Menschen wollen sparen Energiekrise trifft den Handel hart – Furcht vor der Weihnachtsflaute

Düsseldorf · Die Menschen sparen in der Energiekrise auch an den Ausgaben fürs Fest. Ein Fünftel will keine Geschenke kaufen. Das träfe die Branche hart. Der Handelsverband NRW schlägt in einem Brandbrief an die Landesregierung Alarm.

Energiekrise: Trifft Handel hart - Furcht vor Weihnachtsflaute ​
Foto: dpa/Marcel Kusch

Gut zweieinhalb Monate vor Weihnachten belasten die starke Verteuerung von Energie, die hohe Inflation und die große Unsicherheit der Menschen über drohende Belastungen den Einzelhandel zusehends. Einer Umfrage im Auftrag der Plattform Ebay zufolge will mehr als jede(r) fünfte Befragte kein Geld mehr für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Insgesamt sänken die geplanten Ausgaben für das Fest (einschließlich Essen, Weihnachtsbaum und anderes) um rund ein Viertel auf durchschnittlich 234,90 Euro. „Wenn diese Zahlen zutreffen, könnte es im Handel preisbereinigt ein Umsatzminus von zehn Prozent geben“, sagte der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein unserer Redaktion.

In der vergangenen Woche hatte der Branchenverband HDE bereits erklärt, er rechne für das zweite Halbjahr 2022 mit einem realen Minus von bis zu fünf Prozent. In einzelnen Branchen liege der Umsatz immer noch bis zu ein Fünftel unter dem Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019. Im Onlinehandel seien nach einer ohnehin schwächeren ersten Jahreshälfte aufgrund wachsender Rezessionsängste die Gesamtumsätze von Anfang Juli bis Ende September nominal um 10,8 Prozent gesunken, hieß es. Vor allem im Nicht-Lebensmittelhandel sind die Probleme gravierend. Im Juni betrug das Minus zehn Prozent bei Bekleidung, 17 Prozent im Schuhhandel, 20 Prozent in der Unterhaltungselektronik. Der HDE rechnet damit, dass 2022 mehr als 16.000 Geschäfte aufgeben könnten.

Die Energiekrise trifft den Handel doppelt: Zum einen steigen die Energiekosten für die Unternehmen zum Teil um das Zehnfache. Die Kostensteigerungen spürt aber auch die Kundschaft, weshalb viele Menschen ihre Ausgaben deutlich einschränken. Wegen der hohen Belastungen hatte zuletzt der Handelsverband NRW einen Brandbrief an die Landesregierung geschrieben. „Der Ernst der Lage wird unmittelbar offensichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Umsatzrenditen im Handel üblicherweise zwischen 1,5 und drei Prozent liegen. Eine Steigerung der Energiekosten im gegenwärtigen und weiter erwarteten Umfang bringt zahlreiche Unternehmen unmittelbar in die Verlustzone. An sich gesunde Einzelhandelsunternehmen geraten alleine durch diesen Wirkungszusammenhang in die Schieflage“, erklärte Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen. Die Forderungen: maximale Ausweitung des Energieangebots, temporäre Deckelung des Strompreises, Härtefallhilfen für besonders betroffene Unternehmen, Senkung der Stromsteuer.

Wie schlecht die Aussichten sind, verdeutlichen die jüngsten Zahlen zur Konsumstimmung in Deutschland. Die ist den Angaben des Handelsverbandes HDE zufolge so schlecht wie nie. Und „es ist zu erwarten, dass sich der Pessimismus der Verbraucherinnen und Verbraucher in den nächsten Monaten negativ auf den privaten Konsum auswirken wird“, erklärt der HDE. Der will sich zwar erst im November nach seiner Herbstumfrage unter Handelsunternehmen zu den Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft äußern. Doch schon jetzt scheint absehbar, dass der reale Umsatz (ohne Preiserhöhungen) in den beiden letzten Monaten des Jahres deutlich leiden könnte. Schon im August hatte der HDE ein preisbereinigtes Minus von 2,6 Prozent vorausgesagt.

Der Handel setzt noch darauf, dass der Arbeitsmarkt robust ist und die Menschen seit Beginn der Pandemie vor zweieinhalb Jahren deutlich mehr gespart haben als zuvor. Dieses Geld könnte jetzt für den Konsum genutzt werden, so die Hoffnung. „Es gibt Faktoren, die das Weihnachtsgeschäft negativ beeinflussen, aber auch solche, die positiv wirken könnten“, sagte ein HDE-Sprecher auf Anfrage. Zudem soll der Gaspreisdeckel den Kostendruck abmildern.

Ohne den sind die Aussichten düster: Gut ein Fünftel der vom Handelsverband NRW befragten Unternehmen sieht seine Existenz aktuell bedroht, fast die Hälfte rechnet damit, sollten die Energiepreise so hoch bleiben wie zuletzt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort