Deutsche Bank entschädigt Kirch: Ein Interview mit extrem teuren Folgen

Deutsche Bank entschädigt Kirch : Ein Interview mit extrem teuren Folgen

Knapp 800 Millionen Euro soll die Familie des 2011 verstorbenen Medieuntermnehmers angeblich erhalten. Damit ginge ein Rechtsstreit zu Ende, der die deutschen Gerichte fast ein Jahrzehnt beschäftigt hat – nach einem Interview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer.

Knapp 800 Millionen Euro soll die Familie des 2011 verstorbenen Medieuntermnehmers angeblich erhalten. Damit ginge ein Rechtsstreit zu Ende, der die deutschen Gerichte fast ein Jahrzehnt beschäftigt hat — nach einem Interview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer.

Foto: dapd

Vor sieben Monaten ist Leo Kirch gestorben — als 84-jähriger, schwerkranker Mann, den seine Diabetes mellitus nahezu blind gemacht hatte und dem wegen der Zuckerkrankheit 2007 ein Fuß hatte amputiert werden müssen. Das Ende seines jahrelangen Zivilrechtsstreits mit der Deutschen Bank und deren früherem Vorstandssprecher Rolf Breuer hat er nicht mehr erlebt.

Ein Ende, das den Erben des früheren Medienunternehmers offenbar fast 800 Millionen Euro aus einem Vergleich mit der Bank bringt.

Zwar gibt es bisher von keiner Seite eine Bestätigung für die vom "Manager Magazin" öffentlich gemacht Einigung, aber nach Informationen aus Branchenkreisen soll der Vorstand der Deutschen Bank dem Vergleich schon intern zugestimmt haben. Dafür soll die Familie Kirch auf alle weiteren Ansprüche verzichten.

Einen entsprechenden Vorschlag in ähnlicher Größenordnung hatte das Oberlandesgericht München schon im März des vergangenen Jahres gemacht, aber damals hatten die Verantwortlichen der größten deutschen Bank diesen Kompromiss noch abgelehnt — ebenso wie einen Vermittlungsvorschlag, den der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Ende 2012 unterbreitet hatte. Der sah allerdings sogar eine Zahlung von etwa 900 Millionen Euro vor.

Die Akte Kirch steht also davor, zugekappt zu haben. Der Streit hat die Deutsche Bank beschäftigt, seit Breuer vor fast genau zehn Jahren der Nachrichtenagentur Bloomber ein inzwischen berühmt gewordenes Interview gegeben hatte. Seine Äußerungen zur Zukunft der Kirch-Gruppe gingen in die deutsche Wirtschaftsgeschichte ein.

"Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Der so dahingesprochene Satz sollte Folgen ungeahnten Ausmaßes haben. Kurz danach rutschte der Medienkonzern von Leo Kirch in die Pleite. Das Imperium von Pro7, Sat1, N24 sowie zahlreicher weiterer Gesellschaften mit Rechten für zehntausende Filme ging unter.

Für die Beziehung Kirch-Breuer war es der Beginn einer Feindschaft. Aus Sicht von Kirch war Breuer derjenige, der seinem freilich ohnehin von Finanzsorgen geplagten Konzern den Todesstoß versetzte. Es folgte eine Klageflut. Eine wahre Schlacht begann. Insgesamt verlangte Kirch mehr als zwei Milliarden Euro.

BGH-Urteil 2006 Der Bundesgerichtshof sprach einer Tochterfirma von Kirch 2006 grundsätzlich Schadenersatz zu (worauf Breuer als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank zurücktrat). Mehrmals wurden Klagen von Kirch gegen Breuer und die Bank abgewiesen, ehe der Vergleichsvorschlag des OLG München im März 2011 kam. Dort urteilten die Richter, das Landgericht München habe zuvor mit der Abweisung der Klage "wesentlich zu kurz gegriffen".

Strafprozess gegen Breuer Im Dezember endete vor dem Landgericht München ein Strafprozess gegen Breuer damit, dass der Ex-Manager 350.000 Euro zahlte. Mit der Zahlung sei allerdings kein Schuldeingeständnis verbunden, hieß es damals. Die Staatsanwaltschaft München hatte Breuer vorgeworfen, das Oberlandesgericht München 2003 über seine Kenntnisse von Leo Kirchs Krediten bei der Deutschen Bank belogen zu haben.

In Bankenkreisen hieß es am Montag, dass die Deutsche Bank mit der Einwilligung in den Vergleich die Voraussetzungen dafür schaffen wolle, dass das Strafverfahren möglichst schnell beendet werde.

Anfang Februar hatte Ackermann bei seiner letzten Bilanzpressekonfernz erklärt, die Bank habe für das laufende Jahr zwischen 600 Millionen und 700 Millionen Euro für Rechtsrisiken zurückgestellt. Da ging es allerdings vorrangig um zweifelhafte Geschäfte mit Immobilien in der Finanzkrise, nicht um Rückstellungen für Prozessrisiken in Sachen Kirch. Deshalb, so heißt es, werde die Bank möglicherweise im ersten Quartal 2012 keinen besonders üppigen Gewinn erzielen.

Dafür könne Ackermann das Haus aber im Wesentlichen besenrein an seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergeben. Der Vorstandschef war wie andere Manager selbst in den Verdacht des Prozessbetruges geraten; Ermittler durchsuchten sein Büro.

Die Börse hat die Nachricht von der offensichtlichen Einigung gestern kalt gelassen. Die Aktie der Deutschen Bank legte bis Montagnachmittag fast ein Prozent zu. "Alles schon eingepreist", lautet das Argument der Börsianer.

(pst)
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