Ein gutes Pflegeheim erkennt man am besten vor Ort, sagen Experten

Ende 2020 kommt der Pflege-TÜV für alle Heime : Ein gutes Pflegeheim erkennt man am besten vor Ort

Knapp 14.500 Pflegeheime gibt es in Deutschland. Wie gut die mehr als 800.000 Bedürftigen dort leben, konnte man anhand der bisherigen Pflegenoten schlecht einschätzen. Als „Farce“ bezeichnete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das aktuelle System.

Der neue Pflege-TÜV soll eine faire Beurteilung ermöglichen. Bis jedes Heim erfasst ist, dauert es allerdings voraussichtlich bis Ende 2020. Das beste Mittel für eine Einschätzung ist bis dahin der Ortsbesuch, sagen Experten.

„Die Zahl der Pflegeheime in der jeweiligen Nähe ist überschaubar. Der persönliche Besuch ohne Ankündigung ist zu empfehlen“, sagt Johanna Knüppel, Pressesprecherin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). Sie rät Pflegebedürftigen und Angehörigen zu mehreren Besuchen zu unterschiedlichen Tageszeiten. „Gehen Sie einfach rein“, sagt auch Roland Buschhausen vom Düsseldorfer Amt für Soziales.

Vor Ort soll man auf die Körpersprache der Bewohner achten, sagt Knüppel. „Sitzen sie steif mit den Rollstühlen in einer Reihe und starren ins Nichts?“ Dann seien vielleicht Beruhigungsmittel im Spiel. Wenn sie hingegen in Kreisen sitzen und miteinander sprechen, sei das ein gutes Zeichen.

Ein weiteres Indiz für ein gutes Pflegeheim sei die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen und Kindergärten. Viele Einrichtungen haben an sichtbaren Stellen Listen mit verschiedenen Aktivitäten für die Bewohner: Das kann von Gesprächskreisen über Spieleabende bis zum gemeinsamen Gang zur Kirmes reichen. „Daran merkt man, dass es dem Personal ein Anliegen ist, das Leben angenehm zu gestalten“, sagt Knüppel. In manchen Häusern, so die Expertin, verwahrlosen die Pflegebürftige regelrecht.

Ein Warnsignal seien etwa vertrocknete Blumen, sagt Roland Buschhausen. Auch ungeputzte Fenster sprechen gegen eine Pflegeeinrichtung. Entscheidend sei, ob man gegrüßt wird, ob Mitarbeiter auf einen zukommen, wenn man durch den Flur gehe. Letzteres kann auf Personalmangel hinweisen – ein leidiges Thema in der Pflege. Der Düsseldorfer Experte empfiehlt, das persönliche Gespräch mit Bewohnern und Mitarbeitern zu suchen. „Setzen Sie sich in die Cafeteria. Lassen Sie sich nicht von bunten Broschüren überzeugen, sondern von den Menschen vor Ort.“

Ergänzend zu einem Besuch können Verbraucher auch eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen. Dafür gibt es private und staatliche Anbieter, auch die Pflegekassen beraten ihre Kunden bei der Heimwahl. „Eine neutrale und unabhängige Beratung bekommt man in Düsseldorf vom Pflegebüro“, sagt Roland Buschhausen. Die Mitarbeiter dort wüssten durch regelmäßige Kontrollen ganz genau, welche Pflegeheime in der Stadt gut seien und welche schlecht. Sie beraten Betroffene auch zur Finanzierung, Bescheinigungen und dem Anspruch auf Sozialhilfe. Das Pflegebüro erreicht man telefonisch montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr unter 0211-8998998.

Der Einzug ins Heim ist nicht ohne Alternative, betont Buschhausen. Ob man selbst ins Heim will oder ob dies der Wunsch der Kinder ist, sei eine der ersten Fragen im Düsseldorfer Pflegebüro. Drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden in Deutschland zu Hause versorgt. „Heim muss nicht sein“, sagt Buschhausen, „aber ein Teufelswerk ist es auch nicht“.