Traditioneller Karneval in der Krise Der Karneval muss sich neu erfinden

Meinung | Düsseldorf · Die Corona-Krise ist nicht spurlos am traditionellen Karneval vorbeigegangen. Viele Vereine stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. Was jetzt passieren muss, damit der rheinische Karneval zukunftssicher bleibt und wie jeder einzelne Karnevalist dabei helfen kann.

 Obwohl die Corona-Krise praktisch vorbei ist, geht es mit dem Sitzungskarneval im Rheinland nur langsam wieder aufwärts. Hier ein Archivbild der Fernsehsitzung aus Düsseldorf von 2018.

Obwohl die Corona-Krise praktisch vorbei ist, geht es mit dem Sitzungskarneval im Rheinland nur langsam wieder aufwärts. Hier ein Archivbild der Fernsehsitzung aus Düsseldorf von 2018.

Foto: Endermann, Andreas (end)

Karneval ist wie Karstadt – lustig geht anders. Etliche Vereine im Land sehen sich vor dem Aus. Ob wie beim Kaufhauskonzern die Insolvenz droht, entscheidet sich in diesen Tagen. Am Aschermittwoch wird Bilanz gezogen. Das krisengeschüttelte Brauchtum - erst die Pandemie, dann der Krieg, jetzt die Inflation - findet mit seinen Veranstaltungen nicht überall zurück zu alter Narrenherrlichkeit. Gelacht wird, oft genug aber vor halbleerem Saal. Ausverkauft ist Ausnahme. Und wie im Kulturbetrieb kommen Besucher vor allem zu den großen Events mit eigenem Format. Im Karneval heißt das: Singen und Springen geht besser als Sitzen und Schauen. Das klassische Angebot aber mit Büttenrede, Saalkapelle und Tanzkorps findet nur noch schwer ein jüngeres Publikum.

Überlebt hat der traditionelle Karneval die Corona-Krise, weil das Land mit Millionen geholfen hat. Sicher macht es wenig Sinn, das Brauchtum auf Dauer an den Tropf zu hängen. Und dennoch besteht die berechtigte Sorge, die karnevalistische Infrastruktur könne verloren gehen. Denn wenn Vereine ausgerechnet in der ersten Session nach der zweijährigen Zwangspause aufgeben müssen, ist mit dem Geld auch die Basis für den Fortbestand des organisierten Frohsinns futsch.

Bei manch einem der ehrenamtlichen Spaßmacher ist der Frust groß: Sie wollten anderen eine Freude machen und haben jetzt reichlich Ärger am Hals. Was Karneval wie Karstadt jetzt brauchen, ist neben finanzieller Hilfe (gern aus dem Heimatministerium) ein Bekenntnis der Kundschaft: Da simmer dabei. Wer auch in Zukunft narrensicher feiern will, darf jetzt kein Spaßverderber sein. Und noch eine Parallele zur Wirtschaft gibt es: Wie der Kaufhauskonzern muss sich auch der rheinische Karneval fragen, ob seine Konzepte und Angebote noch passen - und sich womöglich neu erfinden. Es gilt, ein Bedürfnis zu befriedigen, dass alle Rheinländer verspüren: Die Sehnsucht nach dem Spaß an der Freud.

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