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Köln/Amsterdam: Die Kaufhof-Mutter entdeckt die Niederlande

Köln/Amsterdam : Die Kaufhof-Mutter entdeckt die Niederlande

Für den Warenhauskonzern HBC sind die Niederlande ein Wachstumsmarkt. Deutschland soll aber nicht darunter leiden.

Seitdem Warenkreditversicherer ihre Garantielimits für Lieferanten von Galeria Kaufhof gesenkt haben, wird darüber spekuliert, ob sich das Kölner Warenhausunternehmen in einer schweren Krise befindet. Glaubt man Wolfgang Link, dem seit Mai amtierenden Europa-Chef der kanadischen Kaufhof-Mutter Hudson's Bay Company (HBC), kann von Alarmstimmung aber keine Rede sein. "Es gibt keine Unterbrechung der Warenversorgung. Wir sind im Gespräch mit allen Lieferanten und guter Dinge für das Weihnachtsgeschäft", sagte Link gestern anlässlich der für heute geplanten Eröffnung des ersten Hudson's-Bay-Warenhauses in den Niederlanden. Nach der Premiere in Amsterdam sollen im Nachbarland noch in diesem Monat neun weitere Hudson's-Häuser öffnen.

Der Nachbar gilt für die Kanadier offensichtlich als einer der Wachstumsmärkte in Europa. "Im niederländischen Einzelhandelsmarkt gibt es eine ungedeckte Nachfrage im Warenhausbereich", hat HBC-Chef Jerry Storch unlängst gesagt. Davon war in Deutschland bisher selten die Rede; im Gegenteil: Viele Branchenkenner halten das Modell für überholt. Davon will Link aber nichts wissen. In Deutschland werde weiterhin renoviert und modernisiert. Etwa 20 weitere Häuser sollen noch in diesem Jahr aufgehübscht werden, vor allem in Mittelstädten. Die Milliardeninvestitionen, die in Deutschland für einen Zeitraum von sieben bis fünf Jahren angekündigt worden waren, stehen demnach nicht in Frage.

Einen Kaufhof in den Niederlanden wird es allerdings nicht geben. Dort setzt HBC ganz auf Hudson's-Häuser und auf die Edel-Outlet-Kette Saks Off 5th, die in diesem Jahr in Deutschland fünf Standorte eröffnet hat (einen in Düsseldorf). In den Niederlanden startet die erste Saks-Filiale am Donnerstag in Rotterdam. Die neun weiteren Hudson's-Häuser, die im September eröffnet werden, stehen in Den Haag, Rotterdam, Leiden, Breda, Maastricht, Zwolle, Almere, 's-Hertogenbosch und Tilburg. Etwa 200 Millionen Euro an Investitionen seien bereits geflossen, sagt Link. Weitere 100 Millionen seien für fünf bis sechs weitere Hudson's- und Saks-Häuser geplant. Rund 2500 Arbeitsplätze sollen in den Niederlanden entstehen. Rund 1600 Stellen seien bereits besetzt, erklärt das Unternehmen.

Das klingt nach dem großen Wurf, während in Deutschland die Jobangst umgeht - ungeachtet der Aussagen von Link aus der vorigen Woche, als der Manager der "Welt" gesagt hat, kein Galeria-Kaufhof-Lieferant sei abgesprungen, mit allen seien Lösungen gefunden worden. Alle hätten versichert, "dass sie die gute Partnerschaft fortsetzen und ausbauen wollen, gerade im Hinblick auf unsere Expansion mit dem City-Outlet-Konzept Saks Off 5th und Hudson's Bay in den Niederlanden".

Genau da werden einige misstrauisch. Dass das Nachbarland den Lieferanten Wachstumspotenzial bietet, wie Link sagte, gilt der Chefetage als Indiz für die Stabilität der Beziehungen. Aber für manchen im Umfeld von Galeria Kaufhof ist das alles andere als beruhigend, weil dabei von Deutschland nicht die Rede ist. Sie verweisen darauf, dass Mieterhöhungen durch die HBC-Tochter HBS Properties (angeblich insgesamt 40 Millionen Euro), mit deren Hilfe Investitionen gestemmt werden sollen, das Unternehmen schwer belasten. Ruhe kehrt derzeit offensichtlich nicht ein.

(RP)