Wirtschaftsleistung stärker eingebrochen als erwartet: Die deutsche Wirtschaft schrumpft

Wirtschaftsleistung stärker eingebrochen als erwartet : Die deutsche Wirtschaft schrumpft

Die Wirtschaftsleistung ist Ende vergangenen Jahres stärker eingebrochen als bisher angenommen. Doch Volkswirte erwarten bereits im laufenden ersten Quartal wieder Wachstum. Die Beschäftigungslage bleibt im Jahr 2013 stabil.

Die deutsche Wirtschaft hat in den letzten drei Monaten 2012 einen Dämpfer erlitten. Die Wirtschaftsleistung ist nach neuen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im vierten Quartal deutlich um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Dies war der stärkste Rückgang seit Anfang 2009. In einer ersten, vorläufigen Rechnung hatten die Statistiker den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 0,5 Prozent geschätzt. Die schwache deutsche Leistung vertiefte die Rezession in der Euro-Zone: Auch der Währungsraum insgesamt schrumpfte um 0,6 Prozent.

Deutschlands Wirtschaft, die sich bis dahin trotz der europäischen Staatsschuldenkrise erstaunlich robust gezeigt hatte, konnte sich der Rezession im übrigen Europa seit Oktober nicht mehr entziehen. Aus Angst vor den Folgen der Krise hielten sich die deutschen Konsumenten mit Einkäufen zurück. Vor allem aber nahmen die Investitionen der Unternehmen ab. Im laufenden ersten Quartal 2013 zeigen die Konjunkturzeichen aber schon wieder nach oben: Die Euro-Krise ist merklich abgeebbt und die Weltkonjunktur hat Fahrt aufgenommen.

Die Volkswirte der Banken kommentierten die Zahlen denn auch mit verhaltenem Optimismus. "Der Tiefpunkt der Konjunktur war wahrscheinlich schon im Oktober. Es wird noch ein bisschen dauern, die Wachstumsdelle aufzuholen. Aber wir erwarten eine Erholung der Konjunktur in der ,V'-Form: Schwaches viertes Quartal, starkes erstes Quartal", sagte Christian Schulz von der Berenberg-Bank. "Das ist eine vorübergehende Schwächephase der deutschen Wirtschaft und nicht der Beginn einer langen Flaute oder gar einer Rezession", sagte auch Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der Bank Unicredit. "Ich erwarte bereits im ersten Quartal wieder ein merkliches Wirtschaftswachstum", ergänzte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer.

Für das Gesamtjahr 2013 prognostiziert Krämer ein deutsches Wachstum von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Seine Vorhersage würde noch besser ausfallen, wenn nicht das letzte Vierteljahr 2012 so schlecht gewesen wäre. Die Bundesregierung hatte ihre Prognose im Januar von 1,0 auf 0,4 Prozent gesenkt. Die jüngsten Stimmungsumfragen in der Wirtschaft deuten aber darauf hin, dass die Rücknahme der Regierungsprognose voreilig war: Es dürfte tatsächlich etwas besser laufen als von Berlin unterstellt.

Darauf ließ zu Wochenbeginn auch die Frühjahrsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) schließen. Die Dachorganisation der 80 Industrie- und Handelskammern hat insgesamt 28 000 Antworten von Unternehmen ausgewertet, die zwischen Mitte Dezember und Ende Januar eingingen. Demnach hat sich die Geschäftslage wieder stabilisiert, die Erwartungen der Unternehmen haben sich spürbar aufgehellt. Der Investitionsrückgang sei gestoppt, im Export kehre die Zuversicht zurück, so der DIHK.

Im Gesamtjahr sei mit einem Zuwachs von 150 000 Jobs zu rechnen. In der Industrie sei per Saldo kaum mit Jobeinbußen zu rechnen, allerdings käme es bei konsumorientierten Branchen wie den Möbel- und den Kfz-Herstellern zu merklichem Personalabbau. Auch Einzelhandel und Bauwirtschaft blieben zurückhaltend.

Dagegen würden im Gesundheitswesen und bei Dienstleistern Stellen neu geschaffen, vor allem bei den IT-Dienstleistern. Gute Jobchancen gebe es auch in der Freizeitwirtschaft, im Gastgewerbe, bei Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und der Wohnungswirtschaft. Zeitarbeit habe wegen der höheren Lohnzuschläge bei längeren Einsatzzeiten an Attraktivität verloren.

(mar)
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