eBay prüft die Einführung von Bitcoins

Düsseldorf : Internet-Geld gewinnt an Bedeutung

Das Auktionshaus eBay prüft die Einführung von Bitcoins – also einem weiteren künstlichen Zahlungsmittel im Internet. Experten warnen allerdings zur Vorsicht bei digitalen Währungen: Ihr Wert kann stark schwanken.

Das Auktionshaus eBay prüft die Einführung von Bitcoins — also einem weiteren künstlichen Zahlungsmittel im Internet. Experten warnen allerdings zur Vorsicht bei digitalen Währungen: Ihr Wert kann stark schwanken.

Einen Bitcoin gibt es weder als Banknote noch als Münze. Trotzdem ist er inzwischen fast so viel wert wie eine Unze Gold. Mehr als 1000 Dollar muss man für eine Einheit bezahlen. Längst ist die virtuelle Währung zu einem Spekulationsobjekt geworden. Vor allem in China erfreut sich die Währung steigender Beliebtheit. Und auch eBay-Chef John Donahoe hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, er könne sich Währungen wie den Bitcoin als Zahlungsmittel für das Internet-Verkaufsportal vorstellen.

An diese Wendung hätte zu Jahresbeginn kaum jemand geglaubt. Damals galt die virtuelle Währung als "Hackergeld", das vor allem genutzt wurde, um in dunklen Ecken des Internets Drogen und Waffen zu kaufen. Denn die 2009 entstandene Idee einer "neuen Währung" ermöglicht Bitcoin-Besitzern einen völlig anonymisierten Zahlungsverkehr. Dieser verläuft unabhängig von klassischen Banken und entzieht sich der Kontrolle einer Finanzaufsicht. Um Bitcoins zu nutzen, reicht es, sich ohne Angabe persönlicher Daten das entsprechende Computerprogramm zu installieren, um Teil des Netzwerks zu werden. Sobald dieses "Konto" eröffnet ist, können Nutzer Bitcoins gegen Bargeld eintauschen oder an speziellen Börsen ersteigern.

Der Preis eines Bitcoins ergibt sich dabei aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Denn die maximale Menge an Bitcoins ist — vom früheren Goldstandard inspiriert — begrenzt. Die Kontrolle hat keine Notenbank, sondern ein mathematischer Algorithmus.

Dadurch sind Bitcoins vor Inflation geschützt und werden für Euro-Skeptiker, Währungscrash-Propheten und Zocker interessant. Der Kursanstieg des Bitcoin sage viel über das Misstrauen der Menschen gegenüber konventionellen Währungen aus, sagt Ökonom Hans Ulrich Buhl von der Universität Augsburg: "Wenn das Vertrauen in Dollar oder Euro sinkt, suchen die Anleger oft Schutz in Nischenwährungen." Dies habe man beispielsweise auch bei Kurssprüngen des Schweizer Franken beobachten können.

Doch während hier die Notenbank die Möglichkeit hatte, regulierend einzugreifen, ist der Bitcoin-Kurs dem Spiel von Angebot und Nachfrage überlassen. So brach er im April innerhalb eines Tages um 65 Prozent ein — offensichtlich platzte eine Blase.

Aktuell treibt die mediale Aufmerksamkeit und das Interesse klassischer Investoren ihn steil bergauf. Davon profitierte beispielsweise der Norweger Kristoffer Koch. Er sorgte für Schlagzeilen, weil er bei der Einführung der Währung 2009 Bitcoins für 24 Dollar erworben hatte, die Investition dann aber vergaß, und zuletzt feststellte, dass seine 5000 Bitcoins inzwischen eine halbe Million Euro wert waren.

Experten raten aufgrund der extremen Schwankungen zur Vorsicht. "Bitcoins sind nicht als sichere Geldanlage oder Zahlungsmittel für breite Nutzerkreise geeignet", warnt der IT-Branchenverband Bitkom. Sie seien ein Experiment.

Als solches betrachtet sie auch Tom Fuchs. Er betreibt in Berlin die Pension Absolut Berlin und bietet seinen Kunden seit rund einem halben Jahr die Bezahlung per Bitcoins an. Damit ist Fuchs ein Exot. Bislang gibt es nur vereinzelt Geschäfte, die Bitcoins akzeptieren, obwohl die Bundesregierung sie seit dem Sommer als "Rechnungseinheit" anerkennt. "Ich finde die Idee, die hinter Bitcoins steckt, sehr spannend", sagt Tom Fuchs. Daher wollte er ausprobieren, ob sie auch in der realen Welt als Zahlungsmittel funktioniert: "Bisher hatten wir eine Anfrage, letztlich hat derjenige aber doch nicht gebucht." Vielleicht sei es ja ähnlich wie bei der Einführung des Online-Bezahldienstes Paypal. Auch dort habe es einige Zeit gedauert, bis er sich durchgesetzt habe.

In Deutschland ist jedenfalls noch viel Werbung nötig. Im Mai gaben bei einer repräsentativen Umfrage nur 15 Prozent der Befragten an, den Begriff Bitcoin zu kennen. Es dürfte daher dauern, bis man hier wie in Vancouver an einem Bitcoin-Geldautomat sein Online-Konto aufladen kann. Immerhin: Inzwischen gibt es mit der Fidor Bank ein deutsches Geldinstitut, bei dem Kunden ihr Kapital in Bitcoins anlegen können.

(RP)