Stromsparer-Offensive: Energieberatung für alle Haushalte

Stromsparer-Offensive : Energieberatung für alle Haushalte

Umweltminister Altmaier plant eine Stromspar-Offensive, um den drohenden Anstieg der Strompreise abzufedern. Bis 2020 soll der gesamte Stromverbrauch um zehn Prozent sinken. Morgen will Altmaier Pläne für eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorlegen.

Berlin/Düsseldorf Jeder private Haushalt in Deutschland soll bis zum Jahr 2020 eine möglichst kostenlose Energieberatung bekommen, um die Strompreissteigerungen infolge der Energiewende besser ausgleichen zu können. "Wir wollen bis 2020 allen Haushalten die Möglichkeit geben, eine solche Beratung in Anspruch zu nehmen, nach Möglichkeit auch kostenlos", sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gestern nach einem Runden Tisch mit Vertretern der Energiewirtschaft, der Kommunen, Verbraucherschützern und Wohlfahrtsverbänden. Durch solche Beratungen und den anschließenden Einbau von Energiesparlampen oder abschaltbaren Steckern ließen sich im Schnitt sechs bis zwölf Prozent Strom einsparen.

Der Runde Tisch "Stromsparinitiative" ist eine Reaktion Altmaiers auf die wachsende Kritik an den steigenden Strompreisen. Er soll im November erneut tagen. Vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien erhöht die Strompreise für Privatkunden und Unternehmen. Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, rechnet für 2013 mit einem Anstieg der Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien, der so genannten EEG-Umlage, um 50 Prozent auf über fünf Cent pro Kilowattstunde. Die Übertragungsnetzbetreiber legen ihre Berechnungen für die EEG-Umlage im Jahr 2013 am kommenden Montag vor. Experten erwarten einen Anstieg von derzeit 3,6 auf 5,4 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeutet dies 2013 Mehrkosten von etwa 60 Euro gegenüber 2012.

Bislang gibt es kostenpflichtige Energieberatungen der Verbraucherzentralen oder den kostenlosen Stromspar-Check der Caritas. Die kostenlosen Beratungen erhalten bislang nur Empfänger von Sozialleistungen. Dabei kommen Expertenteams in die Haushalte, die gratis Energiesparartikel wie etwa sparsame Birnen einbauen. Im Schnitt könnten die Haushalte so im Schnitt 86 Euro im Jahr sparen, so die Caritas. Altmaier möchte den Stromverbrauch überall in Deutschland bis 2020 um zehn Prozent senken. Häufig würden Beratungsangebote aber nicht angenommen, weil sie zu wenig bekannt seien, sagte Altmaier.

Der Chef der Deutschen Energieagentur (dena), Stephan Kohler, forderte die Stadtwerke und andere Stromanbieter auf, einkommensschwachen Haushalten Kleinkredite für die Anschaffung stromsparender Haushaltsgeräte einzuräumen. "Das Problem ist, dass sich einkommensschwächere Haushalte keinen neuen Kühlschrank leisten können. Hier können Kleinkredite der Stadtwerke helfen", sagte Kohler. Auch müsse die Stromsteuer sinken. "Die Stromsteuer ist eingeführt worden, weil die herkömmliche Stromproduktion die Umwelt belastet. Wenn wir nun aber mit den erneuerbaren Energien vorankommen, können wir auch die Stromsteuer schrittweise wieder abbauen", sagte Kohler.

Der Chef der NRW-Grünen-Fraktion, Reiner Priggen, forderte Altmaier auf, den Kreis der energieintensiven Betriebe einzuschränken, die keine EEG-Umlage zahlen. "Die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien müssen fair verteilt werden. Es ist absurd, wenn jetzt Betriebe wie Aldi oder der Deutsche Wetterdienst zu energieintensiven Betrieben erklärt werden, die keine Umlage zahlen sollen", sagte Priggen. "Die ausufernden Befreiungsregelungen gehen zu Lasten der Verbraucher. Das bedroht die Akzeptanz der Energiewende." Altmaier wies die Forderung zurück.

(mar)
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