1. Wirtschaft

Disneys Streamingdienste boomen in der Krise.

Unterhaltungskonzern : Disney setzt in der Krise auf Streamingdienste

Der US-Unterhaltungsriese will sich neu aufstellen: Künftig sollen Disney plus und Hulu in den Fokus rücken, die in der Pandemie die stärksten Steigerungen bei Abonnentenzahlen liefern.

Während Kinos reihenweise schließen, boomen die Streamingdienste. Auch bei Disney. Für den Unterhaltungskonzern ist Disney plus, der im November 2019 auf den Markt kam, ein Lichtblick in einem ansonsten düsteren Geschäftsjahr. Anfang Oktober hatte Disney angekündigt, 28.000 Stellen zu streichen – vorwiegend in Freizeitparks und auf Kreuzfahrtschiffen. Jetzt soll es eine Umstrukturierung innerhalb des Unternehmens geben: Der Fokus wird künftig auf dem Streaminggeschäft liegen.

Außerdem soll die Arbeitsteilung eine andere sein: Disney-Manager können sich jetzt ausschließlich darauf konzentrieren, Filme und Serien zu produzieren, während das Vertriebsteam entscheidet, wo die Inhalte am besten laufen. Das kann im Fernsehen sein, im Kino – oder auf den Streaming-Plattformen des Konzerns. Der Vertrieb wird zu einer einzigen Abteilung gebündelt, in der über alle Inhalte Disneys entschieden wird: Filme, Serien, Sportsendungen und vieles mehr. Mit objektivem Blick solle hier entschieden werden, wie den Präferenzen des Kunden am besten entsprochen werden könne, sagte Konzern-Chef Bob Chapek. Dazu gehöre vor allem, dass das Medien- und Werbegeschäft besser mit den Online-Services verknüpft werde. Diese Pläne zur Umstrukturierung habe es schon länger gegeben, doch in der Corona-Pandemie würden sie nun schneller umgesetzt als ursprünglich geplant. Die neue Vertriebssparte heißt „Media und Entertainment Distribution“ und wird von Kareem Daniel geleitet, der seit 14 Jahren bei Disney arbeitet und sich um die Fanartikel in den Themenparks gekümmert hat.

Die Krise hat Disney schwer getroffen. Nachdem das Unternehmen im zweiten Geschäftsquartal 2020 20,3 Milliarden Dollar (17,3 Milliarden Euro) Gewinn gemacht hatte, waren es im dritten Quartal nur noch 11,8 Milliarden Dollar (10,1 Milliarden Euro). Disney beklagt insgesamt einen Verlust von 4,7 Milliarden Dollar (4 Milliarden Euro). Daran gibt der Konzern dem Staat Kalifornien eine Mitschuld. Der verhindere, dass der Themenpark in Anaheim nahe Los Angeles wieder geöffnet werden könne. Das kalifornische Disneyland gilt als Publikumsmagnet, seit 1955 bringen mehrere Millionen Besucher jährlich viel Geld in die Kassen des Unterhaltungsriesen. Nach Disney World in Orlando im US-Bundesstaat Florida ist es der meistbesuchte Vergnügungspark der Welt. Doch Kalifornien hält als bevölkerungsreichster Staat der USA an seiner Regelung fest: Freizeitparks bleiben vorerst geschlossen. Auch deshalb hat Disney schon Anfang Oktober angekündigt, seine Belegschaft von rund 223.000 auf etwa 195.000 Mitarbeiter zu verringern. Zwei Drittel der Angestellten, denen gekündigt werden soll, arbeiten derzeit in Teilzeit – die meisten von ihnen in Themenparks und auf Kreuzfahrtschiffen.

Die Börse belohnte die Entscheidung des Konzerns mit einem Kurssprung um fünf Prozent. Das dürfte Disney bestärkt haben, „strategisch das Richtige“ getan zu haben – wie Unternehmenschef Chapek es sich erhofft hatte.

(dpa)