Düsseldorf Dispozinsen in der Region sinken langsam

Düsseldorf · Nach der Leitzins-Senkung durch die Europäische Zentralbank haben die ersten Institute reagiert. Doch die Senkung fällt gering aus. Viele Häuser nehmen weiterhin mehr als zehn Prozent, was der Justizminister überzogen nennt.

Es passiert schneller als man denkt: Eine unvorhergesehene Rechnung, eine vorzeitige Abbuchung und das Girokonto landet im Minus. Dann wird es teuer. Banken und Sparkassen lassen sich die Überziehung des Kontos teuer bezahlen. Daran hat auch die jüngste Leitzins-Senkung der Europäischen Zentralbank (EZB) nur wenig geändert. Viele Institute haben ihren Zinssatz zwar gesenkt, doch nur in homöopathischen Dosen. Auch im Rheinland müssen die meisten Kunden weiterhin mehr als zehn Prozent Überziehungszins zahlen, wie eine Erhebung des Verbraucherportals Biallo für unsere Zeitung ergeben hat.

So senkte etwa die Deutsche-Bank-Tochter Postbank, die zu den großen Anbietern zählt, ihren Dispozins um 0,35 Punkte - doch mit 11,95 Prozent ist der Satz, den sie berechnet, weiter happig. Dieser Zins wird fällig, wenn ein Kunde sein Konto im Rahmen des vereinbarten Dispo-Kredites überzieht. Noch teurer wird es, wenn ein Kunde darüber hinaus Geld abhebt. Bei den Überziehungszinsen langen Geldhäuser richtig zu. Bei der Postbank etwa sind hierfür 15,25 Prozent fällig, im vergangenen Jahr waren es noch fast 17 Prozent.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) nennt mehr als zehn Prozent Überziehungszins "überzogen und nicht akzeptabel". Es gebe in der derzeitigen Niedrigzinsphase überhaupt keinen Grund, so hohe Dispozinsen zu verlangen. Das hatte der Sozialdemokrat im Mai gesagt. Seitdem sind die Leitzinsen weiter gefallen. Vor wenigen Wochen hatte die EZB den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können, von 0,25 auf 0,15 Prozent gesenkt. Damit kommen Banken fast kostenlos an Geld, während sie es für viel Geld an ihre Kunden weitergeben. Mithin ein lukratives Geschäft.

Die Geldhäuser weisen die Kritik zurück. "Der Dispozins hat nur zum Teil mit dem Leitzins zu tun. Hier spielt vor allem der Wettbewerb eine Rolle", erklärte ein Postbank-Sprecher. Frei nach dem Motto: Wenn alle Banken die Kunden bei den Überziehungszinsen abkassieren, machen wir es auch?

Hier setzt die Kritik von Verbraucherschützern an. "Die Banken machen es sich zunutze, dass man ein Konto nicht so einfach wechseln kann wie den Telefonanbieter oder Energieversorger", sagt Dorothea Mohn, Finanzexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Der Verband fordert deshalb eine Deckelung. "Vorstellbar wäre ein Wert von sieben Prozent auf Grundlage des Referenzzinses Euribor", so Mohn. Der Euribor ist der durchschnittliche Zins, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen. Er liegt derzeit je nach Laufzeit zwischen 0,1 und 0,5 Prozent, entsprechend dürfte der Dispozins nicht mehr als 7,5 Prozent betragen.

Davon ist auch die Sparkasse Düsseldorf weit entfernt. Sie senkte ihren Dispozins von 11,91 auf 11,81 Prozent und den Überziehungszins von 17,45 auf 16,81 Prozent. Ihr Sprecher verweist darauf, dass das Ausfallrisiko bei Dispokrediten höher sei als etwa bei Immobilienkrediten, und dass Dispokredite keine große Rolle spielten. Zugleich betonte er, dass man Kunden Hilfe anbiete: "Unsere Berater gehen auf die Kunden zu, die über einen längeren Zeitraum ihren Dispokredit in Anspruch nehmen, um über eine sinnvolle Alternative, etwa einen Ratenkredit zu beraten."

Diese Aufklärung will die Bundesregierung nun für alle Geldhäuser zur Pflicht machen. "Bei dauerhafter und erheblicher Inanspruchnahme sollen sie (die Banken) dem Kunden eine Beratung über mögliche kostengünstigere Alternativen zum Dispositionskredit anbieten müssen", heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Ratenkredite sind je nach Laufzeit und Bonität des Kunden schon für fünf Prozent zu haben. Im laufenden Jahr ist jedoch mit keinem Gesetz zu rechnen.

(RP)
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