Berlin DIW-Chef Fratzscher fordert Schuldenerlass für Griechen

Berlin · Der Ökonom fordert die Bundesregierung zum Umdenken auf. Doch Schäuble bleibt skeptisch.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert die Bundesregierung auf, sich einem Schuldenerlass für Griechenland nicht länger zu verschließen. "Wenn ein drittes Hilfsprogramm erfolgreich sein soll, dann wird kein Weg an einer Schuldenerleichterung für Griechenland vorbeiführen", sagte Fratzscher. Die Verlängerung der Laufzeiten der Hilfskredite sei alleine nicht ausreichend. "Die beste Option einer Schuldenerleichterung ist es, die Zinsen und Rückzahlungen der griechischen Regierung an das Wachstum der griechischen Wirtschaft zu koppeln", sagte er. Damit würde Athen endlich Eigenverantwortung für Reformen übernehmen und Europa ein Signal für mehr Wachstum setzen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) dringt auf einen Schuldenerlass, weil die Schuldenlast für Griechenland untragbar geworden sei. Sie dürfte in den kommenden zwei Jahren nach IWF-Berechnungen 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen. Ohne Schuldenerlass durch die europäischen Geldgeber werde sich der IWF an keinem dritten Hilfspaket beteiligen. Die Bundesregierung lehnt einen Schuldenerlass für Athen bisher jedoch strikt ab.

Über die Bedingungen für das dritte Hilfspaket wird zurzeit in Athen verhandelt. Bis zum 15. August braucht Griechenland eine Einigung. Gelingt diese nicht, wäre es auf eine weitere Brückenfinanzierung angewiesen, denn am 20. August werden neue Milliarden-Rückzahlungen an den IWF fällig.

Über die Qualität der Gespräche in Athen gibt es in Brüssel und Berlin unterschiedliche Auffassungen: Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) noch keine hinreichenden Fortschritte sieht, hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Fortgang gelobt. Schäuble würde lieber eine zweite Brückenfinanzierung in Kauf nehmen als einen Vertrag über ein Hilfspaket abzuschließen, der Reformanforderungen nicht genügt.

Der DIW-Chef erwartet, dass sich der IWF mit dem Schuldenerlass durchsetzen wird, denn Berlin sei auf ihn angewiesen. "Wichtig bleibt die Konditionalität des Schuldenerlasses", mahnte er. "Es sollte einen Schuldenerlass nur im Gegenzug zu tiefgreifenden Reformen des Steuer- und Justizsystems und der staatlichen Institutionen geben."

(mar)
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