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Equal Pay Day: Frauen in NRW verdienen 21 Prozent weniger

Equal Pay Day : Frauen in NRW verdienen 21 Prozent weniger als Männer

Der 17. März ist der internationale Tag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern. Der prozentuale Verdienstunterschied hat sich jedoch seit Jahren nicht geändert. Vor allem Kinder kosten Mütter Erwerbseinkommen.

Gleiche Arbeit, gleiches Geld? Weit gefehlt. Frauen verdienen seit Jahren in Deutschland deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Das Statistische Landesamt IT NRW hat jetzt Zahlen für das vergangene Jahr veröffentlicht: Demnach verdienten Frauen in Nordrhein-Westfalen 2019 mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 17,36 Euro rund 21 Prozent weniger als Männer (21,90 Euro). Laut dem Amt hat sich der prozentuale Verdienstunterschied seit 13 Jahren kaum verändert. Darauf macht der Equal Pay Day aufmerksam – der internationale Aktionstag für die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen.

Die Zahlen hat IT NRW auf Basis einer Verdienststrukturerhebung ermittelt. Zu ähnlichen Ergebnissen ist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gekommen, dem Zahlen für ganz Deutschland vorliegen: Arbeitnehmerinnern verdienten vergangenes Jahr mit durchschnittlich 17,72 Euro brutto die Stunde 4,44 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen (22,16 Euro). Das entspricht ebenfalls rund 20 Prozent.

Das Statistische Bundesamt weist auf starke regionale Unterschiede in Deutschland hin: Im Westen sei der Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern im Jahr 2019 um einen Prozentpunkt auf 21 gefallen, im Osten sei er mit sieben Prozentpunkten unverändert geblieben. Rund drei Viertel des Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen ist dem Bundesamt zufolge strukturbedingt. Er ist also darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird, und sie seltener Führungspositionen erreichen. Zudem arbeiteten Frauen häufiger in Teilzeit oder in Minijobs.

Wie groß die Kluft tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Studie eines Forschungsteams vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und der Freien Universität Berlin, die von der Bertelsmann-Stiftung gefördert wurde. In der Studie werden die durchschnittlichen Lebenserwerbseinkommen vor Steuern, Abgaben und Transfers – also staatliche Leistungen wie das Eltern- oder KIndergeld – für das 20. bis 60. Lebensjahr berechnet. Das Ergebnis: Frauen verdienen im Leben nur halb so viel wie Männer.

Laut der Studie haben Frauen in Westdeutschland ein durchschnittliches Lebenserwerbseinkommen von rund 830.000 Euro, während Männer mit durchschnittlich rund 1,5 Millionen Euro rechnen könnten. In Ostdeutschland fallen die Einkommen insgesamt niedriger aus, aber auch dort gibt es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männer im Osten verdienen durchschnittlich rund 1,1 Millionen Euro, Frauen nur rund 660.000 Euro.

Die Lücke in den Lebenserwerbseinkommen betrage nach Informationen der Forscher für die jüngsten Jahrgänge, die heute Mitte-30-Jährigen, 45 Prozent in West- und 40 Prozent in Ostdeutschland. Für die Studie haben die Experten auch das Qualifikationsniveau betrachtet: Bis zum Geburtsjahrgang 1974 erzielen hochqualifizierte Frauen demnach im Durchschnitt nur so viel Erwerbseinkommen wie geringqualifizierte Männer. Immerhin: Jüngere Akademikerinnen sollen mittlerweile ein ähnliches Lebenserwerbseinkommen wie mittelqualifizierte Männer erwarten können. Sie haben also etwas aufgeholt.

Die Studie zeigt auch, wie sich Kinder auf die Lebenserwerbseinkommen der Mütter auswirken. Während sich Kinder auf die Einkommen der Väter so gut wie nicht auswirken, müssen Mütter mit einer deutlichen Minderung des Einkommens rechnen. In Westdeutschland verdienen Mütter durchschnittlich 62 Prozent weniger als Väter, in Ostdeutschland 48 Prozent. „Die Unterschiede in den Lebenserwerbseinkommen zeigen, dass in Deutschland Chancen und Teilhabe auf dem Arbeitmarkt zwischen Männern und Frauen sehr ungleich verteilt sind. Dabei haben insbesondere Mütter das Nachsehen“, sagt Manuela Barisic, die bei der Bertelsmann-Stiftung als Arbeitmarktexpertin tätig ist.

Lediglich die Einkommen der kinderlosen Frauen nähern sich denen der Männer an. So sollen heute Mitte-30-jährige Frauen ohne Kinder in Westdeutschland „nur“ 13 und kinderlose Frauen des gleichen Alters in Ostdeutschland „nur“ drei Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Die Forscher erklären sich den vergleichsweise geringen Abstand in Ostdeutschland durch geringe Einkommen jüngerer Männer.

Entscheidend für die Einkommenslücken sind laut Bertelsmann-Stiftung Teilzeitbeschäftigung und längere Auszeiten. Eine wesentliche Rolle spielten dabei Kinderbetreuung und die Pflege Angehöriger. Die Studie zeigt: Die dominierende Erwerbsform von Frauen im Haupterwerbsalter ist Teilzeit, während Männer mehrheitlich in Vollzeit arbeiteten. „Ein erheblicher Teil des Arbeitskräftepotenziales von Frauen wird aktuell nicht voll ausgeschöpft. Im Zuge des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels kann Deutschland sich das nicht mehr leisten“, meint Arbeitsmarktexpertin Barisic.

(cka/epd)