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Brüssel: Die Angst vor Athens Pleite geht um

Brüssel : Die Angst vor Athens Pleite geht um

750 Millionen für den Währungsfonds hat Griechenland zusammengekratzt. Reformen will es weiter nicht einleiten. Nun spielen die Geldgeber Szenarien für ein Ende mit Schrecken durch. Schäuble setzt auf eine Volksabstimmung.

An den Börsen wächst die Angst vor einer Staatspleite. Der Zins, den Griechenland für zweijährige Anleihen zahlen muss, kletterte gestern über 20 Prozent. Die Aktien gaben in Europa nach. Heute müssen 750 Millionen Euro beim Internationalen Währungsfonds eingehen. Griechenland erklärte gestern, die Summe angewiesen zu haben. Irgendwie hat Finanzminister Gianis Varoufakis das Geld zusammenbekommen. Doch bald stehen weitere Zahltage an. Beim Treffen der Euro-Finanzminister gestern gab es keinen Durchbruch in den Verhandlungen um neue Geldspritzen. Am Ende stand eine dürre Erklärung, in der die Euro-Gruppe mehr Anstrengungen forderte, um im Gegenzug die in Athen sehnlichst erwartete Hilfszahlung von 7,2 Milliarden Euro auszuzahlen. Parallel spielen die Geldgeber mehrere Szenarien für eine Ende durch.

Kurze Staatspleite Wenn die Kasse im Juni oder Juli leer ist und Griechenland eine Rückzahlung an Investoren schuldig bleibt, wäre das Land pleite. Es würde Pensionen und Gehälter für die Staatsdiener sowie Renten mit Schuldscheinen bezahlen. Damit wäre faktisch eine Parallelwährung eingeführt, diese würde dramtisch an Wert verlieren, die Griechen würden Banken stürmen. Der frühere griechische Ehrenbotschafter Jorgo Chatzimarkakis hält das für möglich. "Es sieht so aus, als seien sowohl die griechische Regierung als auch die Euro-Gruppe bereit, die Sache bis zum Letzten zu eskalieren, für eine radikale Kehrtwende gibt es im griechischen Parlament keine Mehrheit", sagte Chatzimarkakis unserer Zeitung. "So gleitet Griechenland in eine sehr schwierige Situation mit einer Parallelwährung. Der Staat wird Schuldscheine ausgeben müssen, um seine Beamten zu bezahlen."

Im günstigen Fall würde die griechisch Regierung unter dem Druck der Bevölkerung einlenken und doch noch Reform-Zugeständnisse an die Geldgeber machen, Griechenland könne im Euro bleiben.

Lange Staatspleite Im ungünstigen Fall würden die Gläubiger den Zahlungsausfall feststellen. Dann müsste die Europäische Zentralbank die Vergabe von Notkrediten an die griechischen Banken einstellen. Das Bankensystem würde kollabieren. Griechenland wäre von der Euro-Versorgung abgeschnitten. Das Land würde in Rezession und Chaos versinken.

Brückenfinanzierung Besser wäre es, wenn es nicht so weit kommt und Athen sich mit den Geldgebern auf eine Brückenfinanzierung einigt. Diskutiert wird in Berlin weniger über ein drittes Hilfspaket als über die Verlängerung des zweiten Pakets, das Ende Juni ausläuft. Wenn die Euro-Gruppe zu ihrer Sitzung am 15. und 16. Juni zusammenkommt, könnte sie das Paket bis Jahresende verlängern. Bestandteil war ursprünglich eine Summe von 10,8 Milliarden Euro zur Rettung griechischer Banken, die aber nicht genutzt wurde und an den Bankenrettungsfonds zurückgeflossen ist. Dieses Geld könnte nun erneut ins Spiel kommen, umgewidmet und zur Finanzierung von fälligen Kreditraten genutzt werden. Eine Mehrheit im Bundestag hierfür wäre wahrscheinlicher, weil die Koalition der Freigabe der Mittel ja schon einmal zugestimmt hatte.

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Insgesamt aber wächst der Frust. Die Kanzlerin habe versichert, Griechenland im Euro halten zu wollen, hieß es in der Unionsfraktion. Doch nur "unter verantwortbaren Konditionen", wie Bundesfinanzminister Schäuble erklärte. Zugleich nannte er das von Premier Alexis Tsipras ins Spiel gebrachte Referendum "vielleicht sogar eine richtige Maßnahme, das griechische Volk entscheiden zu lassen." Vor vier Jahren war der damalige Ministerpräsident Papandreou mit dem Ruf nach einer Volksabstimmung noch auf deutschen Widerstand gestoßen. Damals gab es (anders als heute) ein fertig verhandeltes Reformpaket. Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem lehnte ein Referendum gestern jedoch ab. Dies führe nur zu Verzögerungen, Athen habe keine Zeit.

(mar)