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Die Folgen der Lockdown-Verlängerung für die Wirtschaft in NRW

Geschäfte müssen geschlossen bleiben : Lockdown-Verlängerung: Folgen für die Wirtschaft

Die Verlängerung des Lockdowns dürfte in der NRW-Wirtschaft laut einem Konjunkturforscher für eine Rezession sorgen. Handel und Gastronomie drängen auf schnelle Hilfen und hoffen auf eine Perspektive.

Die Umsatzzahlen des nordrhein-westfälischen Gastgewerbes im November sind ein Horror. Mehr als 65 Prozent Minus meldet die Branche für den vorletzten Monat des vergangenen Jahres, und man kann sich leicht ausmalen, dass die Zahlen danach ähnlich schlecht ausfallen. Die Mitgliedsunternehmen des Branchenverbandes Dehoga NRW weisen sogar einen Rückgang von 76 Prozent aus – und jetzt wird der Lockdown, der ohnehin schon bis Ende Januar gedauert hätte, noch einmal um mindestens zwei Wochen verlängert. Wer weiß schon, ob danach wirklich Schluss ist mit den Beschränkungen im Handel, in der Gastronomie, beim Arbeiten?

Umso wichtiger ist aus Sicht der Branchen der wiederholte Ruf nach Besserung bei den Hilfsangeboten. „Wir freuen wir uns darüber, dass jetzt auch auf Bundesebene unter Einbeziehung der Länder das Ziel formuliert wurde, mit ausreichend Vorlauf ein Konzept für eine sichere und gerechte Öffnungsstrategie zu erstellen“, sagte Dehoga-NRW-Präsident Bernd Niemeier unserer Redaktion. Begrüßenswert seien zudem die Vorschläge, die Überbrückungshilfe III neu aufs Gleis zu setzen. „Und dass die Insolvenzantragspflicht bis Ende April ausgesetzt bleibt, ist eine ebenso erfreuliche wie logische Konsequenz“, so Niemeier. Auch wenn die Impfung der Gesamtbevölkerung mit Sicherheit die wichtigste Maßnahme sei, wünsche er sich mehr „digitales“ Engagement zur Pandemie-Bekämpfung wie QR-Tracking-Apps. „Von der Digitalisierung der Gesundheitsämter einmal ganz zu schweigen“, so Niemeier.

Die Gastronomen hoffen wie die Modebranche darauf, dass die Politik ein bisschen Licht am Ende des Tunnels entstehen lässt. „Wir gehen davon aus, dass die geplante Arbeitsgruppe auch für unsere Branche eine Perspektive entwickelt, wann und zu welchen Bedingungen wir wieder öffnen dürfen“, sagt Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des Textilverbandes BTE.

Noch einmal mindestens zwei Wochen ohne jedes stationäre Kundengeschäft sind für die Betriebe ein Schreckensszenario. Aber immerhin soll der Handel nicht mehr auf den Kosten für Saisonware (Winterkleidung, Weihnachtsartikel und anderes) sitzen bleiben, die wegen der Zwangsschließungen gar nicht oder nur mit hohen Rabatten verkaufbar ist. Abschreibungen auf solche Artikel können laut Neufassung der Überbrückungshilfe III zu 100 Prozent als Fixkosten angesetzt werden. Allerdings gilt das nur für Unternehmen, die 2019 noch Gewinn und erst im vergangenen Jahr Verluste gemacht haben und die direkt von Schließungsanordnungen betroffen waren.

Unter dem Strich sind zwei weitere Wochen Zwangsschließung ökonomisch ein Desaster. Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen erwartet, dass der verlängerte Lockdown die NRW-Wirtschaft in eine Rezession stürzt. „Durch die steigenden Mehrwertsteuersätze und den verschärften Lockdown wurde der Handel zu Beginn des Jahres doppelt getroffen. Die Verlängerung dürfte nun bundesweit zu einem spürbaren Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal führen“, sagte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des RWI. Da die Wirtschaftsleistung bereits Ende 2020 geschrumpft sei, könne man von einer leichten Rezession sprechen. Immerhin: „Die zuletzt wieder gestiegenen Geschäftserwartungen der NRW-Industrieunternehmen deuten darauf hin, dass der zu erwartende Rückschlag begrenzt bleiben dürfte.“ Wie viele Arbeitsplätze in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft wegfielen, hänge davon ab, ob die versprochenen Hilfen schneller und verlässlicher bei den Unternehmen ankämen, so Schmidt.

Auch die Friseure müssen weiter geschlossen bleiben. Doch viele können das nicht mehr lange durchhalten. „Viele betroffene Betriebe haben ihre Rücklagen trotz Krisenhilfen bald aufgebraucht. Wer durchhalten soll, braucht von der Politik jetzt eine verlässliche Perspektive, wann und unter welchen Bedingungen es weitergehen kann“, forderte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. Zwar seien die Zahlungen für die Novemberhilfe endlich in Gang gekommen. „Aber wir brauchen eine deutliche Vereinfachung und Beschleunigung der Hilfen – am besten über steuerrechtliche Lösungen wie bessere Verlustrückträge oder Verzicht auf Vorauszahlungen der Mehrwertsteuer“, sagte Ehlert. Viele Betriebe fielen einfach durch den Rost der Krisenhilfen, kritisierte der Handwerks-Präsident. Eine Ausweitung des Homeoffice sollte nur freiwillig erfolgen: „Wo es geht, soll man es anbieten – aber ohne staatlichen Zwang“, so Ehlert weiter.