Düsseldorf: Einen Kaffee, einen Leihstrampler, bitte!

Düsseldorf: Einen Kaffee, einen Leihstrampler, bitte!

Tchibo will in seinen Zweigstellen auch Baby- und Kinderkleidung zum Mieten anbieten. "Sharing Economy", die Wirtschaft des Teilens, liegt im Trend. Sie soll die Umwelt schonen und Verbrauchern beim Sparen helfen.

Früher war alles teurer. Da kaufte man eine Schallplatte für 20 Mark, ein gebundes Buch für den gleichen Preis. Für den Kauf einer bespielten Videokassette musste man zehn bis 15 Mark zahlen. Und das Pfund Kaffee kostete je nach Marke und Angebot zwischen sechs und neun Mark. Woran sich natürlich nur noch ältere Zeitgenossen erinnern.

Der Kaffee ist teurer geworden, und leihen kann man ihn aus naheliegenden Gründen immer noch nicht - anders als die anderen Elementar-Bestandteile des täglichen Lebens. Literatur, Musik, Filme und Serien, Wohnungen, und, und, und - die Liste der leihbaren Artikel wird immer länger und damit das Kaufen seltener.

Babykleidung indes gehörte bisher nicht zur Angebotspalette. Das ändert Tchbo jetzt. Der Kaffeeröster will in zwei Wochen auch Baby- und Kinderkleidung zum Mieten anbieten. Allerdings nicht in den Filialen, sondern nur online. Heißt: Kunde bekommt Paket mit Babywäsche, nutzt Babywäsche, schickt Babywäsche zurück, bekommt neue Babywäsche. Dabei arbeitet der Kaffeekonzern mit dem Online-Porta Kilenda zusammen.

Solche Geschäftsideen laufen unter dem Label "Sharing Economy" (Wirtschaft des Teilens), und sie werden gern mit der schonenden Nutzung von Ressourcen begründet, die gleichzeitig Kostenvorteile für die Verbraucher habe. Tchibo-Direktorin Nanda Bergstein hat das so formuliert: "Je länger und häufiger ein Produkt genutzt wird, umso besser für die Umwelt." Kunden sollten die geliehene Kleidung nach Angaben von Tchibo für Preise um die vier Euro je Teil und Monat mieten können.

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Die Idee mit dem Leihen von Kinderkleidung ist eigentlich naheliegend. Junge Eltern könnten leidvoll bestätigen: Kaum ist der Strampler für die Kleine gekauft, ist sie schon wieder rausgewachsen, und Nachschub ist fällig. Das alte Strampler-Set kann man dann verschenken oder in den Altkleidersack stecken, beim neuen auf schenkfreudige Opas und Omas bauen oder auf die Hinterlassenschaften älterer Geschwister hoffen. Wer das Kleidungspaket ins Haus geschickt bekommt, spart Zeit und Geld. Ein Geschäftsmodell, das ideal in die Ära der Digitalisierung und die veränderten Konsumgewohnheiten der Menschen zu passen scheint.

Bleibt bei allem Spar- und Umweltbewusstsein aber die Frage, wie viele Eltern ihren Kindern wirklich Kleidungsstücke anziehen wollen, die schon x-Mal getragen wurden. Was bei Smokings für den Wiener Opernball oder Abendgarderobe für einen Gala-abend funktioniert, muss bei den ganz Kleinen nicht unbedingt klappen. So mancher könnte da Vorbehalte in Sachen Hygiene haben. Wobei Tchibo betont, die Kleidung werde "professionell gereinigt, aufbereitet und an die nächste Familie zum Weitertragen versendet".

Vermutlich hat Tchibo mit der Aktion aber auch noch anderes im Sinn - nämlich sich Strampler-leihende Eltern als Kundengruppe für das eigene Kaffee nd Non-Food-Geschäft zu erschließen. Und nebenbei noch die Werbetrommel für die eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu rühren. Da passt ein ehemaliger grüner Bundesaußenminister als Botschafter natürlich ideal: Joschka Fischers Unternehmen berät Tchibo in solchen Fragen schon seit zwei Jahren.

(RP)