Düsseldorfs SPD-Chefin Martens rechnet ab „Verzweifelt und erschöpft vom ÖPNV“

Düsseldorf · Politisch wirbt die Düsseldorfer SPD-Chefin Zanda Martens für den Ausbau des ÖPNV, persönlich vollzieht sie nun eine Kehrtwende: Nach 13 Jahren ohne Auto kaufte sie sich ein Fahrzeug. Selbst bei vorzeitiger Abreise könne man nie „sicher sein, wirklich pünktlich anzukommen“.

Seit 2021 ist Zanda Martens im Bundestag, davor arbeitete sie auch für die Gewerkschaft Verdi, die ja die Beschäftigten im ÖPNV vertritt.

Seit 2021 ist Zanda Martens im Bundestag, davor arbeitete sie auch für die Gewerkschaft Verdi, die ja die Beschäftigten im ÖPNV vertritt.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Unerwartet drastisch kritisiert Zanda Martens, Düsseldorfer SPD-Chefin, die Zuverlässigkeit des öffentlichen Nahverkehrs in der Region. „Ich bin inzwischen so verzweifelt, verärgert und manchmal einfach erschöpft von unserem öffentlichen Personennahverkehr, von den oft unzuverlässigen, meistens unpünktlichen, selten fahrenden Bussen und Bahnen, dass ich mir mit schlechtem Gewissen ein Auto gekauft habe“, verkündet die 39-jährige Bundestagsabgeordnete bei Facebook.

Sie habe seit 16 Jahren einen Führerschein, habe aber seit 13 Jahren kein Auto mehr selbst gefahren, weil sie dies „abgrundtief hasse“. Jetzt aber habe sie genug von Bus und Bahn. „Solange die Fahrpläne und Ankunftszeiten bloß grobe Schätzungswerte sind, solange man sicherheitshalber die Bahn eine halbe Stunde früher nehmen muss und sich dennoch nicht sicher sein kann, wirklich pünktlich am Ziel anzukommen“, sei es einfach nicht möglich, weit überwiegend auf öffentliche Verkehrsmittel zu setzen.

Auf Nachfrage unserer Redaktion stellt die in der Düsseldorfer City lebende Politikerin aber klar, dass sie den Wagen nicht brauche, um beispielsweise Einkäufe um die Ecke zu erledigen, sondern um ihre Vielzahl von Terminen in der Region oder auch anderswo zu erledigen: „Wenn die Fahrt zu einem Termin an einem Sonntagvormittag länger dauert als der Termin selbst oder wenn man nicht mehrere Termine hintereinander wahrnehmen kann, weil die Verkehrsanbindung es nicht hergibt, dann ist das nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern auch der Produktivität.“

Martens ergänzt, für die Fahrt nach Berlin nutze sie nicht den Wagen, sondern nur den ICE. Alle Bundestagsabgeordneten haben sowieso bundesweit freie Fahrt bei der Deutschen Bahn mit einer Bahncard 100 der 1. Klasse.

Martens, die auch im SPD-Vorstand für NRW sitzt, stellt außerdem klar, sie käme nie auf die Idee, sich auch noch einen Wagen für ihren Zweitwohnsitz Berlin anzuschaffen: „In Berlin funktioniert der ÖPNV einfach beneidenswert gut. Dort fehlt mir ein Auto nie.“

Trotz ihres PKW-Kaufs hält sie daran fest, dass der Verkehr mit Bus und Bahn viel besser ausgebaut werden müsse: „Man muss schlicht und ergreifend richtig viel Geld in Schiene, Fahrzeuge und Beschäftigte investieren, damit Menschen gerne und freiwillig ihr Auto stehen lassen oder gar abschaffen.“

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