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Düsseldorf: Eon prüft Schließung vieler Kraftwerke

Düsseldorf : Eon prüft Schließung vieler Kraftwerke

In 2013 halbiert sich der Gewinn. Ab 2014 werden die Investitionen deutlich gesenkt. Die Renditeziele bleiben aber hoch.

Deutschlands größter Stromkonzern Eon geht äußerst pessimistisch in das neue Jahr. Der Vorstand bewertet die deutsche und europäische Energiepolitik extrem negativ und bereitet das Abschalten vieler Kraftwerke vor. Dies sind die Ergebnisse einer gestrigen Telefonkonferenz zu der Eon-Strategie von Chef Johannes Teyssen und Eon-Finanzvorstand Marcus Schenck.

Konkret rechnet der Düsseldorfer Konzern dieses Jahr nur noch mit einem "nachhaltigen Konzernüberschuss" zwischen 2,2 und 2,6 Milliarden Euro, nachdem in 2012 noch 4,3 Milliarden Euro in die Kasse kamen. Einer der Gründe sind sinkende Preise für Strom im Großhandel.

Als Reaktion werden 2014 nur noch vier Milliarden Euro in neue Geschäfte und Anlagen gesteckt – ein Minus von 50 Prozent gegenüber diesem Jahr. Wichtig bleiben zwar Investitionen in erneuerbare Energien wie speziell die Windenergie. Teyssen will weiter in neue Märkte wie die Türkei vorstoßen. Aber der Neubau konventioneller Kraftwerke mit Kohle oder Gas hat in Europa keine Chance mehr. Teyssen "beerdigte" bereits den Neubau des Kohlekraftwerkes Staudinger in Hessen und lässt überprüfen, ob Eon Kapazitäten im Umfang von elf Gigawatt (zehn große Kraftwerke) stilllegen sollte – das Risiko von Netzausfällen würde weiter steigen.

Aber Teyssen ist knallhart: Die Politik solle entscheiden, wie sie den Weiterbetrieb von an sich unprofi–tablen Kraftwerken finanziert, ansonsten handele er. "Wir können dauerhafte Verluste nicht hinnehmen. Und wenn der zunehmend eingespeiste Solarstrom die Betriebszeit unserer Gaskraftwerke herunterdrückt, ist nicht zu rechtfertigen, die Anlagen vorzuhalten."

Trotz der allgemeinen Kritik an der Energiepolitik lobt Teyssen Umweltminister Peter Altmaier. Er begrüßte grundsätzlich dessen neuen Vorschlag, über eine "Strom-Preis-Grenze" die immer höheren Zuschläge für die Förderung regenerativer Energien (EEG) zu begrenzen.

Für die Mitarbeiter und deren Vertreter hatten Teyssen und Schenck drei Botschaften. Die Gewerkschaften Verdi und IG BCE sollten sich einer Kompromisssuche im aktuellen Tarifstreit nicht verschließen – Verhandlungen müssten sowieso irgendwann wieder aufgenommen werden.

Die Mitarbeiter müssten flexibler werden: So will Teyssen in Deutschland massenhaft dezentrale Minikraftwerke betreiben und damit zum Teil große Anlagen ersetzen. "1000 Kleinanlagen mit je einem Megawatt sind für uns unternehmerisch so interessant und wertvoll wie ein großes Kraftwerk."

Und Eon will trotz harter Zeiten gute Renditen erreichen: Neue Investitionen müssen nach internen Vorgaben mindestens 7,5 Prozent Kapitalrendite bringen, Windkraftanlagen mindestens neun Prozent. Die um 70 Prozent abgestürzte Aktie kann sich also wieder erholen.

(RP)