Beliebt unter Jugendlichen So gefährlich ist der Trend zur Einweg-E-Zigarette

Düsseldorf · Insbesondere unter Jugendlichen liegen sogenannte Einweg-Vapes, elektronische Zigaretten im Mini-Format, im Trend. Doch die Geräte gelten als umwelt- und gesundheitsschädlich. Experten warnen eindringlich davor.

Einweg-Vapes sind insbesondere unter Jugendlichen beliebt.

Einweg-Vapes sind insbesondere unter Jugendlichen beliebt.

Foto: AP/Marshall Ritzel

Sie schmecken nach Kirsche, Lakritz oder Mentol, sehen aus wie bunte Stifte und sind besonders unter jungen Erwachsenen beliebt: Einweg-Elektrozigaretten, auch „Vape“ genannt, liegen im Trend. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Verdampfer.

Was ist eine Vape? Der Begriff Vape leitet sich vom englischen Wort „Vaping“ ab, was soviel wie verdampfen bedeutet. Dahinter steckt eine elektrische Zigarette, die E-Liquid benötigt. Die Zahl der Konsumenten nimmt seit Jahren zu, sind die E-Zigaretten doch eine gesündere Alternative zum klassischen Rauchen. Die Einweg-Vapes wiederum, recht frisch auf dem Markt, können nicht nachgefüllt werden. Nach bis zu 600 Zügen werden sie zu Müll.

Woher kommt der Trend? Die Nachfrage nach Vapes, die nicht mit Schockbildern und Warnhinweisen versehen werden, wuchs vor allem im vergangenen Sommer. In sozialen Medien werden die Geräte angepriesen, so mancher Influencer rührt die Werbetrommel. Hinzu kommt: Für Hersteller sind Marketing und Verkauf einfach, da man die Funktion der Geräte nicht erklären muss. Und weil das Produkt kein Zubehör benötigt, ist es auch für Einzelhändler attraktiv.

Was kostet eine Einweg-Vape und wo gibt es sie zu kaufen? Die Einweg-Vapes kann man in Dampfershops, aber auch in den meisten Kiosken, Tankstellen und Supermärkten kaufen. Zudem gibt es eine Vielzahl von Internetanbietern. Sie kosten zwischen sieben und zehn Euro und können nach dem Kauf sofort benutzt werden. Es gibt die Zigaretten in zig Geschmacksvarianten: Erdbeere, Pfefferminz, Zitronenkuchen, Wassermelone oder Lakritz.

Wie gesundheitsschädlich sind Vapes? Noch sind die Gesundheitsrisiken nicht abschließend erforscht.Der wichtigste Risikofaktor besteht nach bisherigem Kenntnisstand in der inhalativen Aufnahme von Nikotin. Nikotin ist ein Nervengift und ein Suchtstoff, der beim Konsum der E-Zigarette starke körperliche und psychische Abhängigkeit erzeugen kann“, so das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage. Hinzu kommen weitere Inhaltsstoffe der Liquids, deren Langzeit-Effekte nicht absehbar sind. Forscher nehmen an, dass Propylenglykol und Glycerin mit der Flüssigkeitsschicht der Lunge interagieren. So könnte der Gasaustausch im Organ gestört werden. „Folglich birgt auch der Konsum der E-Zigarette gesundheitliche Risiken“, heißt es vom Ministerium.

Wie groß ist das Risiko für Jugendliche? Die Einweg-Vapes sind vor allem unter jungen Erwachsenen beliebt. Wenig verwunderlich also, dass man viele leere Geräte auf Schulhöfen, in Parks oder im ÖPNV findet. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte weist jedoch auf die Gefahren hin. Demnach schade das Nikotin in E-Zigaretten dem noch unreifen Gehirn der Heranwachsenden. Insbesondere verändere es den natürlichen Aufbau von Synapsen. Dies wiederum könne die Gehirnareale schädigen, die für Aufmerksamkeitskontrolle und Lernen zuständig sind.

Dürfen Jugendliche überhaupt Vapes konsumieren? Nein. Auch für die E-Zigarette gilt dem Jugendschutzgesetz nach ein Mindestalter von 18 Jahren. Damit ist der Verkauf an Minderjährige verboten – ganz gleich, ob online oder im Fachhandel. Doch so einfach ist es nicht. „Nicht jedes Büdchen kontrolliert das Alter, denn die Besitzer wollen und müssen Umsatz machen. Hinzu kommt die Weitergabe von Volljährigen an Minderjährige. Wer an Einweg-Vapes kommen will, findet einen Weg“, sagt Michael Klein, Sucht- und Präventionsforscher an der Katholischen Hochschule in Köln.

Wie umweltschädlich sind die Geräte? Es ist ein Problem, dass viele Vapes unachtsam in die Umwelt geworfen oder im Hausmüll entsorgt werden. Der Grund: In den Geräten befinden sich wiederverwertbare Lithium-Ionen-Akkus. Die Akkus von sechs Einweg-Vapes haben etwa die gleiche Speichermenge wie ein iPhone. Laut einer Studie aus Großbritannien landen 50 Prozent der Einweg-Vapes im normalen Müll. Stattdessen müssten sie in Sammelbehältern entsorgt werden, wie es sie etwa in Elektrofachgeschäften, bei Supermärkten oder auf dem Wertstoffhof gibt. „Würde die Entsorgung über den Restmüll erfolgen, würden in den Elektronikgeräten enthaltene Rohstoffe keiner hochwertigen Verwertung zugeführt werden. Sofern die Einweg-Vapes Schadstoffe enthalten, würden diese die Verbrennungsrückstände der Müllverbrennungsanlagen unnötig belasten“, so das NRW-Umweltministerium.

Wie geht die Stadt Düsseldorf mit dem Problem um? Ein Stadtsprecher weist darauf hin, dass die Geräte auf Recyclinghöfen oder bei mobilen Schadstoffsammlungen entsorgt werden müssten. „Soweit verbrauchte E-Vapes zum Beispiel mit dem Inhalt von Straßenpapierkörben oder über Kehrmaschinen in der Straßenreinigung erfasst werden, erfolgt notgedrungen eine Entsorgung in der Müllverbrennungsanlage“, so die Stadt. Zu einem spürbar erhöhten Arbeitsaufwand würde dies derzeit jedoch noch nicht führen. Das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz aber erklärt, dass die Produktion solcher Einweg-Elektrokleingeräte für einen unverhältnismäßigen Ressourcenverbrauch sorge. „Aus ökologischer Sicht hält das Amt diese Geräte schon allein deshalb für eine völlige Fehlentwicklung. Gelangen solche Geräte als Kleinmüll in die Umwelt, können sie darüber hinaus Schadstoffe in die Umwelt abgeben“, so ein Stadtsprecher.

Was sagen Experten zu dem Trend? Die Skepsis ist groß. Zwar würden Langzeitstudien fehlen, der Wissenschaftler Michael Klein aber sagt: „Es gibt erste Indikatoren, dass die E-Zigaretten gefährlich sind. Sie können Atemwegserkrankungen erzeugen, etwa Bronchitis.“ Zudem könne es bei jungen Männern zu Erektionsstörungen kommen. „Natürlich sind klassische Zigaretten insgesamt risikoreicher. Aber die Art und Weise, wie in der Öffentlichkeit für Einweg-Vapes geworben wird, ist bedenklich. Das Marketing ist toll, sehr schick. Mit der Farbgebung werden auch junge Frauen angesprochen, außerdem erinnern die Geräte an Minicomputer. Das wirkt auf junge Menschen. Dabei darf man nicht vergessen, dass Vapes in die Welt des Nikotins einführen“, sagt Klein. Wer einmal vom Nikotin in Vapes abhängig ist, zeigt weniger Hemmungen, zur konventionellen Kippe zu greifen.

Könnten die Vapes für ein Comeback der Zigarette sorgen? Die Chance besteht tatsächlich. „In den vergangenen Jahren ist es gelungen, das Thema Rauchen mit einem negativen Image zu versehen. So ist die Zahl der Raucher nach unten gegangen. Nun erleben wir den umgekehrten Trend. Mit klugem Marketing und wirkungsvoller Produktplatzierung wird die Vape lifestylemäßig inszeniert“, sagt Suchtexperte Rainer Schmidbauer. „So wird die Prävention meilenweit zurückgeworfen, das ist ein Trauerspiel.“ Dabei sei die Idee der E-Zigarette durchaus charmant gewesen. „Sie war für Raucher konzipiert, die den Ausstieg noch nicht schaffen, aber eine bessere Option für die Gesundheit suchen. Heute geht es eher darum, junge Erwachsene überhaupt ans Thema Rauchen heranzuführen“, sagt Schmidbauer. Es sei für den Staat schwierig, Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz zu ahnden. „Der Hype ist riesig und die Verfügbarkeit hoch“, so Schmidbauer, Leiter des Instituts Suchtprävention in Linz.

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