Ernte-Ausfälle durch Hitze: Bauernverband fordert Milliarden-Hilfe

Ernte-Ausfälle : Bauernverband fordert eine Milliarde Euro an finanzieller Unterstützung

Die Hitze-Welle in Deutschland hat Konsequenzen für die Landwirtschaft: Der Bauernverband will deshalb staatliche Unterstützung, die Milchbauern fordern höhere Preise. Am Dienstag und Mittwoch berät die Politik.

„Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir fordern jetzt Liquiditätshilfen, damit wir Betriebe, deren Ertrag mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegt, direkt unterstützen können.“

Zudem müsse eine sogenannte Risikoausgleichsrücklage eingeführt werden: Diese soll regeln, dass Landwirte in guten Jahren nicht den gesamten Gewinn versteuern müssen und so Rücklagen bilden können.

Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich in Teilen des Landes bereits große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen. Auch Tierfutter droht deswegen knapp zu werden. „Wir brauchen sowohl kurzfristige als auch langfristige Lösungen, denn in solchen Extremsituationen fragt man sich natürlich unweigerlich, was die nächsten Jahre an Überraschungen mit sich bringen“, sagte Marilena Kipp, Sprecherin des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes.

Im Vergleich zu Regionen im Osten Deutschlands seien die Landwirte bei der Getreideernte in NRW im Schnitt aber mit einem blauen Auge davongekommen. „Die Ernte war auch bei uns nicht gut. Aber sie war nicht so flächendeckend katastrophal wie andernorts“, sagte Hans-Heinrich Berghorn vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband.

Herbe Verluste werden beim Mais befürchtet. So spricht der Landwirtschaftsverband im Rheinland von Einbrüchen bis zu 40 Prozent. Probleme macht die Dürre auch den Milchviehhaltern: Sie sind auf Mais und Gras als Futter angewiesen. „Bereits jetzt wird das Winterfutter angebrochen, da die Weiden nicht mehr genug hergeben“, sagte Kipp. Die Milchbauern fordern deshalb deutlich höhere Milchpreise. „Nötig wären 41 Cent pro Liter“, sagte Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, dem „Tagesspiegel“. Bundesweit würden im Schnitt derzeit aber nur 31 bis 32 Cent gezahlt.

Aufgrund der schlechten Ernten müssten Landwirte teilweise Futter zukaufen. „Auf dem Feld steht nichts mehr“, sagte Foldenauer. Dadurch hätten die Bauern steigende Kosten, aber es fehlten die nötigen Mittel. Viele Milchkühe, die für die Milchproduktion nicht mehr gebraucht würden, würden demnach deshalb früher geschlachtet als vorgesehen. Staatliche Hilfen lehnte er allerdings ab: „Die paar Euro vom Staat können unsere höheren Kosten nicht abdecken“, sagte Foldenauer.

Am Dienstag wollen Vertreter von Bund und Ländern in Berlin über die Folgen der Hitze für die deutschen Bauern beraten. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der Witterungsschäden. Laut Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) ist das Bild derzeit sehr unterschiedlich. Während die Winzer mit einem sehr guten Jahrgang rechnen dürften, hätten manche Landwirte Existenzängste. Klöckner will das Kabinett am Mittwoch über die Auswirkungen der Dürre auf die Landwirtschaft informieren.

(mba/dpa/AFP)
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