Die Fusion von Renault und Fiat-Chrysler ist notwendig, um teure Investitionen bezahlen zu können. Doch für Ford ist die neue Stärke der Wettbewerber keine gute Nachricht.

Fusion : Autoriese mit Risiken

Renault und Fiat-Chrysler wollen fusionieren, um sich Invesitionen in die Zukunft besser leisten zu können. Das setzt die anderen Konzerne unter Druck. Ein Branchenexperte sieht neue Probleme für Ford in Köln.

Als die Börsenkurse der Autokonzerne Renault und Fiat-Chrysler am Montag rasant nach oben schnellen, macht der Börsen-Analyst Frank Schwope das, was aus seiner Sicht in dieser Situation geboten ist: Er rät zum Verkauf.

Nachdem die Fusionspläne der beiden bekannt wurden, ging es um mehr als 15 Prozent für den französischen Autoherstellers nach oben, mehr als zehn Prozent waren es zwischenzeitlich beim italienisch-amerikanischen Konkurrenten. Aber die Skepsis von Experten wie Schwope zeigt, dass Größe allein in der Branche keinen langfristigen Erfolg mehr garantiert. Im Gegenteil: Viele Zusammenschlüsse entstehen eher aus der Not heraus.

2017 kündigten die japanischen Hersteller Toyota und Suzuki an, enger kooperieren zu wollen. Auch Volkswagen gab zuletzt eine Kooperation mit Ford bei leichten Nutzfahrzeugen bekannt. Die deutschen Premiumhersteller BMW und Daimler legten ihre Carsharing-Dienste sogar gleich ganz in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen zusammen und wollen auch beim autonomen Fahren kooperieren. „Zusammen sind wir stärker“, sagte BMW-Chef Harald Krüger bei der Vorstellung der Pläne. Vor wenigen Jahren wäre ein solcher Satz undenkbar gewesen – und eine Kooperation mit dem Erzrivalen erst recht.

Doch die Zeiten haben sich geändert, die Unternehmen werden durch Trends wie die Digitalisierung und die zunehmende Dekarbonisierung unter Druck gesetzt: Autos müssen vernetzter und gleichzeitig sauberer werden, und noch ist nicht ausgemacht, dass weiterhin die gleichen Stückzahlen verkauft werden. „Angesichts der hohen Investitionskosten für Zukunftstechnologien wie das Autonome Fahren und die Elektromobilität macht eine Fusion oder eine enge Kooperation durchaus Sinn“, sagt Analyst Schwope: „Zumal Fiat-Chrysler im Bereich der Elektromobilität deutlich hinterherhinkt.“

Durch den Zusammenschluss würden Fiat-Chrysler und Renault zu einem der größten Hersteller der Welt aufsteigen. Mit Renaults japanischen Allianzpartnern Nissan und Mitsubishi könnte das neue Unternehmen sogar Volkswagen und Toyota von der Weltmarktspitze verdrängen. Das Gemeinschaftsunternehmen wäre auf jedem wichtigen Markt der Welt präsent.

Gleichzeitig ergibt sich aus Sicht der Manager erhebliches Einsparpotenzial. Nach eigenem Bekunden gehen die beiden Konzerne davon aus, ihre Kosten nach einem Zusammenschluss um jährlich fünf Millarden Euro senken zu können.

Der französische Staat, mit 15 Prozent größter Aktionär von Renault, reagierte positiv. Für Europa als Ganzes sei es gut, einen Industrie-Giganten zu haben. Ähnlich hatte die Regierung von Emmanuel Macron zuletzt auch einen Zusammenschluss der Zugsparten von Alstom und Siemens begrüßt, der dann an kartellrechtlichen Bedenken scheiterte.

Auch diesmal ist längst nicht klar, dass die Fusion zum Erfolg wird. Schon jetzt scheint klar, dass von den Gewerkschaften Widerstand zu erwarten ist, vor allem in Italien. Denn die meisten europäischen Werke von Fiat-Chrysler sind nur zur Hälfte ausgelastet. Stellenstreichungen könnten daher vor allem Italien treffen, Dessen Ministerpräsident, Matteo Salvini, betonte vorsorglich schon einmal die Wichtigkeit des Erhalts der Arbeitsplätze. Auch der Zusammenschluss des französischen Konzerns Peugeot PSA mit Opel hatte den Abbau von Stellen zur Folge.

Dies dürfte auch diesmal so kommen, wenn sich die beiden Parteien tatsächlich einigen. Denn speziell Fiat-Chrysler steht unter Druck. In den USA ist das Unternehmen zwar stark, in Europa schwächelt das Geschäft aber seit langem.

Doch gemeinsam mit Renault könnte Fiat-Chrysler in Europa wieder stärker angreifen – ein Problem gerade für Ford und dessen großes Werk in Köln. „Ford steht sowieso massiv unter Druck und kann mit dem Europageschäft nicht wirklich etwas anfangen“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte von der Universität Duisburg-Essen: „Nun drohen sie zwischen VW und dem neuen Riesen erst recht unter Druck zu geraten. Gerade für Ford in Köln ist die neue Fusion eine Hiobsbotschaft.“ Auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) macht sich Gedanken um Ford, wenn der neue Gigant stärker attackiert: „Das erhöht den Druck auf VW und auf Ford, neue Antworten zu finden.“ Er sagt aber auch: „Das könnte in Europa die Zusammenarbeit zwischen Ford und VW auch am Standort Köln befördern.“