Wohin mit dem Geld?: "Die Inflation wird extrem steigen"

Wohin mit dem Geld? : "Die Inflation wird extrem steigen"

Der Vermögensverwalter Bert Flossbach sieht nur einen Weg aus der europäischen Schuldenkrise: Entschuldung durch Inflation. Seiner Meinung nach wird die Teuerungsrate auf bis zu zehn Prozent steigen. Die Bürger sollten nun in Gold, Immobilien und Aktien investieren.

Herr Flossbach, Sie zählen zu den führenden Vermögensverwaltern in Deutschland. Wie kann die europäische Schuldenkrise gelöst werden?

Flossbach Es gibt vier Möglichkeiten. Erstens: enormes Wirtschaftswachstum. Zweitens: eine radikale Haushaltssanierung in allen Ländern der Welt. Drittens: Alle überschuldeten Länder melden ihren Staatsbankrott. Viertens: Entschuldung über Inflation. Nur die vierte Möglichkeit ist realistisch.

Warum kommt es zu Inflation?

Flossbach Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds sind bereits dabei, Staatsanleihen aufzukaufen. Die Geldmenge im Euro-Raum wird dadurch ausgeweitet, also faktisch wird Geld gedruckt.

Die EZB könnte zwar ihre Zinsen erhöhen, um die Inflation einzudämmen. Das wird sie aber nicht tun, weil das die Wirtschaft strangulieren würde. Die EZB hat ihren Zins zuletzt bereits auf 1,25 Prozent gesenkt, obwohl die Inflation aktuell bei drei Prozent liegt. In normalen Zeiten würde das nicht zusammenpassen.

Wie hoch wird die Inflation sein?

Flossbach Eine Rate zwischen fünf bis zehn Prozent wäre sehr hilfreich. Denn durch Inflation steigt die nominale Wirtschaftsleistung, was die Staatsschuldenquote sinken lässt.

Hält die Währungsunion das aus?

Flossbach Ja. Sie könnte sogar einen Bankrott Griechenlands verkraften. Was sie nicht aushalten kann, ist die Pleite von Spanien und Italien.

Also wird die Euro-Zone nicht aus- einanderbrechen?

Flossbach Der Euro wird verteidigt bis zur letzten Patrone. Erst wenn Druck von der Bevölkerung kommt, wäre das Ende des Euro möglich.

Was sollten Anleger im Hinblick auf die kommende Inflation tun?

Flossbach Da die Zinsen extrem niedrig sind, können sie jetzt zu Anlagen greifen, die keine Zinsen abwerfen. Also Gold. Doch auch Aktien schützen vor Inflation und weisen zudem Dividendenrenditen auf, die zwei bis dreimal höher sind als die Verzinsung sicherer Anleihen. Allerdings sollten Anleger das Aktien-Risiko möglichst breit streuen und einen Korb erstklassiger Firmen aus verschiedenen Branchen kaufen. Finanztitel sollte man aussparen.

Hat sich beim Goldpreis nicht eine Blase entwickelt?

Flossbach Nein. Davon sind wir weit entfernt. Der Goldpreis ist in den letzten Monaten zwar stark gestiegen, hat aber zwischenzeitlich auch schon eine Korrektur erlebt. Eine Blase endet stets mit erratischen Kursgewinnen. Gold als Versicherung gegen Inflation ist immer noch vergleichsweise günstig. Es wird noch weiter nach oben gehen.

Ist nun die richtige Zeit, um ein neues Auto oder Immobilien zu kaufen?

Flossbach Grundsätzlich sollte jetzt ein hoher Anteil des Vermögens in Sachwerte investiert werden. Welche Anlagen das genau sind, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Was ist mit Staatsanleihen?

Flossbach Wir kaufen nur noch Anleihen mit kurzen Laufzeiten, um Geld zu parken. Denn auch in Zeiten von Inflation ist es wichtig, liquide und somit flexibel zu bleiben. Grundsätzlich werfen Bundesanleihen aber nur noch Mini-Renditen ab, die nur einen Bruchteil der Inflation ausmachen.

Sind die Anleihen anderer Staaten eine Alternative?

Flossbach Anleihen anderer Währungen, wie der Austral-Dollar oder die Norwegen-Krone, verbessern die Risikostreuung und werfen höhere Zinsen ab als Bundesanleihen.

Ist mein Sparbuch noch sicher?

Flossbach Ja, aber nur nominal. Wenn bei Inflation meine hundert Euro nur noch fünfzig wert sind und ich zehn Euro Zinsen bekommen habe, sind vierzig Euro verloren. Das Gleiche gilt für Anleihen. Generell wird die Inflation Sparer verarmen. Und damit auch Inhaber von Lebens- und Rentenversicherungen, weil die Versicherungen viel Vermögen in Anleihen investiert haben.

Sie zeichnen ein düsteres Szenario ...

Flossbach Es ist hart. Aber die Bürger müssen keine Sorge haben, dass sie Haus und Hof verlieren. Wichtig ist, dass sie sich darauf einstellen, dass die Inflation steigen wird.

Christin Nünemann stellte die Fragen.

(RP/pst/csr)