1. Wirtschaft

So viele Beschäftigte wie nie: Erstmals über 42 Millionen erwerbstätig

So viele Beschäftigte wie nie : Erstmals über 42 Millionen erwerbstätig

In der Bundesrepublik gibt es so viele Beschäftigte wie noch nie. Die Arbeitslosenzahl sinkt im Oktober auf 2,8 Millionen.

So viele Jobs gab es in der Bundesrepublik noch nie: Erstmals übersprang die Zahl der Erwerbstätigen im September die 42-Millionen-Marke. Sie kletterte auf 42,1 Millionen und lag damit um 250 000 über dem Stand vom September 2012. Auch im Oktober setzte sich der positive Trend am Arbeitsmarkt fort: Die Zahl der Arbeitslosen sank um 48 000 gegenüber dem Vormonat auf 2,801 Millionen.

Während der Abbau der Arbeitslosigkeit zuletzt etwas langsamer voranging als in den zwei Jahren bis Mitte 2013, setzt sich der Aufbau der Beschäftigung mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Noch stärker als die Erwerbstätigenzahl insgesamt nahm im September die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu: Sie stieg um gut 350 000 auf 29,5 Millionen Stellen. "Das eigentliche Wunder in Deutschland ist nicht die sinkende Arbeitslosigkeit, sondern die stark steigende Erwerbstätigkeit", sagte der Arbeitsmarkt-Experte der Berenberg Bank, Christian Schulz. "Viele prekäre Jobs werden in reguläre Beschäftigung umgewandelt. Das bedeutet sichere und höhere Einkommen, was wiederum den Konsum stimulieren dürfte", meinte Schulz.

Vor allem im Süden, aber auch in Teilen des Westens hat das deutsche Jobwunder bereits für Vollbeschäftigung gesorgt (siehe Grafik). Wenn die Arbeitslosenquote in einer Region unter vier Prozent liegt, gehen Experten dort von Vollbeschäftigung aus, weil es stets Menschen gibt, die sich wegen eines Jobwechsels kurzzeitig arbeitslos melden.

Die Unternehmen bedienen sich bei der Stellenbesetzung zunehmend bei der so genannten "stillen Reserve". Das sind etwa eine Million Menschen, die zuvor nicht aktiv einen Job gesucht haben und deshalb nicht in der Arbeitslosenstatistik aufgetaucht sind. Sie drängen dann auf den Arbeitsmarkt, wenn Unternehmen mit besseren Bedingungen locken, etwa höheren Gehältern oder flexibleren Arbeitszeiten.

Zudem stellen die Unternehmen auch immer häufiger Zuwanderer ein. Im vergangenen Jahr war die Zahl der in Deutschland registrierten Ausländer um 4,1 Prozent oder knapp 300 000 gegenüber dem Vorjahr so stark gestiegen wie seit 1993 nicht mehr. "Die Firmen finden die benötigten Arbeitskräfte zunehmend nicht mehr im Pool der verbliebenen Arbeitslosen, sondern im Ausland", sagte Schulz. "Zuwanderung schafft Beschäftigung", stellte auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank Weise, fest.

Bei der Erwerbslosenzahl sei mit 2,8 Millionen ein Stand erreicht, der in näherer Zukunft kaum noch nennenswert sinken dürfte, prognostizieren die Experten. "Wir haben bei der Arbeitslosigkeit einen harten Kern erreicht, der nicht ohne Weiteres abgebaut werden kann", sagte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. Dazu wäre ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum nötig.

Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute sagen zwar einen Aufschwung in diesem Herbst voraus. Das Wachstum dürfte von 0,5 Prozent 2013 auf 1,7 Prozent im kommenden Jahr anziehen, prognostiziert die Regierung. Die Rate müsste jedoch bei deutlich über zwei Prozent liegen, um auch die schwer Vermittelbaren mit Stellen zu versorgen. Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde dürfte die Einstellungschancen von gering Qualifizierten und Jüngeren mindern. Das Münchner Ifo-Institut befürchtet vor allem in Ostdeutschland sogar einen beträchtlichen Stellenabbau, sollten Union und SPD den flächendeckenden Mindestlohn einführen.

Eine noch bessere Bilanz am Arbeitsmarkt wurde verhindert wegen der vergleichsweise schwachen Herbstbelegung. Anders als in den vergangenen beiden Jahren im Oktober zogen die Geschäfte der Unternehmen nach den Sommerferien nicht so stark an. Ein Grund dafür war die derzeit noch schwächere Weltkonjunktur, die allerdings in den kommenden Monaten anziehen dürfte. Die BA rechnet mit einem stabilen Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten, nicht aber mit einem kräftigen Abbau der Arbeitslosigkeit.

(mar)