Düsseldorf Doc Morris lockt Beamte mit sechswöchiger Zahlungsfrist

Düsseldorf · Die etwa 8,98 Millionen privat Krankenversicherten in Deutschland dürfen sich länger Zeit lassen, um ihre Rechnung bei der Versand-Apotheke Doc Morris zu begleichen. Normalerweise bekommen Kunden mit ihren georderten Medikamenten eine unverzügliche Zahlungsaufforderung. Ab sofort gibt es aber das "Beamten-Special", das laut einer Unternehmens-Sprecherin sogar für alle Privatpatienten gilt. Sie dürfen sich mit der Zahlung sechs Wochen Zeit lassen, wenn sie ihre rezeptpflichtigen Medikamente im Internet bestellt haben. Dies gilt auch für gleichzeitig mit einem Rezept bestellte rezeptfreie Arzneimittel. In den etwa 160 Filialen müssen Kunden allerdings weiter direkt bezahlen.

Beamte sind von Gesetz wegen privat versichert und müssen bei verordneten Medikamenten in Vorleistung treten. Bis die Rechnungsbeträge von den Beihilfestellen erstattet werden, vergehen oft Wochen. "Je nach Fall und Einkommensgruppe können schnell Summen zusammen kommen, die den Familienhaushalt ins Trudeln bringen", sagt eine Sprecherin des Deutschen Beamtenbundes. "Wir fordern schon seit Monaten, die Bearbeitungsprozesse zu optimieren, damit die Kollegen nicht auf ihren Krankheitskosten sitzen bleiben."

Doc-Morris-Vorstand Max Müller gibt sich nun hilfsbereit. "Wir möchten eine systembedingte Benachteiligung ausgleichen", erklärt er. Doch das als Gutmütigkeit getarnte Vorgehen ist lediglich ein Versuch, weitere Kunden zu werben. Doc Morris machte jahrelang 80 Prozent seines Umsatzes mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln, die sie günstiger als die alteingesessene Konkurrenz in deutschen Apotheken angeboten haben. Dieser Vorteil ist seit vergangenem Jahr dahin, da ausländische Versand-Apotheken keine Rabatte mehr auf verschreibungspflichtige Medikamente anbieten dürfen, sondern sich an die deutsche Preisbindung halten müssen.

(RP)
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