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Düsseldorf: EU senkt Telefongebühren für Urlauber

Düsseldorf : EU senkt Telefongebühren für Urlauber

Ab 1. Juli gelten bei Reisen innerhalb der EU niedrigere Höchstpreise für Telefonate, SMS und für mobiles Surfen. Gleichzeitig gibt es immer günstigere Paketpreise – auch weil die EU günstigere Großhandelspreise erzwang.

Europas Urlauber haben eine Heldin: Auch weil EU-Verbraucherkommissarin Neelie Kroes gegen zu hohe, grenzüberschreitende Tarife kämpft, sinken die maximal zulässigen Preise bei EU-Auslandsaufenthalten ab nächstem Monat noch einmal deutlich. "Die Zeit der Mondpreise ist bei Urlaubsreisen für die Telefonkunden endgültig vorbei", sagt Kroes.

Eine abgehende SMS kostet nur noch zehn Cent – eine Verabredung per Kurznachricht in Mallorca ist also günstig. Ein Anruf zu Hause darf pro Minute nur noch 29 Cent kosten – fast 20 Prozent weniger als vor einem Jahr festgelegt wurde, ein Drittel weniger als noch in 2011. Und auch die Kosten für lange Telefonate werden verkraftbar – allerdings nur, wenn man sich von Deutschland aus anrufen lässt. 20 Minuten Telefonat mit der Heimat kosten bei einem Minutenpreis von künftig acht Cent nur noch 1,60 Euro. Allerdings muss der Gesprächspartner den Inlandstarif für den Anruf bezahlen.

Dabei sind sinkende Preise für Telefonate und SMS nur ein Teil der Verbesserungen für Reisende. Deutlich günstigere Tarife für mobiles Surfen per Smartphone sowie viele Paketangebote der Mobilfunker bringen den Markt weiter in Schwung.

Datenlimits Die Unternehmen dürfen ab 1. Juli nur noch maximal 54 Cent für ein Megabit geladener Daten kassieren – 29 Cent weniger als vor einem Jahr. Damit können immerhin zehn Kurznachrichten über einen Dienst wie Whatsapp abgerufen werden oder auch einige kürzere Mails. Wer dagegen zehn Megabit "verbraucht", kann damit immerhin einige kleinere Fotos versenden. Und damit die Kunden bei der Heimkehr nach Hause keine böse Überraschung erleben, müssen die Mobilfunker ab einem genutzten Datenvolumen für 60 Euro das Tempo komplett herunterdrosseln – erst nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers ist wieder unbegrenztes Surfen möglich.

Pauschalpakete Die EU hat indirekt vorangetrieben, dass es immer günstigere Paketangebote gibt: Sie hat alle Mobilfunkunternehmen der EU gezwungen, den Großhandelspreis für das Aufrufen von einem Megabit Daten auf 29 Cent zu senken. Dies hilft allen Unternehmen, halbwegs günstige Paketpreise auch für das mobile Surfen unterwegs anzubieten, auch wenn man teilweise keine Schwesterunternehmen im Ausland hat. "Ohne spezielle Tarife im Ausland könnten die Firmen Kunden verlieren", warnt Holger Neinhaus, Vorstand der Strategieberatung SMP AG, "Kunden fordern solche Optionen zunehmend".

Einer der Vorreiter bei Paketangeboten ist sicher Vodafone-Deutschland als Teil des globalen Konzerns.

Im Rahmen der Tariffamilie "Vodafone Red" werden Auslandsgespräche und Surfen unterwegs zum Teil in die "normalen" Tarifpakete gepackt – wer für 36 Euro im Monat den mittleren "Red"-Tarif bucht, hat immerhin eine Woche Smart-Phone-Surfen im Ausland integriert.

Interessant ist ein neues "Reisepaket Plus": Für drei Euro Zuschlag am Tag können die Kunden unterwegs 50 Minuten telefonieren und 50 SMS versenden und 100 Megabit Daten "verbrauchen" – wer viel unterwegs ist, kann also verschmerzen, dass Vodafone im Inland eher kein Preisbrecher ist.

Natürlich bieten auch E-Plus, O2 und die Telekom Tarifpakete für Auslandsreisen – die Telekom beispielsweise mit ihrem sehr interessanten "Travel&Surf-Pass": Vertragskunden können in der EU und einigen anderen Ländern für 14,95 Euro eine Woche lang bis zum Limit von 100 Megabit per Smartphone surfen. Ehrlicherweise muss man aber sagen: Video laden oder sehr intensives Recherchieren im Internet sollte man auch per W-Lan im Hotel erledigen – ganz so viel sind 100 Megabit am Ende doch nicht.

Kunden müssen sich nach den genauen Konditionen bei ihrem Anbieter informieren, für Vielsurfer dazu noch ein Rat: In vielen Ländern ist es auch möglich, sich einfach eine örtliche Sim-Karte für das Smartphone zu holen – dann können zehn Euro für drei Wochen Online-Nutzung reichen.

Indirekt will EU-Kommissarin Kroes solche Gedanken aufgreifen. Sie will durchsetzen, dass es bald in Europa überhaupt keine Auslandszuschläge per "Roaming" gibt. Ein europäischer Markt, eine Technik, also einheitliche Tarife, meint sie.

Für die Mobilfunker wäre ein solches Szenario ein Alptraum: "Kunden könnten irgendwo in Südeuropa extrem günstige Verträge mit einer Flatrate abschließen und dann grenzenlos bei uns die Netze nutzen" befürchtet ein Manager.

Die Folge wäre klar: Immer weniger Geld für Investitionen. Auf Dauer wäre das aber auch ein Alptraum für uns Kunden.

(RP)