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Paris: Dexia – ein Fall wie die HRE

Paris : Dexia – ein Fall wie die HRE

Fieberhaft ringen die Regierungen in Frankreich und Belgien um eine Lösung für die taumelnde Bank Dexia. Morgen soll Insidern zufolge der Verwaltungsrat über die Pläne der beiden Haupteigner entscheiden. "Dexia kann in ihrer jetzigen Form nicht bestehen bleiben, das ist unstrittig", hatte Frankreichs Wirtschaftsminister François Baroin am Dienstag eingeräumt, als ihm angesichts der allgemeinen Panik an den Märkten und dem massiven Einbruch der Dexia-Aktie auch nichts anderes übrig blieb, als Klartext zu reden. Gleichzeitig versicherte Baroin allerdings, das Kredithaus werde nicht fallengelassen.

Während Brüssel angeblich auf eine Verstaatlichung des belgischen Konzernteils setzt, prüft Paris das Einspringen der französischen Staatsbanken Caisse des Dépots (CDC) und der Postbank. Neben der Aufspaltung ist auch die Schaffung einer "Bad Bank" im Gespräch, in die Risiko-Papiere und faule Kredite von etwa 95 Milliarden Euro ausgelagert und mit Staatsgarantien aus Frankreich und Belgien abgesichert werden könnten. Filetstücke wie die türkische Denizbank sollen dagegen verkauft werden. Auch die Privatbank-Tochter in Luxemburg steht zur Disposition.

Dexia ist vollgepumpt mit problematischen Wertpapieren – Staatsanleihen aus südeuropäischen Schuldenstaaten wie Griechenland und Italien sowie Darlehen für französische Kommunen. Anders als in Belgien hat die Bank in Frankreich keine einzige Filiale, ist aber der größte Kreditgeber der französischen Gemeinden, Städte und Regionen. Einige Kommunen sind inzwischen überschuldet und haben Dexia deswegen verklagt: Die Bank soll sie mit zunächst niedrigen Zinsen zur Kreditaufnahme gelockt, aber verschwiegen haben, dass diese variabel oder an den Kurs des Schweizer Franken gebunden waren – was die Kosten enorm nach oben trieb.

Dexia ist mit der deutschen Hypo Real Estate vergleichbar: Die Bank wollte sich kurzfristig und günstig Geld am Markt aufnehmen, um langfristig und teuer die Gemeinden zu finanzieren. Weil dies zunächst hervorragend funktionierte, expandierte das Institut und ging auf weltweite Einkaufstour. Doch Dexia verzockte sich. 2008, im Zuge der Finanzkrise, ging die Bank schon einmal fast pleite und konnte nur mit einem 6,4 Milliarden Euro schweren Hilfsplan gerettet werden.

(RP)