Essen: Eon-Aktionäre geben grünes Licht für Europa AG

Essen : Eon-Aktionäre geben grünes Licht für Europa AG

Eon ist nicht RWE: Obwohl der Düsseldorfer Konzern mehr Atomstrom produziert als RWE und 2011 erstmals in die roten Zahlen gerutscht war, blieb die Hauptversammlung gestern fast idyllisch ruhig. Während beim RWE-Treffen vor zwei Wochen Demonstranten schon in der Nacht vor der Grugahalle in Essen campiert und am Morgen die Aktionäre mit Sprechchören empfangen hatten, stand gestern vor der Grugahalle nur ein einsamer Greenpeace-Trommler.

Der scheidende RWE-Chef Jürgen Großmann polarisiert offenbar mehr als Eon-Chef Johannes Teyssen. Auch die Krise, in die die Energiewende Eon gestürzt hatte, sieht Teyssen als überwunden an: "Wir haben uns freigeschwommen." Eon habe zwei Drittel seiner überteuerten Gasverträge nachverhandelt, nur mit Gazprom steht man vor dem Schiedsgericht. Der Abbau von 11 000 der 80 000 Stellen sei im Plan. Weiter gelte, dass dieser möglichst sozialverträglich erfolgen solle. Viele Fragen musste sich Teyssen zur Angemessenheit der Vorstands-Vergütung gefallen lassen: Er und Finanzchef Marcus Schenck hatten sich vom Aufsichtsrat eine überdurchschnittliche Zielerreichung bescheinigen lassen.

Am Abend machte die Hauptversammlung den Weg für die Umwandlung der Eon AG in eine Europa AG frei. 99,7 Prozent der anwesenden Aktionäre stimmten zu. Die Hälfte von Eons Mitarbeitern und Kunden komme aus anderen Ländern, das sollte sich auch in der Rechtsform widerspiegeln, sagte Teyssen. Er versicherte, die Umwandlung bedeute keine Abkehr von Deutschland, auch bleibe Düsseldorf Sitz des Konzerns.

Allerdings werden die deutschen Gewerkschaften entmachtet: Die Zahl der Aufsichtsrats-Mitglieder sinkt von 20 auf 12, davon vertreten sechs die Arbeitnehmer. Doch nur noch vier (statt bisher zehn) Arbeitnehmer-Vertreter kommen aus Deutschland. Die Hauptversammlung wählte die sechs Vertreter der Kapitalseite für den neuen Aufsichtsrat: Dies sind Telekom-Chef Rene Obermann, die früheren Chefs von Henkel und Bayer, Ulrich Lehner und Werner Wenning, der Unternehmer Theo Siegert, die britische Juristin Karen de Segundo und die Anwältin Denise Kingsmill. Die Arbeitnehmer-Vertreter werden noch bestimmt. Bis Ende 2012 soll die Eon AG zur Eon SE (Societas Europaea) umgewandelt sein.

Umstritten war auch der Einstieg von Eon in Brasilien. Thomas Hechtfischer von der Aktionärsvereinigung DSW kritisierte: "Hier hat sich doch schon ThyssenKrupp zwei blaue Augen geholt." Auch Teyssen geht davon aus, dass es mindestens drei Jahre dauert, bis die Beteiligung Geld verdient.

(RP)
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