E.ON hat künftig nur noch 40.000 Mitarbeiter

Aufspaltung: Eon hat künftig nur noch 40.000 Mitarbeiter

Eon trennt sich von allen Kraftwerken, Die Aufspaltung soll 2016 erfolgen. Vorher räumt der Konzern auf und schreibt 4,5 Milliarden ab. Der neue Konzern wird zum Stromhändler mit Ökostrom-Kraftwerken. Vorbild für den Umbau ist die Lanxess-Abspaltung von Bayer.

Für Eon, zu Glanzzeiten einmal der wertvollste deutsche Konzern, begann mit dem Unglück von Fukushima 2011 und der plötzlichen Energiewende der Kanzlerin eine Talfahrt sondergleichen. In den folgenden Jahren musste der Konzern Verluste ausweisen, 11.000 seiner einst gut 80.000 Arbeitsplätze abbauen und einen Verfall des Unternehmenswertes um 75 Prozent hinnehmen. Eine Ende der Malaise war nicht abzusehen. Und so zogen Vorstand und Aufsichtsrat die Notbremse. Sie verordneten dem Düsseldorfer Konzern einen radikalen Umbau.

In die neue Gesellschaft, für die künftig noch ein eigener Name gefunden werden muss, sollen alle Problemgeschäfte, also die Bereiche konventionelle Erzeugung, globaler Energiehandel und das Fördergeschäft (Exploration & Produktion), ausgelagert werden. In diese neue Gesellschaft gehen damit auch alle Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ein. Und mit ihnen auch die milliardenschweren Rückstellungen, die Eon für den Meiler-Rückbau gebildet hat, von denen aber unklar ist, ob sie reichen. Die neue Gesellschaft wird 20.000 Mitarbeiter haben. Die Aktien dieser neuen Gesellschaft bringt Eon nicht direkt an die Börse, sondern legt sie den bisherigen Eon-Aktionären ins Depot. Einen solchen "Spin-off" hatte Bayer einst mit seiner Chemiesparte unter dem Namen Lanxess vorgenommen. Die hierbei gemachten guten Erfahrungen dürften Werner Wenning, damals Bayer-Chef und heute Aufsichtsrats-Chef von Eon, für eine Wiederholung bei dem Energiekonzern begeistert haben.

Die bisherige Eon SE, eine europäische Aktiengesellschaft mit kleinem, zahmen Aufsichtsrat, konzentriert sich mit ihren 40.000 Mitarbeitern künftig auf die Bereiche erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen (also etwa den Verkauf von intelligenten Stromzählern.) Das sind vergleichsweise risikoarme Geschäfte. Die einzigen Kraftwerke, die die klassische Eon dann noch haben wird, sind Windparks und Solaranlagen. Eon kündigte an, vor allem die Windparks in Europa weiter auszubauen.

Der Konzern versprach: "Die Neuaufstellung wird im Sinne der bewährten Sozialpartnerschaft in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen umgesetzt." Im Aufsichtsrat hatten die Arbeitnehmer-Vertreter die Aufspaltung des Konzerns mitgetragen.

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"Eon erwartet, dass die Abspaltung im Geschäftsjahr 2016 nach Zustimmung der Hauptversammlung durchgeführt werden kann", teilte der Konzern nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung mit. Im nächsten Jahr sollen die Schritte zur rechtlichen und wirtschaftlichen Trennung der beiden Unternehmen vollzogen werden.

Vorher will der Düsseldorfer Konzern aber noch gründlich aufräumen. Er teilte mit, für das laufende Geschäftsjahr weitere Abschreibungen auf Kraftwerke und das Südeuropa-Geschäft im Wert von insgesamt 4,5 Milliarden Euro vornehmen zu müssen. "Die Wertberichtigungen werden zu einem erheblichen Konzernfehlbetrag führen", hieß es weiter. Kurzum: Eon schreibt in diesem Jahr rote Zahlen.

Der für die Dividendenzahlung relevante Gewinn, bei dem diese Abschreibungen nicht berücksichtigt sind, soll aber wie angekündigt in Milliarden-Höhe bleiben. Eon kündigte an, für 2014 und 2015 eine Dividende von 50 Cent je Aktie zu zahlen. Für 2013 waren es 60 Cent.

Daneben segnete der Aufsichtsrat den Verkauf des Spanien-Geschäftes an die australische Bank Macquarie für 2,5 Milliarden Euro ab. Dieser Finanzinvestor hatte vor einigen Jahren auch schon das Ferngasnetz des Konzerns übernommen. Was aus dem Italien-Geschäft und dem Förder-Geschäft Nordsee wird, wird noch geprüft.

(RP)
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