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Analyse: Die Profiteure von Trumps Banken-Plänen

Analyse : Die Profiteure von Trumps Banken-Plänen

Der US-Präsident will Großbanken wie in den 30er Jahren in Investment- und herkömmliche Banken aufspalten. Seine Pläne nutzen vor allem Goldman Sachs - dem Institut, aus dem seine Wirtschaftsexperten kommen.

In der amerikanischen Bankenwelt bahnt sich ein radikaler Umbau an: US-Präsident Donald Trump erwägt die Aufspaltung großer Banken. "Ich schaue mir das gerade an", sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Es gibt ein paar Leute, die zum alten Trennbankensystem zurück wollen, nicht wahr?", sagte Trump. Dies werde jetzt geprüft. Sein Sprecher sagte später, Trump habe sich mit Finanzminister Steven Mnuchin über die Frage ausgetauscht. Zum jetzigen Zeitpunkt würden aber noch keine Details vorgelegt. Trumps Äußerungen hatten die US-Börsen vorübergehend leicht ins Minus gedrückt.

Was ist das Trennbankensystem? Die USA hatten 1933 die Trennung in Investment-Banken und herkömmlichen Banken (Commercial Banks) erzwungen. Danach waren die herkömmlichen Banken für das klassische Geschäft mit Spareinlagen und Kreditvergabe zuständig, die Investmentbanken für den riskanteren Handel mit Wertpapieren, auch auf eigene Rechnung, und die Vermögensverwaltung. Basis war das vom damaligen US-Präsidenten Franklin Roosevelt durchgesetzte und nach zwei Abgeordneten benannte Glass-Steagall-Gesetz. Es sollte verhindern, dass die Banken mit riskanten Wertpapiergeschäfte die Ersparnisse der kleinen Leute vernichten. Damit zog Roosevelt die Lehre aus der Weltwirtschaftskrise, in der viele Banken in die Knie gingen und viele Sparer ihr Vermögen verloren. Im Zuge der Deregulierung um die Jahrtausendwende wurde das Trennbankensystem wieder aufgegeben.

Warum will Trump zurückkehren? Sein Ansatz ist verständlich: Zur Finanzkrise 2007 kam es auch deshalb, weil Banken im großen Stil Geschäfte auf eigene Rechnung machten, also Wertpapiere kauften und verkaufen, ohne diese Geschäfte hinreichend mit Eigenkapital zu hinterlegen. Lehman Brothers ließ die US-Regierung 2008 pleite gehen, was das weltweite Finanzsystem bereits erschütterte, obwohl es "nur" eine Investmentbank war. Danach wagte die Politik nicht mehr, eine große Bank fallen zulassen, erst recht nicht mit nennenswertem Einlagen-Geschäft. Viele Banken galten nun als "too big to fail", zu groß um zu scheitern.

Allerdings hat die Politik in den USA wie Europa aus der Krise gelernt und den Banken zahlreiche Fesseln angelegt. Der damalige Präsident Barack Obama erließ das nach zwei Abgeordneten benannte und 849 Seiten dicke Dodd-Frank-Gesetz, das Banken reguliert und ihnen den Eigenhandel verbietet. Diese Fesseln will Trump nun lösen und statt dessen das alte Trennbankensystem wieder einführen.

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Gewinner von Trumps Plänen ist - wen wundert es - die Investmentbank Goldman Sachs. Ein neues Trennbankensystem würde ihr nicht schaden, wohl aber dem Konkurrenten JP Morgan, der klassisches und Investment-Geschäft im Angebot hat. Das Ende des Dodd-Frank-Gesetzes würde Goldman Sachs zugleich von lästigen Regulierungen befreien. Das ist wenig überraschend, schließlich kommen einige von Trumps wichtigsten Beratern von Goldman Sachs: neben Finanzminister Mnuchin auch sein oberster Wirtschaftsberater Gary Cohn.

Wie sieht es in Deutschland aus? Hierzulande gibt es vor allem Mischbanken, mal mit mehr, mal mit weniger Investmentbanken-Anteil. Zudem wachen gleich mehrere Institutionen wie Finanzaufsicht (Bafin), Europäische Zentralbank und Bundesbank über die Geldhäuser. Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor in Hohenheim, hält folglich ein Trennbankensystem hier auch für unnötig. "In Deutschland haben wir nie ein Trennbanken-System gehabt und sind trotzdem gut durch die Krise gekommen", sagte er unserer Redaktion. Die stabilsten Banken seien breit aufgestellte Institute.

(anh)