Diskussion wegen Flohmärkten in NRW: Verkaufsverbote?

Verkaufsverbot in NRW an Sonntagen geplant : 45.000 Flohmarkt-Händler in der Existenz bedroht

Wegen eines geplanten Verkaufsverbots von Neuwaren an Sonn- und Feiertagen sehen sich Händler von Trödel- und Flohmärkten in Nordrhein-Westfalen in ihrer Existenz bedroht.

Bei einem Aus für das "sonntägliche Marktvergnügen" seien an Rhein und Ruhr etwa 45.000 Existenzen gefährdet, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Deutscher Marktgestalter (VDM), Norbert Hermanns, am Donnerstag in Düsseldorf vor Journalisten in Düsseldorf. Ein "übersteigerter Schutz" des Sonntags sei "nicht mehr zeitgemäß". Mit den Kirchen hätten die Trödelhändler "keine Probleme", da ihre Märkte erst ab 11 Uhr nach dem Kirchgang öffneten, betonte Herrmanns.

Die rot-grüne Landesregierung strebt die Einführung eines Marktgesetzes an, das den überbordenden Neuwarenverkauf auf Trödelmärkten an Sonn- und Feiertagen weitgehend untersagt. Damit soll verhindert werden, dass der Sonntagsschutz von fliegenden Markthändlern systematisch unterlaufen wird. Es dürfe nicht sein, dass dem Einzelhandel in NRW nur vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr gestattet seien, während auf Trödelmärkten an 52 Sonntagen im Jahr Neuware verkauft werde, erklärte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Allerdings sollten traditionelle Brauchtums- und Weihnachtsmärkte von diesem Verbot ausgenommen werden.

VDM-Vizechef Hermanns räumte ein, dass auf Trödel- und Flohmärkten zwischenzeitlich im Schnitt etwa zu 25 Prozent Neuwaren verkauft würden. Auf einigen Märkten liege dieser Anteil sogar bereits bei 50 Prozent. Dabei handele es sich jedoch ganz überwiegend um Restpostenware oder Ware zweiter Wahl, also klassische Produkte der Ein-Euro-Shops. Eine Benachteiligung des Einzelhandels finde somit nicht statt. Im Übrigen fänden 80 Prozent der Trödelmärkte auf Großparkplätzen von Einzelhandelsstandorten statt. Diese Kooperation verlaufe seit Jahrzehnten völlig konfliktfrei.

Die freie Gestaltung des Sonntags

Es sei nicht einzusehen, dass die Politik den Menschen vorschreiben wolle, wie diese ihren Sonntag zu gestalten hätten, erklärte Hermanns. Der Besuch von Trödel- und Flohmärkten diene nicht in erster Linie dem Einkauf, sondern sei "ein Freizeitvergnügen für die ganze Familie". In NRW besuchten pro Jahr insgesamt 32 Millionen Menschen über 3500 Sonntagsmärkte. "Es gibt keine andere Veranstaltungsform, die so viele Besucher anzieht", sagte Hermanns.

Der Sonn- und Feiertagsverkauf für Markthändler sei "ein Privileg" des Wormser Konkordats aus dem Jahre 1122. "Warum müssen wir etwas ändern, was über tausend Jahre funktioniert hat?", fragte Hermanns.
Hinzu komme dass zunehmend Einzelhändler mit festen Ladengeschäften an Sonntagen zusätzlich Marktveranstaltungen aufsuchten, um sich so gegen die Konkurrenz großer Einkaufszentren und im Internethandel zu behaupten.

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(KNA)
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