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Durst digitalisiert in Dormagen Getränke-Lieferung

Nie mehr Kisten schleppen : Start-up will Getränkehandel in Dormagen digitalisieren

Die Lieferung von Getränken ist kein neues Phänomen. Durchgesetzt hat sie sich aber nie. Das wollen Start-ups wie Durststrecke nun ändern - Dormagen wird zur Testregion.

Innovationen in der Getränkebranche beschränkten sich in den vergangenen Jahren hauptsächlich auf neue Geschmacksrichtungen von Säften oder Limonaden. Das Drumherum hingegen blieb ziemlich gleich: Noch immer schleppen Millionen Menschen wöchentlich Wasser-, Cola- oder Bierkisten zu ihren Fahrzeugen, fahren damit nach Hause, um sie dort auszuladen und erneut zu schleppen.

Getränke-Lieferungen hingegen sind noch immer ein Nischengeschäft. Start-ups wollen diesen Markt verändern. Zum Beispiel Durststrecke. Die Gründer haben die App „Durst“ programmiert, über die Kunden online Getränke bestellen können, die ihnen anschließend kostenlos geliefert werden. In Dormagen startet das 2017 gegründete Unternehmen nun erstmals seinen Betrieb.

„Dormagen ist mit rund 60.000 Einwohnern ein hervorragendes Gebiet, um unsere Systeme zu testen und zu lernen“, sagt Mitgründer Matthias Steinforth. Geliefert wird kostenlos in einem Zeitfenster von 60 Minuten, die Preise sollen sich kaum von denen in klassischen Getränkemärkten unterscheiden. Die Durst-App ist für Smartphones von Apple und mit dem Betriebssystem Android erhältlich.

Durststrecke konkurriert damit unter anderem mit dem Start-up Flaschenpost aus Münster. Dieses hatte in den vergangenen Monaten auch in Düsseldorf und Köln seinen Betrieb aufgenommen, weitere Städte sollen folgen. Von Investoren konnte Flaschenpost rund 20 Millionen Euro einsammeln, um das Wachstum voranzutreiben.

Weil das Unternehmen dabei jedoch auf eigene Lager setzt, wird das Geschäft lokal ansässiger Händler dadurch massiv bedroht. Ihnen wiederum will Durststrecke eine Lösung bieten. „Viele Getränkehändler bieten ja bereits einen Heimservice an. Man kann lediglich noch nicht über das Internet bestellen. Das wollen wir ändern“, sagt Matthias Steinforth.

Ihre App Durst soll daher eine Art Marktplatz werden, auf der lokale Getränkehändler ihre Produkte anbieten können. Kunden können ihre Getränke so trotzdem weiterhin bei lokalen Händlern kaufen – können sie aber künftig bequem per App bestellen und bekommen sie nach Hause geliefert. „Wir wollen mit dem Getränkehandel arbeiten – und nicht gegen ihn“, sagt Steinforth. In den kommenden Monaten sollen daher auch digitale Lösungen für Getränkehändler vorgestellt werden, mit denen diese zum Beispiel den Pfand erfassen oder ihre Touren planen können.

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Über die Finanzkraft von Flaschenpost verfügt das Gründerteam um Simon Biela, Matthias Steinforth und den früheren Bitburger-Chef Werner Wolf zwar nicht, zuletzt konnte man aber immerhin von drei mittelständischen Getränkefachgroßhändlern einen mittleren sechsstelligen Betrag einsammeln.

Zum Start übernimmt das Start-up die Lieferungen in Dormagen noch in Eigenregie. Ein Lieferfahrzeug und fünf Fahrer im Schichtbetrieb sind dafür seit Anfang der Woche im Einsatz, die Getränke kommen von einem Großhändler aus Köln. „Die ersten Bestellungen haben wir bereits ausgeliefert“, sagt Matthias Steinforth: „Die Kunden waren sehr zufrieden – es gab sogar Trinkgeld.“