Gründungen, Glasfaser und Co. Wo NRW digitaler werden muss

Düsseldorf · Vom bevölkerungsreichsten Bundesland hat man in Sachen Digitalisierung irgendwie mehr erwartet: Nordrhein-Westfalen landet beim Ranking des Branchenverbands Bitkom nur im oberen Mittelfeld. Wo gibt es Nachholbedarf?

 In Sachen Digitalisierung hat NRW deutlichen Nachholbedarf.

In Sachen Digitalisierung hat NRW deutlichen Nachholbedarf.

Foto: dpa/Matthias Rietschel

Die Nachricht aus dem Kommunalministerium kommt gerade zur rechten Zeit: Seit Dienstag muss man in Düsseldorf nicht mehr zum Bürgeramt, um einen neuen Wohnsitz anzumelden – das geht jetzt ganz bequem vom Sofa aus. Und zwar mit der elektronischen Wohnsitzanmeldung (eWA), die den Ummeldeprozess digitalisiert. Nach und nach sollen weitere Kommunen folgen, darunter Dortmund, Köln und Essen. Ziel ist es, die eWa flächendeckend in NRW einzuführen.

Damit wäre das Bundesland in Sachen Digitalisierung mal wieder einen Schritt weitergekommen – was mit Blick auf die neueste Bitkom-Studie bitter nötig wäre. Denn nicht nur die Stadtstaaten Hamburg und Berlin sind deutlich besser aufgestellt, sondern auch Bayern, Baden-Württemberg und sogar Nachbarland Hessen. NRW landet im Ranking des Bitkom-Digitalindex nur auf Platz sechs mit 61,9 Punkten. Höchstpunktzahl ist 100, der kleinstmögliche Wert wäre 0. Spitzenreiter Hamburg schafft 73,5, Schlusslicht Thüringen 49,6.

Der Digitalindex setzt sich aus vier Kategorien zusammen. Da wäre einmal die digitale Wirtschaft. Unter diesem Stichwort haben sich die Studienautoren angeschaut, wie viele IT-Fachkräfte und Informatik-Auszubildende es im jeweiligen Bundesland gibt, wie viele IT- und Telekommunikationsunternehmen angesiedelt sind und wie hoch die Anzahl der Start-up-Gründungen ausfällt. Hier schneidet NRW mit seinem siebten Platz im Ländervergleich noch etwas schlechter ab als im Gesamt-Ranking – zwar verzeichnet das Land eine überdurchschnittliche hohe Anzahl an Informatik-Auszubildenden (4,7 Prozent; Länderdurchschnitt: 3,8 Prozent), doch vor allem bei den Start-up-Gründungen wird es mit 2,3 pro 100.000 Einwohner deutlich von Hotspots wie Berlin (12,5) verdrängt.

Die zweite Kategorie, die sich Bitkom angeschaut hat, ist die Digitale Infrastruktur. Hier war vor allem relevant, wie weit die mobile Breitband-Technologie 5G ausgebaut wurde, wie viele Haushalte Glasfaser nutzen und auf welchem Stand sich die Ladeinfrastruktur befindet. NRW landet hier auf Platz sechs – der Glasfaser-Ausbau liegt mit 30 Prozent sogar über dem Bundesdurchschnitt (29 Prozent), Hamburg steht mit 65 Prozent aber deutlich besser da. Auch die Verfügbarkeit von 5G und die Gigabitversorgung von Haushalten und Unternehmen heben die Studienautoren positiv hervor, doch die schlechte Ladeinfrastruktur kostet wertvolle Punkte.

Bei Kategorie Nummer drei, der Digitalen Verwaltung, kann NRW noch weniger überzeugen. Zum einen gibt es kein Digitalministerium – die Zuständigkeit fällt in den Bereich des Kommunalministeriums. Und: Das Bundesland hatte – bis es die elektronische Wohnsitzanmeldung ankündigte – nur 32 Prozent des Online-Zugangsgesetzes umgesetzt. Kein Wunder, dass nur ein Viertel der Bürger ihre Kommune als sehr digital einschätzt.

Zu guter Letzt fragte Bitkom die Digitalkompetenz der Einwohner ab. Die Ergebnisse fielen zwar recht positiv aus: 65 Prozent können beispielsweise sehr gut oder eher gut mit digitalen Geräten umgehen. Doch dabei handelt es sich um reine Selbsteinschätzungen.

Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) sieht in der Studie eine gute Möglichkeit, zu erkennen, wo das Land bei der Digitalisierung stehe. Zwar sei ein Ländervergleich schwierig, da NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland vor anderen Herausforderungen stehe als ein Stadtstaat wie Hamburg. Doch mit dem Digitalbeirat und der eWA wolle man das Land nun „auf die Überholspur setzen“.

Ob das gelingt, wird sich in zwei Jahren zeigen. Dann will Bitkom seine Digitalstudie erneut durchführen.

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