Immer mehr Fälle Betrugsmasche auf Paypal – so schützen Sie sich

Düsseldorf · Beim Bezahldienst Paypal versuchen Betrüger, an Geld zu kommen. Ihre Masche ist einfach – und leicht zu durchschauen. Wie Kunden sich schützen können.

 Beim Bezahldienst Paypal versuchen Betrüger, an Geld zu kommen.

Beim Bezahldienst Paypal versuchen Betrüger, an Geld zu kommen.

Foto: dpa/Jeff Chiu

Es klingt wie ein Versehen. Etwas, das einfach mal passieren kann und halb so wild ist: Ein Unbekannter sendet Geld über den Bezahldienst Paypal, 20 Euro, keinen auffällig hohen Betrag. Der Empfänger wundert sich, doch wenig später erhält er eine Nachricht, die alles erklärt: Es sei alles ein Versehen gewesen, eigentlich wollte man das Geld an eine Freundin senden, aber man habe sich eben bei der Mailadresse vertippt. Sorry! Wäre der Empfänger denn so nett, das Geld über die Option „Familie und Freunde“ zurückzusenden? Natürlich, denkt der Empfänger, er wollte das Geld ja nicht unterschlagen! Er schickt es sofort zurück. Ein Fehler, wie sich später herausstellt.

Denn kurz darauf meldet der Unbekannte bei Paypal, dass es bei seiner ursprünglichen Zahlung Probleme gegeben hätte. Daraufhin überweist der Bezahldienst das Geld zurück auf sein Konto – der Unbekannte genießt schließlich den Käuferschutz, da er zuvor angegeben hat, dass es sich um eine geschäftliche Überweisung handele. Das funktioniert mit der Option „Waren und Dienstleistungen“.

Ein Vorteil, den der Empfänger nicht genießt. Die 20 Euro, die er über die „Familie und Freunde“-Option gesendet hat, kann er nicht mehr zurückfordern, weil es bei dieser Art der Überweisung keinen Käuferschutz gibt. Und zusätzlich wurden ihm die 20 Euro von Paypal abgezogen, die der Unbekannte zurückgefordert hatte. Er ist nun also um 20 Euro ärmer. „Das ist natürlich für viele Menschen kein existenziell hoher Betrag, aber schon sehr ärgerlich. Wir vermuten, dass die Betrüger auf Masse gehen und es bei vielen verschiedenen Mailadressen probieren, damit sich die Masche überhaupt lohnt“, sagt Digitalexperte Hauke Moormann von der Verbraucherzentrale NRW. Und es gebe keine Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen. „Wenn man einem Fremden 20 Euro über die Option ‚Familie und Freunde’ auf Paypal sendet, ist das so, als würde man irgendjemandem auf der Straße einen Geldschein in die Hand drücken. Danach kann man sagen: ‚Bitte geben Sie mir das Geld zurück’, aber ob der Fremde das macht, ist fraglich. Es ist quasi wie eine Schenkung“, sagt Moormann.

Deshalb sollten Kundinnen und Kunden auf Paypal immer wachsam sein: Wer einen Geldbetrag von Fremden erhält, tippt in der PayPal-App am besten umgehend auf „Rückzahlung senden“ oder im Browser auf „Diesen Betrag zurückzahlen“. So kann der Unbekannte im Nachhinein kein Geld zurückfordern – und man tastet auch nicht das eigene Vermögen an.

Doch wer steckt hinter den Betrugsversuchen? „Leider ist uns darüber nichts bekannt“, sagt Moormann. Theoretisch sei jeder Schüler dazu fähig, der sich illegal etwas dazuverdienen wolle – für die Masche müsse man über kein besonders breites Wissen verfügen. Eigentlich reiche es schon aus, wenn man verstehe, wie Paypal funktioniert. Die Betrugsversuche gingen auch nicht von bestimmten Mailadressen aus, die Rückschlüsse auf die Herkunft der Unbekannten schließen ließen. Meistens handele es sich um reguläre Adressen von Googlemail oder anderen seriösen Anbietern.

Im Juni 2022 berichteten Betroffene zum ersten Mal von der Betrugsmasche – und zwar in einem Forum der Paypal-Community, in dem sich Kundinnen und Kunden mit dem Unternehmen austauschen können. Paypal warnte damals vor der Masche und appellierte an alle, einfach eine Rückzahlung anzustoßen und das Geld nicht über die „Familie und Freunde“-Option zu zurückzuschicken. Nun häufen sich die Beschwerden in den sozialen Medien erneut – und das ZDF warnte auf dem Instagram-Kanal der TV-Sendung Wiso kürzlich noch einmal eindringlich vor den Betrügern.

Eine Frage kam auf Instagram und Co. immer wieder auf: Warum kann man das Geld nicht einfach behalten? Erstens fordern die Unbekannten es ohnehin über Paypal zurück, sodass es automatisch abgebucht wird. Und zweitens gilt der Versuch laut Gesetzgeber als „ungerechtfertigte Bereicherung“. Das bedeutet: Man muss das Geld nicht zurückschicken, aber man darf es auch nicht vom Paypal-Konto aufs reguläre Konto überweisen. Sobald die andere Person es zurückverlangt, ist man verpflichtet, es abzugeben.

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