1. Wirtschaft

Die Bahn will weiterhin Ungeimpfte und Ungetestete in die Züge lassen

Auslastung geht wieder deutlich hoch : Die Bahn sucht ihren Weg aus der Verlustzone

Die Passagierzahlen steigen wieder etwas. Der Vorstand lehnt aber ab, nur Geimpfte, Getestete und Genesene mitfahren zu lassen. Er hält das Zugfahren für sicher - mit FFP2-Maske.

Die Deutsche Bahn (DB) steckt zwar tief im Minus, sieht für sich das Schlimmste in der Corona-Krise überwunden. Nachdem die Passagierzahlen ab Frühjahr 2020 massiv eingebrochen waren, gehe es nun langsam aufwärts: Die Auslastung von IC- und ICE-Zügen sei im zweiten Quartal wieder auf rund 40 Prozent gestiegen, nachdem sie zeitweise deutlich unter 20 Prozent gelegen habe. Das sagte Vorstandschef Richard Lutz bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Donnerstag. 2019 lag die Auslastung noch bei mehr als 50 Prozent.

2022 hofft der DB-Konzern nun wieder auf schwarze Zahlen im operativen Geschäft, nachdem für dieses Jahr voraussichtlich rund zwei Milliarden Euro an Verlust eingefahren werden. Alleine im ersten Halbjahr verbuchte das Unternehmen dabei 1,4 Milliarden Euro an operativem Minus, es wird also mit einem deutlich besseren zweiten Halbjahr gerechnet. „Wir sind gewappnet für mehr Reisende und Wachstum, die Züge sind wieder gut gefüllt“, sagte Lutz. Die Bahn plane zudem 20.000 Neueinstellungen dieses Jahr. Und um den Zustrom der Reisenden nicht zu bremsen, wird es dabei bleiben, dass es keine Pflicht für Fahrgäste gibt, dass sie entweder geimpft, genesen oder getestet sein müssen, bevor sie einsteigen dürfen. Eine solche Regelung hat Frankreich eben erst im Fernverkehr eingeführt. Die DB will nicht nachziehen, hält aber an der Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken in Zügen fest. Lutz: „Wir haben keine Veranlassung das zu ändern. Wir haben alles getan, damit Bahnfahren sicher bleibt.“

Lutz und DB-Finanzvorstand Levin Holle betonten am Donnerstag, der Konzern halte an seiner ambitionierten Investionsplanung fest. Im ersten Halbjahr wurden 5,6 Milliarden Euro investiert, ebenso viel wie im ersten Halbjahr 2020. Ziel sei, den Verkehrssektor klimafreundlicher zu machen. „Wir machen noch mehr Tempo für nachhaltige Mobilität und Logistik“, sagte Lutz. Er ergänzte: „Das verheerende Hochwasser hat uns einmal mehr bewusst gemacht, wie gravierend die Folgen des Klimawandels bereits sind. Deshalb ist die Schiene wichtiger denn je für eine nachhaltige Entwicklung.“

Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,2 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro. Dabei hilft auch, dass die Bundesländer – und mit ihnen NRW – sehr hohe Zuschüsse geben, damit S-Bahnen und Regionalbahnen fast genauso oft fahren wie vor der Pandemie, obwohl die Fahrgastzahlen um zeitweise mehr als 80 Prozent eingebrochen sind.

Zwischen Januar und Ende Juni nutzten in ganz Deutschland 480 Milllionen Menschen die Züge der DB, im Vorjahreszeitraum waren es wegen der pandemiefreien Monate zu Jahresbeginn 2020 noch 663 Millionen Menschen, im ersten Halbjahr 2019 waren sogar noch mehr als eine Milliarde Fahrgäste zusammengekommen. Die Pünktlichkeit sank im ersten Halbjahr auf 79,5 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei 83,5 Prozent.

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Der Staatskonzern sah sich bis zur Pandemie auf der absoluten Gewinnerstraße – ein Weg, der nun neu aufgenommen werden soll. Dabei wehrt sich der Vorstand massiv gegen die Möglichkeit, dass die künftige Bundesregierung den Betrieb der Trassen komplett vom Unternehmen abtrennen könne, um so mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Insbesondere die FDP drängt auf einen solchen Schritt. Lutz ist dagegen überzeugt, es sei besser für die Kunden, wenn Fahrbetrieb und Ausbau der Strecken integriert seien. „Alle als kundenfreundlich bekannten Eisenbahnkonzerne der Welt sind integriert. Es gibt keinen Grund für einen deutschen Sonderweg.“ Frankreich habe Fahrbetrieb und Kontrolle der Strecken wieder zusammengeführt, auch in der Schweiz würde alles gemeinsam gemanagt.

Eine Absage erteilte Lutz auch der Idee, die Spedition Schenker zu verkaufen. Sie sei eine Perle im Konzern, sie hatte mit einem Rekordgewinn von 630 Millionen Euro im ersten Halbjahr stark geholfen,die roten Zahlen zu begrenzen, der Vorstand schließt Zukäufe nicht aus: „Schenker soll weiter wachsen.“

An den parallel weiter wachsenden Schulden des Unternehmens ändert dieser kleine Erfolg nichts. Aktuell hat die Bahn 32 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten. Eigentlich sollten die Nettofinanzschulden bis Ende dieses Jahr unter 30 Milliarden Euro gedrückt werden, doch das klappt nicht: Die Corona-Hilfen des Bundes fließen später als erwartet, also wird der Schuldenstand Ende des Jahres wohl bei rund 31 Milliarden Euro liegen.

Dabei hat die Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz die Lage verschlimmert: Der dadurch entstandene Schaden für die Bahn liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro, erklärt der Vorstand. Lutz will künftig mehr in die Vorsorge gegen solche Ereignisse investieren.