Deutsche Wirtschaft entgeht der Rezession

Konjunktur : Wirtschaft entgeht der Rezession

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommerquartal leicht gewachsen – entgegen der meisten Erwartungen. Damit ist sie knapp an einer „technischen Rezession“ vorbei geschrammt. Für Freudensprünge aber gibt es noch keinen Grund.

Im dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,1 Prozent leicht gestiegen – eine gute Nachricht, die meisten Ökonomen hatten wegen des wirtschaftlichen Gegenwindes eher mit einem Rückgang gerechnet. Damit ist Deutschland dem Schreckgespenst einer Rezession  entgangen.

Von dieser sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaft eines Landes in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. Im zweiten Quartal war das BIP um 0,2 Prozent zurückgegangen. „Damit steht fest: Wir haben keine Rezession, auch keine technische Rezession“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Für das Gesamtjahr rechnen Experten und Forschungsinstitute nun mit einem Wachstum von 0,5 Prozent.

„Die heutigen Zahlen sind kein Grund zur Selbstzufriedenheit“, warnte jedoch ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. „Für Deutschlands Wohlergehen ist es unerheblich, ob das Quartalswachstum einen Hauch unter oder über der Nulllinie liegt. Sorgen muss vielmehr bereiten, dass die längerfristige Wachstumsperspektive Deutschlands absinkt“.

Sorgen bereitet ihm vor allem die Industrie. Neben der Autoindustrie leiden auch andere Schlüsselbranchen unter Auftragseinbrüchen. So rechnet etwa der Verband der Chemischen Industrie für  2019 mit einem Produktionsrückgang von sechs Prozent. Auch bei den Maschinenbauern stockt es. Beide Branchen leiden vor allem unter der Flaute in der Autoindustrie.

Zwar legten die Exporte hiesiger Unternehmen im letzten Quartal deutlich zu. Doch das Wachstum in den ersten neun Monaten liegt bei den Exporteuren nur bei einem Prozent – auch das also kein Polster, auf dem sich sorgenfrei ausruhen ließe.

„Der Handelskonflikt ist nicht weg“, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. „Von daher macht diese Schwalbe bei den Exporten der deutschen Industrie im dritten Quartal leider noch keinen Konjunktur-Sommer.“ Eines der Hauptprobleme  bleibt Unsicherheit, die durch die Handelskonflikte entstanden ist. Jüngste Daten aus China  zeigen erhebliche Bremsspuren. Eine nachhaltige Besserung der Gesamtlage sei nicht in Sicht, meint deswegen auch der Chefvolkswirt  von Union Investment, Jörg Zeuner. „Allenfalls eine weitere Stabilisierung. Die Ursachen der Wachstumsschwäche – der Handelskrieg, der Brexit und die Krise der Automobilindustrie – werden uns auch 2020 in Atem halten.“

Als wirtschaftliche Stützen erweisen sich weiterhin die boomende Baubranche und der private Konsum, der durch die niedrigen Arbeitslosenzahlen und tendenziell steigende Löhne befeuert wird. Doch je länger die Konjunktur schwächelt, desto mehr werden sich wohl auch die Konsumenten zurückhalten.  Im November verzeichneten die Konsumforscher der GfK das schwächste Konsumklima seit Herbst 2016.