Frankfurt: Droht jetzt ein Absturz an der Börse?

Frankfurt: Droht jetzt ein Absturz an der Börse?

Der Dax hat kräftig verloren und ist deutlich unter die 13.000-Punkte-Marke gefallen. Zu Wochenbeginn ging die Talfahrt weiter, wenn auch moderater als zuvor. Die Sorge vor einem länger anhaltenden Kursverlust bleibt aber.

Rund fünf Prozent hat der Deutsche Aktien-Index in der vergangenen Woche und gestern verloren. Ein satter Kursrutsch innerhalb kurzer Zeit. Doch es gibt gute Gründe, weswegen Anleger so fleißig die Verkaufstasten bemühen:

Zum einen ist dem Kursrutsch eine "Börsenparty" voraus gegangen, will heißen: Die Kurse an den Aktienmärkten waren vorher steil gestiegen, der Dax war unlängst auf ein Rekordhoch geklettert, wie US-Indizes auch. "Nach einem solch starken Anstieg war eine Korrektur überfällig", sagt Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege beim Investmentgiganten Blackrock in Deutschland. "Man kann fast schon sagen - das hat einen gesunden Charakter." Dem stimmen viele andere Börsenexperten zu.

Zum anderen ist der Euro in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen. Das belastet zumindest in Europa - also auch am deutschen Aktienmarkt - Exportunternehmen, weil deren Waren sich im außereuropäischen Ausland verteuern. Und dann machen sich Anleger vor allem Sorgen über die Zinsen in den USA. Denn die könnten möglicherweise schneller als gedacht steigen. Gestern hat der frühere Finanzinvestor Jerome Powell das Ruder der US-Notenbank Fed übernommen. Unsicherheit besteht nun darüber, wie er an der Spitze der wichtigsten Notenbank der Welt agieren wird. Angesichts anziehender Löhne und im Nachgang möglicherweise steigender Preise könnte er sich gezwungen sehen, die Zinsen schneller anzuheben als bisher gedacht.

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Steigende Zinsen aber wirken grundsätzlich wie Party-Killer an den Aktienmärkten. Denn sie verknappen Geld grundsätzlich, das ansonsten in Anlagen wie Aktien fließen könnte. In der Tat ist die Rekordfahrt der vergangenen Monate an den Börsen kaum zu erklären ohne die Niedrig- oder Nullzinspolitik der wichtigsten Notenbanken der Welt - und deren Anleihekäufe. Mit diesem Gesamtpaket haben die Währungshüter rund um den Globus die Märkte mit Geld geflutet. Auf der Suche nach Rendite ist ein Teil dieses Geldes an den Aktienmärkten gelandet und hat dort die Kurse getrieben.

Nun steigen die Zinsen zumindest in den USA wieder. US-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bringen mittlerweile wieder Renditen von fast drei Prozent. Das ist ziemlich lukrativ. Deswegen könnten Anleger vermehrt motiviert sein, umzuschichten: Raus aus den vergleichsweise risikoreichen Aktienmärkten, rein in US-Staatsanleihen - die gelten quasi als ausfallsicher. Diese Entwicklung birgt noch ein anderes Risiko, denn es gilt: Wenn die Renditen von Anleihen steigen, fallen ihre Kurse und umgekehrt. Sollten die Zinsen also schnell steigen und Investoren ihre Anleihen verkaufen, um nicht auf den Kursverlusten sitzen zu bleiben, droht eine Abwärtsspirale am Anleihemarkt. "Wenn es dort wirklich drehen sollte, wird es haarig", meint Börsenexperte Dirk Müller.

Manche Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer riesigen Blase, die sich an den Anleihemärkten gebildet habe. Kapitalmarktstratege Felix Herrmann aber hat eine solche Befürchtung nicht: "Anlässlich des Anlage-Notstandes ist es eines der verlässlichsten Muster der vergangenen Jahre, dass bei steigenden Anleihezinsen Investoren in die Lücke springen", also die Anleihen übernehmen, womit die Abwärtsspirale ein Ende fände. Gut möglich also, dass der derzeitige Kursrutsch nur Teil einer "Korrektur" ist.

(RP)