Schwächelnde Wirtschaft Deutscher Einzelhandel schneidet überraschend schlecht ab

Berlin · Ökonomen rechneten eigentlich mit einem Wachstum, doch nun fiel der Umsatz im Juli niedriger aus als im Vormonat. Der deutsche Einzelhandel startet schwach in die zweite Jahreshälfte. Gründe dafür gibt es mehrere.

Prozente in einem Schuhgeschäft in Köln (Symbolfoto).

Prozente in einem Schuhgeschäft in Köln (Symbolfoto).

Foto: dpa/Thomas Banneyer

Die deutschen Einzelhändler haben einen unerwarteten Fehlstart ins zweite Halbjahr hingelegt. Ihr Umsatz fiel im Juli um 0,8 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Inflationsbereinigt (real) gab es ebenfalls einen Rückgang in dieser Höhe. Das kommt überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet. In den ersten sieben Monaten des Jahres setzten die Einzelhändler zwar 3,8 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum, real gab es allerdings einen kräftigen Rückgang von 4,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Kunden zwar weniger gekauft haben, aber deutlich mehr Geld dafür ausgeben mussten.

„Angesichts der schlechten Konsumlaune ist eine rasche Wende zum Besseren nicht in Sicht“, kommentierte Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank die Entwicklung. „Der private Verbrauch bleibt ein konjunkturelles Sorgenkind.“ Die GfK-Konsumforscher sagen für September einen Rückgang ihres Barometers um 0,9 auf minus 25,5 Punkte voraus. „Anhaltend hohe Inflationsraten, vor allem für Lebensmittel und Energie, sorgen dafür, dass das Konsumklima derzeit nicht vorankommt“, prophezeit GfK-Experte Rolf Bürkl. Aktuell liegt die Teuerungsrate bei 6,1 Prozent. Immerhin: Auch wegen der Inflationsausgleichsprämien sind die Reallöhne der Arbeitnehmer im Frühjahr erstmals seit zwei Jahren gestiegen, wenn auch nur um 0,1 Prozent.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Energie- und Nahrungsmittelpreisschock nach der russischen Invasion in die Ukraine immer noch die deutsche Wirtschaft im Würgegriff hat“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. In den kommenden Monaten sei aber mit einer allmählichen Erholung des Privatkonsums zu rechnen. „Stärker steigende Löhne, die Auszahlung weiterer steuer- und abgabenfreier Inflationsausgleichsprämien bei zurückgehender Inflation stärken dann die real verfügbaren Einkommen, sodass die Menschen wieder etwas ausgabefreudiger werden dürften“ sagte Dullien.

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln wuchs im Juli real um 2,0 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Tiefststand im Dezember 2022 lagen die Umsätze sogar um 4,4 Prozent höher. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher kauften also wieder etwas mehr Lebensmittel als zum Jahresende 2022“, so die Statistiker. „Eine Ursache dafür dürfte sein, dass die Nahrungsmittelpreise seit März 2023 im Vormonatsvergleich leicht rückläufig waren.“

(clv/reuters)