VDA-Auswertung Ausbau von E-Auto-Ladestationen – in diesen Städten hinkt NRW hinterher

Düsseldorf · Wie der Ausbau in NRW insgesamt und in einzelnen Städten laut einer VDA-Auswertung vorangeht und was die Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur und Experten dazu sagen.

  Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation. (Symbolbild)

Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation. (Symbolbild)

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Deutschland kommt beim Ausbau der Ladestationen für E-Autos voran, aber das Tempo ist viel zu langsam und ausgerechnet NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland ist besonders schlecht versorgt. Das zeigt eine Auswertung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) von Montag.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich die Zahl öffentlicher Ladepunkte in Deutschland laut der Studie um fast 17.000 auf rund 97.500 erhöht. Gleichzeitig waren zum 1. Juli in der Bundesrepublik rund zwei Millionen Elektroautos registriert. Darunter fallen sowohl batterieelektrische Antriebe (BEV) als auch Plug-in-Hybride. Dies bedeutet, dass aktuell 21,1 Elektrofahrzeuge auf eine Ladestation kommen, vor sechs Monaten waren es mehr als 23 Fahrzeuge.

NRW schlägt sich nur schlecht. Obwohl im bevölkerungsreichsten Bundesland zum 1. Juli rund 463.000 E-Autos angemeldet waren, gab es nur 17.818 öffentlich zugängliche Ladestationen. Damit müssen sich in NRW 26 E-Autofahrer eine Station teilen, nur Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland liegen schlechter, mit einem Spitzenwert von 30 E-PKW pro Ladestation im Saarland. Viel besser liegen Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, wo maximal 15,1 E-Autos sich eine Ladestation teilen, in Bayern, Berlin und Baden-Württemberg liegt der Wert jeweils unter 20.

„NRW hinkt im Bundesländervergleich hinterher“, sagt Roman Suthold, Mobilitätsexperte des ADAC Nordrhein. Die meisten Kommunen hätten zwar verstanden, „dass auch sie in der Verantwortung sind, eine Ladeinfrastruktur aufzubauen“. Das Tempo in NRW sei aber noch zu langsam. „Bei den Ladestationen muss NRW schon besser werden“, meint Oliver Krauss, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Und der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer meint: „Der Rückstand gerade im stark städtisch geprägten NRW ist ärgerlich. Denn die Menschen in den Städten sind ja viel mehr als die auf dem Land auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen, weil es dort ja weniger Eigenheime mit eigener Ladestation gibt.“

In NRW schlägt sich die Städteregion Aachen am besten, wo 16,1 Stromer auf einen öffentlichen Ladepunkt kommen, in Kleve waren es 17,4 Wagen, in Remscheid 17,5. Unter den Großstädten am Rhein schlägt sich Düsseldorf am besten mit einem Wert von 20,3 Stromern pro Ladechance, Bonn kommt auf 22,9. Köln liegt bei 25,8. Was möglich ist, zeigt Ingolstadt in Bayern, wo sich nur 4,2 Autos einen Ladepunkt teilen müssen. In Leverkusen liegt der Wert bei 80 Pkw je Ladepunkt, in Mülheim an der Ruhr bei 81,4, in Krefeld bei 48,8 E-Autos je Ladepunkt.

Dabei bleibt der Nachholbedarf groß. Um das Ziel der Bundesregierung von einer Million Ladepunkten im Jahr 2030 zu erreichen, müsste sich das Ausbautempo des vergangenen Jahres mehr als verdreifachen, hat der VDA berechnet. Hinzu kommt: In rund der Hälfte (48 Prozent) aller 10.773 Gemeinden in Deutschland gibt es immer noch keine einzige öffentliche Ladestation.

Auch beim Ausbau von Schnellladestationen glänzt NRW keineswegs: In ganz Deutschland legte die Zahl der Schnellladepunkte innerhalb der letzten sechs Monate um rund 40 Prozent auf 18.600 zu, wodurch sich im Schnitt 110 E-Autos eine solche Option teilen müssen. In NRW liegt das Ausbautempo zwar etwas höher, aber hier kommen auf einen Schnelllader 147 Stromer. Hildegard Müller, aus NRW kommende VDA-Präsidentin, mahnt nun Tempo an: „Deutschlands Nachholbedarf ist groß. Für die Herausforderungen, die mit der Energiewende und dem Markthochlauf der E-Mobilität kommen, ist das Stromnetz nicht gerüstet. Die Netze müssen jetzt dringend beschleunigt ausgebaut werden.“ Diese Position unterstützt ADAC-Mann Suthold: „Wir brauchen vor allem mehr Schnellladepunkte, damit an einem Ladepunkt mehr E-Autos in kürzerer Zeit geladen werden können. Aus unserer Sicht ist die Einrichtung eines Ladepunktes noch viel zu aufwendig und teuer. Bürokratische und baurechtliche Hürden müssen abgebaut werden.“

NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur (Grüne) will Druck machen. „Bis 2030 plant NRW mehr als 7.000 weitere Schnellladepunkte und rund 66.000 neue, öffentlich zugängliche Normalladepunkte hinzuzubauen“, erklärt sie auf Anfrage. Sie ergänzt: „Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch. Nur mit alternativen Antrieben können wir die Verkehrswende schaffen und unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen.“ Die relativ gesehen schlechte Versorgung von NRW bei Ladestationen könne damit zusammenhängen, dass es besonders viele E-Autos hier gibt, meint sie. Und die relative Schwäche bei Ladestationen hänge auch damit zusammen, dass der Bund lange Zeit Süddeutschland bevorzugt habe.

Dabei hängen die teilweise Absatzschwäche von E-Autos und der zu langsame Ausbau der Ladestationen zusammen. Die meisten Ladepunkte seien nur an einem Viertel des Tages belegt, berichtet der ADAC unter Verweis auf die Studie, umgekehrt zeigte eine Umfrage für den VDA, dass 68 Prozent der Bürger das Angebot an Ladestationen in ihrer Umgebung als zu niedrig ansehen. Weil aber die Umweltprämie als Zuschuss für den Kauf von E-Autos immer weiter sinkt, befürchtet Dudenhöffer einen herben Rückschlag für die Elektroautos: „Der Absatz schwächelt bereits und könnte weiter sinken.“

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