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Mülheim/Ruhr: Edeka kauft die Kaiser's-Märkte

Mülheim/Ruhr : Edeka kauft die Kaiser's-Märkte

Die Tengelmann-Gruppe sieht keine Chance mehr, ihr Supermarktgeschäft nachhaltig profitabel zu machen. Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen. Allerdings hat Kaiser's nur einen Marktanteil von 0,6 Prozent.

Die Tengelmann-Gruppe zieht sich aus dem Lebensmittel-Handel zurück. Wenn das Bundeskartellamt den Verkauf der 451 Kaiser's-Supermärkte an den Branchenkonkurrenten Edeka genehmigt, bedeutet dies in Mülheim/Ruhr das Ende einer Ära - ein Ende, das sich allerdings über mehrere Jahre hinweg abgezeichnet hat. Denn Kaiser's macht seit geraumer Zeit Verluste; erst im Mai hatte das Unternehmen die Schließung von 27 Filialen angekündigt, davon neun am südlichen Niederrhein.

Das Bundeskartellamt vermittelte gestern den Eindruck, die Genehmigung des Deals, der Mitte 2015 wirksam werden soll, sei kein Selbstläufer. "Nach unseren Marktkenntnissen aus früheren Verfahren und nach den Ergebnissen der aktuellen Sektoruntersuchung zur Nachfragemacht des Lebensmitteleinzelhandels ist schon die jetzige Konzentration ein Problem. Jede weitere Konzentration wirft schwierige wettbewerbsrechtliche Fragen auf. Natürlich werden wir das konkrete Vorhaben intensiv prüfen", erklärte Andreas Mundt, der Präsident der Behörde. Allerdings hat Kaiser's im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel gerade mal einen Marktanteil von 0,6 Prozent, so dass sich durch die Übernahme die Gewichte in der Branche nicht gerade einschneidend verschieben würden. Sollte das Kartellamt das Geschäft ablehnen, droht indes die Schließung der Niederlassungen. In dem Fall würden fast 16 000 Stellen wegfallen.

Mit der Gewerkschaft Verdi bahnt sich dagegen bereits ein Konflikt an. Edeka will, dass die übernommenen Kaiser's-Märkte von selbstständigen Kaufleuten geführt werden, und hat diesen Plan als "Chance" für die Betroffenen bezeichnet. Bei solchen Aussagen reagieren Gewerkschafter stets allergisch: "Edeka ist ein Unternehmen, bei dem ein Großteil der Filialen an selbstständige Kaufleute ausgegliedert beziehungsweise direkt in dieser Betriebsform gegründet wird, mit der Folge, dass tausende Beschäftigte weder den Schutz von existenzsichernden Tariflöhnen noch einen Betriebsrat haben. Dieses Edeka-Muster darf auf keinen Fall auf die Filialen von Kaiser's/Tengelmann übertragen werden", forderte Verdi-Vorstand Stefanie Nutzenberger.

"Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen", hat Tengelmann-Chef Karl Erivan Haub erklärt. Und er beteuert: "Zu erkennen, dass der Verkauf unseres Supermarktunternehmens letztlich unausweichlich wurde, war für meine Familie und mich persönlich sehr schwer." Kaiser's war lange Zeit das Flaggschiff der ganzen Gruppe, doch es fährt längst in schwerer See. Seit eineinhalb Jahrzehnten hat die Kette kein Geld mehr verdient, und unter Profitabilitäts-Gesichtspunkten sah Tengelmann keine Alternative. Von der Umsatzgröße von 30 Milliarden Euro, die im Markt als Untergrenze für langfristiges Überleben gilt, ist Kaiser's meilenweit entfernt.

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Aus Sicht von Branchenexperten erscheint der Deal daher zwangsläufig. "Herr Haub unterstreicht mit dem Deal konsequent den Umbau zu einer mehr digital geprägten Beteiligungsgruppe", sagte der Mönchengladbacher Handelsprofessor Gerrit Heinemann unserer Zeitung mit Blick auf die Strategie des Tengelmann-Chefs. Damit meint er unter anderem die Beteiligung am Online-Händler Zalando, der vergangene Woche an der Börse gestartet ist. An dessen Performance dürfte Haub derzeit indes auch keine Freude haben. Die Zalando-Aktie verlor gestern erneut mehr als drei Prozent und notierte bei 17,32 Euro nahezu 20 Prozent unter dem Ausgabepreis der vergangenen Woche.

(RP)