Düsseldorf: Drei Eon-Standorte wackeln

Düsseldorf: Drei Eon-Standorte wackeln

Der Energiekonzern will offenbar den Sitz der Gas-Tochter Ruhrgas in Essen, die Eon-Energie-Zentrale in München und die Kraftwerks-Zentrale in Hannover auflösen. Hunderte Jobs sollen wegfallen. Der Umbau geht weiter.

Wenn ein großer Konzern "Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens" für denkbar hält, kann man getrost davon ausgehen, dass deutlich sichtbare Umwälzungen bevorstehen. Genau das scheint beim Düsseldorfer Energiekonzern Eon wieder der Fall zu sein. Drei Standort-Zentralen sollen nach einem Bericht des "Nachrichtenmagazins "Spiegel" aufgelöst werden, mehrere Hundert Arbeitsplätze wegfallen. Betroffen von den Plänen seien die Zentrale für das Kraftwerksgeschäft in Hannover, der Sitz von Eon Energie in München und die Zentrale von Eon Ruhrgas in Essen. An allen drei Standorte zusammen beschäftigt der Konzern mehr als 2000 Mitarbeiter.

Eon kommentiert dies nicht, spricht nur von "erheblich veränderten Rahmenbedingungen". Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen werde es möglicherweise Aussagen zu Veränderungen im Konzern geben, sagte ein Sprecher unserer Zeitung. Die Zwischenzahlen gibt es am Mittwoch nächster Woche. Am Vorabend will Konzernchef Johannes Teyssen dem Vernehmen nach die Pläne dem Aufsichtsrat in Hamburg vorstellen.

Wo genau wie viel Arbeitsplätze wegfallen könnten, steht offenbar noch nicht fest. Natürlich fiele die Arbeit, die in den drei in Rede stehen Zentralen getan wird, nicht vollständig weg. Jene Geschäftsbereiche, die noch gebraucht würden, sollten auf bereits bestehende oder neu zu gründende Gesellschaften übertragen werden, heißt es. Das wäre eine deutliche Stärkung der Zentrale in Düsseldorf. Aber ein Jobabbau erscheint trotzdem sicher. "Ich bin entsetzt. Da Herr Teyssen nicht mit uns redet, wissen wir nicht welche Pläne er hat und was er mit den Standorten vor hat", sagte Hans Prüfer, der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates, unserer Zeitung.

  • Interview mit Vorstandsmitglied Kaufmann : „Thyssenkrupp will nur saubere Geschäfte“

Seit dem Start "Perform to win" sind bereitss mehrere Tausend Stellen gestrichen worden. Jetzt, so heißt es, wolle Teyssen dieses Programm offenbar noch einmal forcieren. Der Energiekonzern kämpft gegenwärtig an mehreren Baustellen. Eine davon ist das Gasgeschäft. Eon Ruhrgas, einst die Vorzeige-Tochter, hat zuletzt deutliche Verluste gemacht und ist offenbar gescheitert in dem monatelangen Bestreben, beim russischen Gaslieferanten Gazprom günstigere Einkaufskonditionen herauszuschlagen. Das Problem für Ruhrgas: Es muss an Gazprom noch Preise aus langlaufenden Lieferverträgen zahlen, die sich am Ölpreis orientieren. Da aber relativ billiges frei verfügbares Gas auf dem Spotmarkt zu haben ist, hat Ruhrgas kaum eine Chance, höhere Einkaufspreise an seine Kunden weiterzugeben. Die Konsequenz: Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr mit einem Milliardenverlust.

Das ist aber beileibe nicht die einzige Baustelle, die Eon derzeit hat. Die Atomwende in Deutschland belastet den Konzern stark, weil er der größte Atomkraft-Betreiber in Deutschland ist und damit am stärksten von der plötzlichen Energiewende nach der Katastrophe im japanischen Fukushima betroffen. Der Analyst Matthias Heck von der Investmentbank Macquarie schätzte jüngst, dass Eon durch den Ausstieg aus der Kernenergie über die Jahre 17 Milliarden Euro Gewinn entgehen. Davon ließen sich über einen höheren Strompreis nur bis zu 2,5 Milliarden Euro wieder hereinholen.

Und am Ende trifft es dann natürlich auch die Aktionäre. Ob unter den Umständen die für dieses und das kommende Jahr versprochene Dividende von "mindestens 1,30 Euro" noch ausgeschüttet werden könnte, sei zu bezweifeln, heißt es im Konzern. Der Aktienkurs ist binnen eines halben Jahres um ein Viertel auf 19 Euro gefallen. Aktueller Börsenwert für Eon: knapp 38,5 Milliarden Euro.

(RP)
Mehr von RP ONLINE