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Die Börse straft die Deutsche Bank a

Quartalsergebnis : Die Börse straft die Deutsche Bank ab

Der Aktienkurs fällt am Mittwoch trotz des fünften Quartalsgewinns in Folge um fast sieben Prozent. Den Anlegern fehlt offenbar das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Strategie des Konzerns.

So manches Mal hat die Deutsche Bank in den vergangenen beiden Jahrzehnten die Hoffnungen von Investoren enttäuscht. Die Strategie wechselte häufig, die Abhängigkeit vom ertragsstarken, aber risikoreichen Investmentbanking blieb; der von den früheren Führungskräften Anshu Jain, Jürgen Fitschen und John Cryan beschworene Kulturwandel in der Nach-Ackermann-Ära drang nie vollständig durch.

Das hat Vertrauen vernichtet, und darunter leidet die Bank immer noch. Vermutlich ist es unter anderem dieser Tatsache zuzuschreiben, dass das größte deutsche Geldhaus am Mittwoch trotz des fünften Quartalsgewinns in Folge der große Verlierer im Deutschen Aktienindex (Dax) war.

Fast sieben Prozent verlor das Papier bis Börsenschluss. Den Voraussagen der Bank vertrauen die Börsianer offenbar nicht uneingeschränkt. Was aber nicht nur mit den Nachwehen der Vergangenheit zu tun hat, sondern auch damit, dass die Kosten im zweiten Quartal nicht in dem Ausmaß gesunken sind, wie sich die Anleger das gewünscht hätten. Um dabei das Tempo zu erhöhen, will die Deutsche Bank unter anderem die Filialschließungen bei der Postbank beschleunigen. Bis Ende 2023 soll die Zahl der Geschäftsstellen von etwa 750 auf etwa 550 sinken. Offensichtlich hat sich die Deutsche Bank mit dem früheren Postbank-Eigentümer Deutsche Post darauf geeinigt, schneller Niederlassungen aufzugeben als bisher. Der alte Vertrag mit der Post deckelte die Zahl der Filialschließungen nämlich auf höchstens 50 pro Jahr. Wie viele Arbeitsplätze jetzt in den Postbank-Filialen zusätzlich wegfallen sollen, will die Bank noch nicht sagen. Von etwa 300 ist die Rede. Bei den Niederlassungen der Deutschen Bank selbst bleibt es dabei, dass die Zahl bis zum Jahresende auf 400 schrumpfen soll.

Abseits des Kursverlustes könnten die Eigentümer der Bank mit den Zahlen des dritten Quartals eigentlich zufrieden sein. In den ersten neun Monaten hat der Konzern fast 1,8 Milliarden Euro verdient. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr lag der Gewinn bei 113 Millionen Euro – und das war das erste positive Ergebnis nach fünf Verlustjahren gewesen. Der operative Gewinn ist zwischen Juli und September um 15 Prozent auf etwa 554 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis hätte noch besser ausfallen können, wenn es nicht das Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem April über ungerechtfertigte Gebührenerhöhungen bei Banken und Sparkassen gegeben hätte. Diese Entscheidung hat die Bank im dritten Quartal etwa 98 Millionen Euro gekostet und für die ersten neun Monate des Jahres rund 324 Millionen Euro. Davon entfallen 192 Millionen Euro auf entgangene Einnahmen und weitere 132 Millionen Euro auf Rückstellungen, die die Bank für etwaige Rückforderungen von Kunden gebildet hat.

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Dazu kommt der Umbau des Unternehmens, der im bisherigen Jahresverlauf etwa 800 Millionen Euro verschlungen hat. „90 Prozent der gesamten bis Ende 2022 erwarteten Transformationseffekte sind nun vollständig berücksichtigt. Die Deutsche Bank bekräftigte ihre Absicht, die meisten der verbleibenden Transformationseffekte bis Ende 2021 zu erfassen“, teilte das Kreditinstitut am Mittwoch mit. Die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern lag Ende September bei 84.512 und damit um knapp 2500 niedriger als ein Jahr zuvor. Zudem profitiert die Bank davon, dass die Risikovorsorge für 2021 deutlich geringer ausfällt als für 2020. Bisher ist sie gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Prozent auf rund 261 Millionen Euro gesunken.

„Im dritten Quartal haben wir erneut die operative Stärke unseres Geschäfts unter Beweis gestellt und sind zuversichtlich, die Ziele der Deutschen Bank für 2022 zu erreichen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing. Das müssen ihm jetzt nur noch die Analysten abkaufen.