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Wie sich Konzernchefs in Davos anbiedern: Dinner mit Donald

Wie sich Konzernchefs in Davos anbiedern : Dinner mit Donald

Ein Gesprächsprotokoll des Weißen Hauses zeigt, wie sich deutsche Konzern-Chefs in Davos bei US-Präsident Trump angebiedert haben. SAP-Chef McDermott und Siemens-Chef Kaeser etwa geizten nicht mit Komplimenten bis hin zu Peinlichkeiten.

Die Spannung war groß, der Präsident machte es kurz. Beim Weltwirtschaftsforum verteidigte Donald Trump am heutigen Freitag seine Politik: "Amerika ist wieder wettbewerbsfähig." Die Welt erlebe die Wiederauferstehung der USA. Es gebe keine bessere Zeit, dort zu investieren und Jobs zu schaffen.

Am Abend zuvor hatte er diese Botschaft bei einem Essen mit Konzernchefs erläutert. Und die Herren geizten nicht mit Komplimenten bis hin zu Peinlichkeiten, wie ein vom Weißen Haus im Netz veröffentlichtes Gesprächsprotokoll ("Remarks") zeigt. "Ich möchte Ihnen danken für all das Wachstum, das Sie anregen", lobte demnach SAP-Chef Bill McDermott. Er sei sehr stolz, dass US-Armee und Marine bei ihrer Mission, die Welt zu schützen, SAP einsetzten.

Zuvor hatte Siemens-Chef Joe Kaeser gelobt: "Glückwunsch zu Ihrer Steuerreform. Angesichts der erfolgreichen Steuerreform hat Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln."

Das sorgte in Deutschland gleich für Ärger. Denn Gasturbinen gehören zu der Sparte, in der Siemens wegen angeblicher Nachfrageschwäche weltweit 6900 Jobs abbauen will. Die IG Metall nannte Kaesers Äußerung "unverantwortlich". Offensichtlich gebe es doch eine Nachfrage für Gasturbinen, Siemens gehe es demnach nur darum, die Marge zu erhöhen.

Werner Baumann stellte sich Trump in Davos vor als Chef der "Aspirin Company": Der Präsident fragte nach dem Umsatzanteil von Aspirin, Baumann erwiderte, der sei relativ klein. "Aber es ist sehr profitabel, und ich glaube, Sie nehmen es auch." Das Protokoll vermerkt: "Gelächter". Trump antwortete, er nehme jeden Tag eine Aspirin, es funktioniere gut.

Dann wollte er wissen, ob Bayer auch in den USA investiere. Baumann wiederholte, was er Trump schon mal gesagt hat: "Wir werden 16 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investieren." Und zwar im Bereich CropScience, den Bayer gerade mit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto stärken will.

60 Prozent davon will Bayer in den USA investieren, zitiert das Protokoll Baumann. (Bisher sprach Bayer von 50 Prozent.) "Das ist wirklich großartig", so Trump. Baumann sagte, man hoffe, das Geschäft Anfang 2018 abschließen zu können. Noch steht die Freigabe aber aus. Die EU will nun bis zum 5. März entscheiden.

"Wow"

Lob von Trump ("Wow") gab es auch für Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger, der die Aufzug-Fertigung in den USA als Beispiel für die starke Rolle der Firma nannte. 80 Prozent des Geschäfts seien lokal. Adidas-Chef Kasper Rorsted berichtete von US-Stars, die Adidas tragen, und von Schuhfabriken in Georgia und Atlanta. Trump freute sich: "Sie machen einen unglaublichen Job." Hier säßen Lenker der größten Konzerne.

Ganz so entspannt ging es bei der offiziellen Rede gestern nicht zu. "Erst als ich Politiker wurde, habe ich bemerkt, wie bösartig und verfälschend (fake) die Presse sein kann", sagte Trump. Aus weiten Teilen des Publikums war Protest zu hören, berichtet dpa. Versöhnlicher gab sich Trump bei der Handelspolitik: "Amerika zuerst bedeutet nicht Amerika alleine."

Er schloss nicht aus, dass die USA doch zum Transpazifischen Handelsabkommen TPP zurückkehren, das er 2017 aufgekündigt hatte. Die USA würden über Freihandelsabkommen mit vielen Ländern nachdenken, darunter auch den TPP-Ländern. Der Präsident kündigte aber auch eine harte Linie bei der Überwachung der Spielregeln für den Handel an: "Wir werden nicht länger wegsehen. Wir können keinen fairen und freien Handel haben, wenn einige Länder die Regeln brechen."

Den Börsen in Deutschland und den USA gefiel Trumps Ton, die Kurse zogen an. "Das war zwar eine America-first-Rede, aber eine sehr gemäßigte", zitierte Reuters einen Analysten. Skeptischer reagierten Verbände. "Das Verhängen fragwürdiger Strafzölle trägt sicherlich nicht zur Förderung eines fairen Welthandels bei", sagte Holger Bingmann, Chef des Außenhandelsverbands BGA. "Handelspolitik macht man mit dem Skalpell und nicht mit dem Vorschlaghammer."

(anh)