Düsseldorf/München: Die Strippenzieher beim Kabel-Deal

Düsseldorf/München : Die Strippenzieher beim Kabel-Deal

Vodafone ringt um die Übernahme von Kabel Deutschland. Dabei setzen alle Beteiligten auf Top-Berater, um sich durchzusetzen. Das Ergebnis: Die Übernahme wird immer teurer, die Berater verdienen hervorragend.

Alexander Geiser kann zufrieden sein: Egal wie die Übernahmeschlacht um Kabel-Deutschland (KD) ausgeht, er wird zu den Gewinnern gehören: Der aktienkurs der von ihm beratene Kabelfirma aus München hat alleine in den vergangenen Wochen um mehr als 20 Prozent zugelegt. Und wenn KD dann in den nächsten Wochen voraussichtlich für einiges mehr als 7,5 Milliarden Euro verkauft wird, kann Geisers Agentur Hering Schuppener eine schöne Rechnung schreiben: Tagessätze ab 2000 Euro sind für das mehrköpfige Team normal, einige hunderttausend Euro Honorar werden in die Kasse wandern — vielleicht ja sogar viel mehr.

So wie Geisers Firma verdienen noch zwei weitere große Kommunikationsagenturen an der Übernahmeschlacht. Brunswick mit vielen Mitarbeitern in Frankfurt unterstützt den amerikanischen Kabel-TV-Riesen Liberty und dessen Kölner Ableger Unitymedia, die Vodafone KD wegschnappen wollen. Bei Brunswick leitet der nicht ganz so bekannte Christian Weyand das Team.

Die Vodafone-Gruppe wird vom Ex-Daimler-Manager Roland Klein vertreten: Der ist ebenso wie Alexander Geiser eines der Schwergewichte der deutschen PR-Szene. Klein hat dabei einen enormen Vorteil beim täglichen Kampf um die Meinungshoheit: Seit elf Jahren arbeitet Klein bereits als Partner der Beratungsfirma CNC für Vodafone. Er hatte dutzende Mandate von hochrangigen Konzernen und kennt viele Wirtschaftsjournalisten. Und weil er früher selbst für Kabel Deutschland arbeitete, kennt er die Diskussion um die Kabelnetze.

"Extrem wichtig ist das Kartellamt", verkündet Klein. "Und das Kartellamt hält bekanntermaßen wenig davon, wenn alle Kabelfirmen Deutschlands nur einem Inhaber gehören." Das ist schlecht für Kabel Deutschland — weshalb dessen Vertreter Geiser wo immer möglich versucht gegenzuhalten. KD kann den Aktienkurs nur weiter hochdrücken, wenn Aktionäre daran glauben, dass Liberty KD wirklich kaufen darf. Wenn dagegen klar wäre, dass das Kartellamt den Kauf von KD durch Liberty verbieten würde, weil die bereits den Kölner Kabelriesen Unitymedia kontrollieren, würde der Aktienkurs von KD wegbrechen.

Möglicherweise ist der Deutsch-Kanadier Geiser ja wirklich der richtige Mann, um genau das zu verhindern. Etwas im Hintergrund gibt er in Düsseldorf bei Henkel manchmal einige Anregungen — eher ein leichter Fall, da der Konzern bestens dasteht.

Nicht ganz so gut lief es für Geiser früher als Berater beim Hannoveraner Autozulieferer Continental: Als der fränkische Konkurrent Schaeffler die Übernahme versuchte, konnte er zwar viele kritische Geschichten in den Wirtschaftsmedien lancieren — doch die Übernahme gelang trotzdem erst einmal.

"Der Star" nennt das "PR-Magazin" Geiser . Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gab einer Geschichte über den Betriebswirt mit vielenMandaten in Konzernen die Überschrift "Der Erzähler".

Ein Meisterstück hat Geiser in Frankfurt abgeliefert: Bevor Anshu Jain am 1. Juni 2012 als Co-Chef der Deutschen Bank antrat, war sein Image in großen Teilen der Öffentlichkeit verheerend. Ein fremder Inder, ein gieriger Investmentbanker, ein in Skandale verwickelter Manager aus der Stadt der Finanzhaie London — so war das Bild.

Mittlerweile wird gelobt, dass Anshu Jain fleißig Deutsch lerne, dass seine Frau Kinderbücher schreibe und dass er auf seinen Bonus verzichtet. Ein neues Bild — auch Geisers Werk.

(RP/csi)
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