Die Hauptversammlung von RWE bestätigt: Der Ökoumbau muss schnell weitergehen.

Kommentar zur JHV : Der Ökoumbau ist Chance für RWE und Europa

RWE ist noch einer der umweltschädlichsten Konzerne Europas, jetzt will er umdenken. Das ist zu begrüßen. Aber auch die Politik muss mehr Tempo machen und eine stärkere Kooperation innerhalb Europas vorantreiben.

Wie sehr RWE beim ökologischen Umbau unter Druck steht, bestätigte die Hauptversammlung am 3. Mai: Kein Aktionär forderte, dauerhaft an der klimaschädlichen Verfeuerung von Kohle festzuhalten. Alle großen Investoren befürworteten, stärker in Wind- und Sonnenstromanlagen zu investieren und sich zumindest auf Dauer aus der Kohle zu verabschieden. Es gab auch Beifall für die „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer, die auf ein besonders schnelles Ende der Kohleverstromung bis 2030 drängt, obwohl die überparteilich zusammengesetzte Kohlekommission bisher nur 2038 als Ausstiegstermin anpeilt. Und vor der Halle demonstrierten hunderte Schüler und andere Bürger ebenfalls gegen den Konzern.

Was ist zu tun? RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hat recht damit, wenn er RWE zu einem der führenden Ökostrom-Anbieter in der Welt machen will. Der Konzern liegt auch richtig damit, wenn er auf zuverlässige Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa drängt: Die Politik muss endlich die Stromtrassen bauen lassen, um Windkraftstrom von der Nordsee nach Süddeutschland durchzuleiten. Wir brauchen einer europaweite, langsam ansteigenden Kohlendioxidsteuer, damit für alle Stromanbieter und andere Industrien gleiche Rahmenbedingungen gelten und damit neue Investitionen planbar werden. Auf Dauer sollten sich alle Industriestaaten an einem solchen Ökosteuerkonzept beteiligen.

Und wir brauchen stärkere internationale Kooperation: Die EU sollte den Bau von Stromtrassen fördern, damit Solarstrom aus Spanien, Italien oder Griechenland nach Norden kommt. Außerdem sollten Anlagen unterstützt werden, die mit zeitweise überschüssigem Solar- und Windstrom beispielsweise Benzin oder Methan produzieren. Damit könnten künftig Flugzeuge umweltfreundlich betrieben werden, Ökostrom ließe sich so indirekt speichern.

Damit könnte man die entscheidende Schwäche grüner Energien ausgleichen: Nämlich dass sie bisher nur schwer speicherbar sind. Technik kann das Klimaproblem lösen. Eine Kohlendioxidsteuer könnte ihren Einsatz indirekt vorantreiben.