirt in der EU mindestens 196 Euro pro Hektar aus Brüssel bekommen. Derzeit sind diese Flächenprämien innerhalb der EU extrem unterschiedlich. Große Länder wie Deutschland werden dadurch weniger Geld bekommen, Länder in Osteuropa mehr. Der Umweltverband BUND lobt die Reform als ersten Schritt in die richtige Richtung.

Zudem wollen die Agrarminister wollen die Subventionierung der Zuckerproduktion 2017 auslaufen lassen. Die Quoten halten derzeit den Zuckerpreis hoch – zum Leidwesen der Süßwarenindustrie.

(RP)