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Deutsche Wohnen verdrängt Lufthansa aus dem Dax

Deutscher Aktienindex : Deutsche Wohnen verdrängt Lufthansa

Das Gründungsmitglied des Dax steigt wie erwartet in die zweite Börsen-Liga ab. An die Stelle der größten deutschen Fluggesellschaft rückt ein Wohnungskonzern, um den sich häufig Fusionsspekulationen ranken.

Der Dax ist im steten Wandel, und dabei trifft es auch die Gründungsmitglieder. Nach Commerzbank und ThyssenKrupp hat es nun die Lufthansa getroffen. Sie fliegt zum 22. Juni aus dem Index. Für sie steigt die Deutsche Wohnen auf.

Wer nun geglaubt hat, das würde den Aktienkurs des Neulings noch mal grandios pushen und den der Lufthansa abstürzen lassen – weit gefehlt. Die Deutsche Wohnen kam nur auf ein Plus von 0,9 Prozent, die Lufthansa-Aktie verteuerte sich um knapp zwei Prozent. Eine Erklärung: Der Wechsel im Dax war erwartet, mithin in den Kursen eingepreist, wie Börsianer sagen. Bei der Deutschen Wohnen kommt hinzu, dass sie wegen des Berliner Mietendeckels im November Tausende Mieten in der Hauptstadt senken muss, was durchaus Abschreckungspotenzial für Investoren haben könnte und so den Schwung an der Börse bremst.

Gleichzeitig verspricht Konzern chef Michael Zahn den Aktionären Wachstum für das Berliner Unternehmen, das mit mehr als 160.000 Wohnungen zu den Großen seines Genres gehört – allerdings mit gehörigem Abstand zum Bochumer Branchenführer Vonovia (mehr als 400.000 Wohnungen), der den Rivalen vor einigen Jahren auch schon mal übernehmen wollte. Seither ranken sich mit schöner Regelmäßigkeit Übernahmespekulationen um die beiden.

Ob daraus was wird, bleibt vorerst offen. Erstmal sind beide im Dax, und die Lufthansa ist raus. Nach den üblichen Regeln: Die Zusammensetzung des Dax wird alle drei Monate überprüft; fällt ein Unternehmen nach bei einem der beiden Kriterien Börsenumsatz und Marktkapitalisierung hinter Platz 45 zurück, dann muss es den Index verlassen- solange es ein anderes Nicht-Dax-Mitglied gibt, das auf Rang 35 oder besser notiert.

Die Lufthansa war von Anfang an dabei. Doch in den vergangenen Monaten ist ihr Aktienkurs trotz der jüngsten Aufholjagd so stark gesunken, dass sie vom Marktwert nicht mehr zu den 45 größten in Deutschland notierten Aktiengesellschaften gehört. Am Donnerstagabend lag die Marktkapitalisierung bei knapp fünf Milliarden Euro.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr trägt den Abstieg des Unternehmens angesichts der aktuellen Herausforderungen in der Corona-Krise mit Fassung. Weh tue der Abstieg in dem M-Dax dennoch. Der Abstieg gilt vor allem als Verlust an Reputation und löst oft Kursverluste aus, weil Fonds sich am Index ausrichten und daher Aufsteiger kaufen und Absteiger verkaufen müssen.Statt zu sinken ist der Kurs der Lufthansa-Aktie in den letzten Tagen aber gestiegen, weil er wie andere Luftfahrtaktien von einer allmählichen Lockerung der Reisebeschränkungen profitiert. Andererseits hatten viele Anleger auf fallende Kurse gesetzt. Sie mussten nun Aktien nachkaufen.

Das wichtigste deutsche Aktienbarometer habe sich seit seiner Gründung am 1. Juli 1988 angepasst, meint Christoph Berger von Allianz Global Investors. Reine Technologieunternehmen seien zwar nur zu etwa sieben Prozent im Dax-30 vertreten, sagt auch Joachim Schallmayer, Kapitalmarktexperte der Deka. Die deutsche Wirtschaft sei ohnehin stärker von den Industrie- und den Autounternehmen geprägt. Der Wandel zur Technologie finde innerhalb dieser Unternehmen statt. Der Dax sei zwar nicht ein genaues Spiegelbild der deutschen Wirtschaft, die ja ohnehin stark mittelständisch geprägt sei. „Aber die Dax-Unternehmen sind immer noch globale Unternehmen, die in der ersten Liga mitspielen“, sagt der Experte.