Corona-Regeln Einkauf ohne Maske – geht das gut?

Düsseldorf · Der Handel will von seinem Hausrecht, eine Maskenpflicht zu verhängen, keinen Gebrauch machen. Er setzt auf Freiwilligkeit. Ein Teil der Apotheken in der Region will dagegen die Kunden verpflichten, weiter den Schutz zu tragen.

 Zwischenzeitlich galt sogar eine Maskenpflicht im Freien. Ab Montag muss fast nirgendwo mehr ein Schutz getragen werden.

Zwischenzeitlich galt sogar eine Maskenpflicht im Freien. Ab Montag muss fast nirgendwo mehr ein Schutz getragen werden.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Es ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her, dass die Leopoldina für eine Maskenpflicht in Deutschland plädierte. Nach der Empfehlung der naturwissenschaftlich-medizinischen Akademie aus Halle an der Saale vom 3. April 2020 dauerte es noch dreieinhalb Wochen, bis alle Bundesländer schließlich entsprechende Verfügungen getroffen und die Maskenpflicht eingeführt hatten. Seither haben wir uns alle daran gewöhnt, Alltagsmasken, medizinische oder FFP2-Masken in der Bahn, beim Arzt und beim täglichen Einkauf zu tragen. Damit ist aber ab Montag Schluss. Und wenn es dann böse läuft, gehen die Infektionszahlen noch einmal schlagartig nach oben, weil wieder alle ohne Maske einkaufen dürfen.

Es sei denn, die Unternehmen würden von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Kundschaft zum Masketragen verdonnern. Die Bereitschaft dazu ist aber offenbar nicht sehr ausgeprägt – dafür der Unmut über Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) umso mehr: „Wenn die Verpflichtung zum Tragen einer Maske im Einzelhandel aufgrund der neuen Rechtslage ausläuft, dann ist es schon sehr verwunderlich, wenn der Minister kurz nach Verabschiedung der gesetzlichen Änderung an die Handelsunternehmen appelliert, mithilfe ihres Hausrechts weiterhin eine Maskenpflicht durchzusetzen“, erklärte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, auf Anfrage. Die Unternehmen dürften „nicht mutwillig in die Rolle eines Ersatz-Gesetzgebers gedrängt werden“. Die von zahlreichen Fachleuten beratene Politik setze den Rahmen für die Pandemiebekämpfung, die Handelsunternehmen trügen seit Jahren alles dazu bei, die Vorgaben best- und schnellstmöglich umzusetzen: „Das ist die korrekte Rollenverteilung.“

Da schwingt jede Menge Ärger mit. Unabhängig davon gehe der HDE davon aus, dass viele Kundinnen und Kunden freiwillig weiterhin die Maske beim Einkaufen tragen würden, so Genth. Eine Empfehlung des Verbandes gibt es jedenfalls ebenso wenig wie Äußerungen von Unternehmen, die eine Maskenpflicht erzwingen wollen. Die Supermarkt-Betreiber Edeka und Rewe nicht, die Discounter Aldi und Lidl auch nicht. „Da fehlen uns auch die Kontrollmöglichkeiten“, hat beispielsweise Edeka erklärt.

Auch der Möbelhändler Ikea, die Textilkette Primark und der Elektronikhändler Media-Saturn äußern sich entsprechend. Was im Handel bleibt, sind vielfach Spender mit Desinfektionsmitteln, die berühmten Scheiben aus Kunststoff an den Kassen und an den Informationsschaltern in den Ladenlokalen zum Schutz des Personals.

Bei den Apotheken in der Region ist das teilweise anders. „Zwischen zehn und 30 Prozent der Unternehmen haben uns gesagt, dass sie von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Maskenpflicht beibehalten wollen“, sagte Thomas Preis, der Chef des Apothekerverbandes Nordrhein, unserer Redaktion. Beim Personal würden das nahezu alle tun. Man appelliere zudem an alle, in der Apotheke freiwillig eine Maske zu tragen, so Preis: „Zu uns kommen ja viele, die anfällig sind für Infektionen, beispielsweise alte und chronisch kranke Menschen.“ Dass manche Kunden unwillig auf eine mögliche Maskenpflicht reagieren werden, ist Preis klar: „Das Konfliktpotenzial ist viel höher.“  Es sei wichtig, dass die Bürgertests jetzt noch bis Sommer kostenlos zur Verfügung stünden.

Trotz der nach wie vor recht hohen allgemeinen Infektionsgefahr sind im Modehandel viele froh, dass „ein Stück weit Normalität zurückkehrt“. So formuliert es Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des BTE Handelsverbands Textil, Schuhe, Lederwaren. Die Mehrheit der Modehändler setze auf die Bereitschaft, freiwillig eine Maske zu tragen, so Pangels. Das gilt sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für die eigene Belegschaft. Sollte ein Unternehmen die Maskenpflicht verhängen, wäre das auch ein schmaler Grat. Dann stünden denen, die sich beim Einkauf sicherer fühlten, andere gegenüber, die dann nicht kämen. Und umgekehrt.

Von einer Maskenpflicht sähen viele Geschäftsleute derzeit nicht zuletzt auch deshalb ab, weil es rechtliche Unklarheiten gebe, ergänzt Pangels. Vertreter von FDP und AfD hatten bereits mit Klagen gegen eine solche Maskenpflicht in Hamburg gedroht. Die Hansestadt ist neben Mecklenburg-Vorpommern bisher das einzige Bundesland, das sich komplett zum Hotspot erklärt hat. Nur in solchen Hotspots, die von den Länderparlamenten beschlossen und definiert werden müssten, kann es Vorgaben für Masken geben. Generell gilt diese Pflicht nur noch für sensible Bereiche wie Kliniken und Pflegeheime.

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