1. Wirtschaft

Brüssel/Düsseldorf: E-Plus stellt sich auf Verkauf an O2 ein

Brüssel/Düsseldorf : E-Plus stellt sich auf Verkauf an O2 ein

Noch prüft die EU-Kommission die Übernahme des Düsseldorfer Mobilfunkkonzerns. Doch interne Arbeitsgruppen arbeiten schon an der Fusion. E-Plus-Chef Thorsten Dirks hofft auf einen Aufstieg.

Der Düsseldorfer Mobilfunker E-Plus bereitet sich stärker als bisher bekannt darauf vor, künftig vom Münchener Wettbewerber O2 übernommen zu werden. Dies berichten Mitarbeiter des Unternehmens unserer Zeitung. Während die EU-Kommission in Brüssel noch akribisch prüft, wie sie verhindern kann, dass der Zusammenschluss zu höheren Preisen für die deutschen Mobilfunkkunden verhindern kann, werden Fakten geschaffen. In Arbeitsgruppen für Technik, Kommunikation, Marketing oder auch Personalstrategie planen Führungskräfte beider Unternehmen bereits die künftige Zusammenarbeit. Da die Fusion aber noch nicht genehmigt ist, sind Wettbewerbsanwälte bei den Gesprächen dabei. "Das aktuelle Geschäft darf auf keinen Fall besprochen werden, weil das eine heimliche Marktaufteilung wäre", sagt ein Insider. "Aber allgemeine Diskussionen über Sparpotenziale und Strategien sind möglich."

Beim Fortgang zum Zusammenschluss zeichnen sich vier große Auseinandersetzungen ab:

Erstens müssen O2 und E-Plus der EU-Kommission substanzielle Zugeständnisse machen, damit die Preise im deutchen Mobilfunk nach der Fusion nicht direkt ansteigen wie in Österreich, wo die Zahl der Mobilfunkanbieter von vier auf drei gesunken war. Immerhin stiegen im kleinen Nachbarland die Preise für verschiedene Kundengruppen um ein Drittel an, nachdem Brüssel eine Fusion erlaubt hatte. Um die Tarife weiterhin niedrig zu halten, müssen O2 und E-Plus nun klären, wie sie künftig Serviceprovidern wie Freenet-Debitel oder United Internet (1&1) hohe Kapazitäten zu günstigen Preisen zur Verfügung stellen werden. Dabei haben diese beiden Anbieter ohne eigenes Telefonnetz hohe Rabatte für die Zukunft gefordert, um gerade beim Datengeschäft mit anspruchsvollen Kunden mitmischen zu können. "Wir kommen hier in die Situation", sagt ein führender Jurist eines großen Telefonkonzerns, "dass im Mobilfunk ähnlich reguliert wird wie teilweise im Festnetz."

Zweitens stellt sich die Belegschaft von E-Plus auf massive Auseinandersetzungen wegen des drohenden Abbaus von hunderten Arbeitsplätzen ein. Zur Betriebsratswahl Anfang März traten direkt vier Listen an. Insider sehen das als Zeichen dafür, dass viele Kollegen aus Sorge vor Entlassungen für den Betriebsrat kandidierten, um Kündigungsschutz zu bekommen. Außerdem gewann die Wahl ausgerechnet eine Liste von Mitarbeitern, die häufiger den Streit mit der Geschäftsführung suchen will.

Drittens möchten Mitarbeiter und Geschäftsführung auch nach der Fusion möglichst viele Kompetenzen in Düsseldorf behalten. Die Strategie: Um das Netz soll sich O2 kümmern, da E-Plus da sowieso nur schwach aufgestellt ist, doch bei Marketing und Vertrieb möchte man punkten. So hat E-Plus mehr Expertise beim Online-Vertrieb als O2 und hat auch mehr Erfahrung beim Aufbau neuer Marken wie Base, Simyo oder Aldi-Mobil.

Viertens hofft die E-Plus-Mannschaft, dass Vorstandschef Thorsten Dirks Chef des neuen Gesamtkonzerns wird. Auszuschließen ist dies nicht, seit O2-Chef René Schuster im Januar das Unternehmen plötzlich verließ. Seitdem hat O2 keinen Chef mehr. Das wirkt so, als ob Mutterkonzern Telefonica aus Spanien den künftigen Führungsjob für Dirks freihält. Gegen Dirks spricht allerdings, dass der stolze Weltkonzern Telefonica wichtige Positionen gerne aus den eigenen Reihe besetzt.

  • Rhein-Kreis Neuss : Kartellamt prüft Krankenhaus-Fusion
  • Rücktritt Merkels gefordert : Chef der JU Düsseldorf prüft Strafanzeige gegen Kritiker
  • Eurowings-Chef Thorsten Dirks : "Düsseldorf ist der wichtigste Standort unserer Europaflotte"

Eine von der Öffentlichkeit fast unbeachtete Organisationsänderung könnte Indiz dafür sein, dass Dirks doch den Spitzenjob erhält. Telefonica kontrolliert neuerdings das Deutschland-Geschäft direkt – eine Europa-Holding wurde abgeschafft. Warum? "Wenn Dirks schon Nummer Eins wird", spekuliert ein Kenner der Verhältnisse, "dann möchte man ihm vielleicht direkt auf die Finger schauen."

(RP)